Die Risikoaufschläge von Schweizer Unternehmensanleihen haben zuletzt deutlich abgenommen. Dafür verantwortlich sind unter anderem die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Aktivitäten der SNB in diesem Segment bisher noch relativ gering waren. Demnächst könnten jedoch weitere Zukäufe erfolgen. Für Privatanleger könnte es sich deshalb lohnen, dem Beispiel der Notenbank zu folgen.

Die Durchschnittsrenditen von Anleihen beinahe aller Sektoren liegen derzeit über denjenigen des Vorjahres. Profiinvestoren lassen sich deshalb nicht zweimal bitten: Die Privatbanker von Pictet etwa schichten Liquidität zugunsten von Aktien und auf in Franken ausgegebene Unternehmensanleihen um. In einem ausgeglichen Portefeuille nehmen Firmenbonds nun gegen 16% ein. Vor einem halben Jahr lag der Wert noch bei null. Im Gegenzug wird der Anteil an Staatsanleihen reduziert. Nicht nur die Renditen sind interessant, auch das Angebot nimmt laufend zu. Laut den Experten von M&G Investments nutzen Unternehmen derzeit die verbesserte Stimmung an den Kapitalmärkten, um sich zu refinanzieren. Bis Ende Mai wurden allein in Europa Neuemissionen mit einem Volumen von 189 Mrd Euro verzeichnet. In der Schweiz liegen derzeit Emissionsvolumen im Umfang von rund 1,4 Mrd Fr. auf (siehe Tabelle).

Auf das Angebot setzen

Auf Sicherheit bedachten Anlegern, die vom Trend profitieren wollen, wird von Julius Bär empfohlen, in sogenannte Covered Bonds zu investieren: Also Anleihen zu kaufen, die durch Hypotheken oder Staatsgarantien abgesichert sind. Vom Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), ab Juli Covered Bonds im Wert von 60 Mrd Euro zu erstehen, kann das Segment zudem zusätzlich profitieren. Erstklassige Ratings von Schuldnern aus der Schweiz, Deutschland oder Grossbritannien sollten dabei im Fokus der Investoren stehen.

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Weiteres Potenzial sehen die Experten von Julius Bär bei vorrangigen Anleihen von soliden Banken aus Staaten, welche es sich leisten können, den Finanzinstituten in Notsituationen zur Seite zu stehen. Diese Papiere bieten bei einem moderaten Risiko interessante Renditen.

Einstieg über Indexfonds

Nicht für alle Anleger ist es ratsam, direkt in Firmenbonds zu investieren. Anleihen können ausfallen, wenn die emittierenden Schuldner Konkurs gehen. Mit Exchange Traded Funds (ETF), börsengehandelten Indexfonds, kann diese Gefahr weiter gestreut und damit das Ausfallrisiko eines einzelnen Bonds deutlich minimiert werden.

Die Zahl der ETF in diesem Segment nimmt laufend zu. Lyxor legt etwa in diesen Tagen den ETF Euro Corporate Bond (Valor 10084202, Total Expense Ratio [TER] 0,2%) auf. Der ETF bildet die Wertentwicklung des Markit iBoxx Euro Liquid Corporates Index ab. Der Bond-Index setzt sich aus 40 verschiedenen Unternehmensanleihen zusammen. Diese müssen mindestens über ein BBB-Rating verfügen, also aus dem Investment-Grade-Bereich stammen. Darunter fallen auch Bonds der Credit Suisse, der UBS und von Roche.

Risiken nicht vernachlässigen

Die einfachen Produkte sorgen jedoch nicht zwingend für sichere Renditen. Das zeigt der iShares Dollar Corporate Bond (Valor 1613957, TER 0,2%). Der ETF enthält hochrangige, in Dollar ausgegebene Unternehmensanleihen und musste seit Beginn des Jahres leichte Einbussen hinnehmen. Hingegen konnten Anleihen aus Schwellenländern in diesem Jahr deutliche Kursgewinne verzeichnen. Laut den Experten der Bank Julius Bär sind die höheren Erträge mit stärkeren Kursschwankungen verbunden. Das Ausfallrisiko in den Schwellenländern habe jedoch durch die Kapitalspritze des Internationalen Währungsfonds (IWF) abgenommen. Produkte, welche in diese Regionen investieren, sind etwa der BNY Mellon Emerging Market Debt Fund (US$ A Shares) mit Valor 2156482 und Gebühren von 1,71% (TER) oder der MFS Meridian Funds - Emerging Mkts Debt A1USD (Valor 1214241). Bei dem Fonds beläuft sich die TER auf 1,62%.