Die Personalunion von VR-Präsident und CEO beim Baukonzern Implenia steht in der Kritik. Nachdem Werner Karlen als Implenia-Chef nach nur zwei Monaten im Amt im letzten April überraschend zurückgetreten war, hatte Verwaltungsratspräsident Anton Affentranger auch noch die operative Leitung des grössten Schweizer Baukonzerns übernommen. Um trotz Affentrangers Doppelfunktion die Unabhängigkeit von Verwaltungsrat und Management zu gewährleisten, hat der Implenia-Verwaltungsrat inzwischen einen sogenannten Independent Lead Director ernannt.

Beispiel Novartis

Übernommen hat diese Rolle Toni Wicki, Implenia-Verwaltungsrat und ehemaliger Chef des Rüstungskonzerns Ruag. Allzu lange wird Wicki nicht Aufpasser spielen, denn er ist von der Personalunion CEO und Verwaltungsratspräsident nicht überzeugt (siehe auch «Nachgefragt»). Die Funktion des Lead Director ist vor allem in der angelsächsischen Unternehmenswelt üblich. Sie hat aber auch in der Schweiz Einzug gehalten, wenn die Gewaltenteilung zwischen CEO und Verwaltungsrats-Präsident gestört ist. So wurden auch bei Novartis oder bei Lindt & Sprüngli Aufpasser eingesetzt. Bei Novartis nimmt Ulrich Lehner diese Rolle wahr.

Der Lead Director soll sicherstellen, dass der Verwaltungsrat die Leistungen des Managements objektiv bewertet und die Grenzen zum Management anerkennt. Damit soll die gestörte Machtbalance möglichst wieder hergestellt werden. Der Lead Director berät den Chairman aber auch im Hinblick auf Strategien, Verantwortlichkeiten und Zielsetzungen des Unternehmens.

Anzeige

Der Schokoladenkonzern Lindt&Sprüng-li hat letztes Jahr das Verwaltungsratsmitglied Antonio Bulgheroni zum Lead Director ernannt. «Ihm kommt die Rolle zu, die Selbstständigkeit des VR gegenüber dem Präsidenten und CEO sicherzustellen», erklärt Sylvia Kälin, Mediensprecherin des Schokoladenkonzerns. Der Lead Director könne zum Beispiel eine Sitzung des Verwaltungsrats ohne Teilnahme des Präsidenten und CEO einberufen und das Ergebnis diesem dann später mitteilen.

Lindt bleibt bei Doppelmandat

Bei Lindt & Sprüngli ist man im Gegensatz zu Implenia von der Doppelfunktion CEO und Verwaltungsratspräsident überzeugt: «Das Doppelmandat führt zu kurzen, unkomplizierten Kommunikationswegen zwischen VR und Konzernleitung. Das hat in den letzten Jahren zu einem hohen Grad an operativer Flexibilität und schneller Reaktionsfähigkeit geführt», meint Mediensprecherin Kälin.

nachgefragt
«Implenia will bis Ende 2010 einen neuen CEO»

Toni Wicki, Verwaltungsrat des Baukonzerns Implenia, zu seiner Rolle als Lead Director und zum Abwehrkampf gegen Laxey

Weshalb braucht es einen Lead Director?

Toni Wicki: Es braucht einen Lead Director, wenn die Funktionen des CEO und des VR-Präsidenten in Personalunion ausgeübt werden. Der Lead Director stellt die Checks and Balance zwischen operativen und nicht operativen Bereichen her und muss die Unabhängigkeit des Verwaltungsrates garantieren.

Ist ein Lead Director aus dem VR wirklich unabhängig? Sollte nicht eine Person ausserhalb des VR gewählt werden, ähnlich einem Ombudsmann?

Wicki: Der Lead Director muss zwingend im VR sein, sonst würde ein Schattengremium zum Verwaltungsrat entstehen. Im Übrigen ist dies gängige Praxis in andern internationalen Konzernen wie zum Beispiel Novartis und Boeing.

Finden Sie es nicht besser, wenn zwei verschiedene Personen das Amt des VR-Präsident und des CEO ausüben?

Wicki: Kurzfristig lag die getroffene Lösung als beste Variante auf der Hand. Es entspricht jedoch unserer Philosophie, dass die beiden Funktionen personell getrennt sind. Bis Ende 2010 sollten wir bei Implenia auch wieder einen neuen CEO bestimmt haben.

Überwachen Sie Implenia-CEO und VR-Präsident Anton Affentranger auch im Kampf mit Laxey?

Wicki: Es geht nicht um Überwachung, sondern um die Sicherstellung der Unabhängigkeit der Entscheidungen des Verwaltungsrats und um entsprechende Transparenz. Hinsichtlich der Auseinandersetzung mit Laxey sind wir uns im Verwaltungsrat einig.

Der Abwehrkampf gegen Laxey kostet Implenia jährlich rund 3 Mio Fr. Wofür kämpfen Sie?

Wicki: Wir kämpfen für unsere Stakeholder. Im Gegensatz zum Hedge Fund Laxey, der für seine Investoren und sein Management rein finanzielle Interessen verfolgt, sind wir auch gegenüber Kunden, Mitarbeitern und allen Aktionären verantwortlich. Wir kennen die Absichten des Konglomerats Laxey nicht.

Haben Sie je mit Laxey direkt gesprochen?

Wicki: Direkt habe ich nie mit Laxey verhandelt. Wir haben dafür eine VR-Delegation bestimmt. Als Lead Director will ich aus grundsätzlichen Überlegungen nicht direkt in solche Verhandlungen involviert sein.

Als Lead Director erhalten Sie sicherlich eine gute Entlöhnung. Ich habe gehört, dass ein VR-Mitglied bei Implenia pro Conference Call 2500 Fr. erhält.

Wicki: Die Verwaltungsratshonorare kann man im Geschäftsbericht nachlesen. Die Honorare beinhalten die Gesamtentschädigung für die erbrachten Leistungen. Im Übrigen sind telefonische Sitzungen bei einem international zusammengesetzten VR sehr sinnvoll und Kosten sparend, wenn es sich um kurzfristig notwendige ausserordentliche Sitzungen handelt.