Diese Nachricht liess die bereits leidgeprüften Banker erneut erbleichen: Die Beteiligungsfirma Victory wolle die Fabrikbau-Sparte der deutschen M+W Zander-Gruppe an die Pfäffikoner Oerlikon für (zu) teure 1 Mrd Euro verkaufen, berichtete die «Handelszeitung» (siehe Ausgabe Nr. 12 vom 19. März 2008). Banker befürchteten daraufhin, dass diese Meldung – bliebe sie ohne Dementi – zu einem weiteren Kurssturz der Oerlikon-Aktie führen würde. Grund: Sinken Oerlikon unter die psychologisch wichtige Grenze von 300 Fr., bekommen Banken, die selber investiert sind, «kalte Füsse und würden ihre Beteiligungen abstossen». Das bestätigen mehrere unabhängige Quellen aus Finanzkreisen.

Das Ergebnis solcher Notverkäufe ist vergleichbar mit dem überstürzten Ausstieg des Hedge-Fonds Focus Capital aus Hiestand, Schulthess & Co: Der Börsenwert dieser Firmen schrumpfte binnen Tagen um bis zu 50%. Im Fall von Oerlikon kommt erschwerend hinzu, dass Finanzinstitute wie Deutsche Bank und Julius Bär Oerlikon-Aktien nicht zum Selbstzweck halten. Vielmehr sichern sie sich als Emittenten von Derivateprogrammen – derzeit laufen auf Oerlikon rekordverdächtige 120 Optionsserien – mit Aktienkäufen ab. Verlieren Oerlikon massiv an Wert, geraten ihre Finanzkonstrukte ins Wanken. Und so glühten die Drähte, in einer Art «Rundtelefon» wurden Oerlikon-Investoren vor drohenden Kursverlusten gewarnt. Das Dementi folgte sogar noch am Abend des 18. März: Victory betonte, dass «M+W Zander oder Teile davon nicht an OC Oerlikon verkauft werden sollen».

Nicht widersprochen wurde im Communiqué allerdings der Information, Victory strebe den Verkauf der Zander-Gebäudemanagement-Sparte an. Das freut die Victory-Hausbanken ABN Amro, Bank Austria und Unicredito – aus diesen Kreisen ist nämlich zu vernehmen, dass man sich für Victory frisches Eigenkapital wünsche. Zu angeblichen Engpässen liess Victory-Vertreter Ronny Pecik bereits vergangene Woche gegenüber der «Handelszeitung» verlauten: «Wir kommentieren keine Gerüchte.»

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