Um die angeschlagene Schweizer Exportwirtschaft in den ärgsten Krisenmonaten nicht noch mehr zu belasten, hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Ziel ausgegeben, den Euro-Franken-Kurs nicht unter 1.50 absinken zu lassen. Bereits die Ankündigung der Notenbanker genügte damals, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

In den letzten Wochen hat jedoch der Franken gegenüber dem Euro deutlich zugelegt und der Kurs ist mit nur mehr 1.47 deutlich sogar unter die kritische Grenze gefallen. Die Entwicklung des Franken-Euro-Kurses bereitet den Experten Kopfzerbrechen. Laut der jüngsten ZEW-Umfrage der Credit Suisse (CS) erwartet ein Drittel der Finanzmarktexperten einen tieferen Kurs und damit einen stärkeren Franken. Rund ein Fünftel der Befragten geht von einer Abwertung des Frankens aus. Die Zahl derer, die von einer weiteren Stärkung des Frankens ausgehen, hat jedoch stärker zugenommen.

Franken ist gesucht

Denn durch ein gestärktes Marktvertrauen verliere der Franken zwar seine Attraktivität als sicherer Hafen und dürfte etwas nachgeben, so die Experten der Bank Sarasin. Doch bei einem erneuten Abkühlen des globalen Wirtschaftswachstums könnte die Nachfrage nach Franken entsprechend zunehmen.

Anzeige

Auch bei Credit Suisse geht man davon aus, dass sich die SNB aus den unkonventionellen geldpolitischen Massnahmen zunehmend zurückziehen wird und sich gegenüber einer Franken-Aufwertung toleranter zeigt. Der aktuelle Steigflug werde sich daher fortsetzen. Die SNB hatte bei der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung ihre Ziele für den Franken angepasst. Sie wird nicht mehr jede Aufwertung gegenüber dem Euro verhindern, sondern nur bei einem übermässigen Anstieg des Frankens intervenieren. Für die nächsten drei Monate beträgt der von der Credit Suisse prognostizierte Euro-Franken-Kurs zwischen 1.45 und 1.49 Fr. Für die nächsten zwölf Monate wird ein Kurs von rund 1.46 Fr. erwartet. Die CS-Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrisiken bei der SNB mittelfristig die stärkere Beachtung haben werden, sollte sich die Konjunkturerholung fortsetzen.

Die Spekulationen um die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion könnten dafür sorgen, dass der Franken weiter zulegt, und auch gegenüber dem Dollar dürfte sich die Abwertung des Euro fortsetzen.

Die in Schieflage geratenen Staatshaushalte einiger EU-Staaten, so Griechenland und Portugal, belasten die Gemeinschaftswährung. Doch der Austritt einzelner Volkswirtschaften aus dem Euro-Raum ist kaum mehr als ein Gedankenexperiment. Die betroffenen Staaten werden kaum im Stich gelassen, denn das wäre nicht nur ein schwerwiegender Test für die EU, sondern würde auch die betroffenen Staaten in eine beinahe ausweglose Situation führen.

Zudem gelang es Griechenland vor wenigen Tagen, eine Staatsanleihe über 8 Mrd Euro zu platzieren. Die Nachfrage für die Papiere lag bei rund 25 Mrd Euro. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen gingen daher leicht zurück.

Dollar vor Erholung

Der Dollar-Franken-Kurs notiert mit 1.04 Fr. knapp wieder über pari. Die Befürchtung, dass Notenbankchef Ben Bernanke das Vertrauen entzogen wird, sorgte zuletzt für einen Rückschlag bei der Erholungsrally. Zudem lastet auf dem Dollar die Befürchtung, dass eine Tiefzinspolitik der US-Notenbank die Währung zum Instrument für Carry Trades machen wied. Sollte sich jedoch eine Erhöhung der Leitzinsen abzeichnen, würde der Effekt nachlassen. Sarasin geht daher von einem Absinken des Frankens gegenüber dem Dollar aus. Die Kursprognose für Ende 2010 liegt bei über 1.10 Fr.