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«Auftrennung hemmt Wettbewerb»

Erstmals nimmt CEO Rudolf Fischer zu den Forderungen von Sunrise, die Swisscom aufzuteilen, Stellung. Sein Verdikt: Die Anreize für Investitionen würden damit zerstört.

Von Michael Kuhn
am 22.01.2008

Seit Sunrise-Chef Christoph Brand in der «Handelszeitung» die Auftrennung des Swisscom-Festnetzes nach Diensten und Infrastruktur gefordert hat, herrscht in der Branche dicke Luft. Mit dem Bekenntnis von Orange-CEO Andreas Wetter, diese Idee zu unterstützen, wurde die Luft nicht dünner. Im Gegenteil: Plötzlich machte es den Anschein, als hätten sich alle Herausforderer gegen den Platzhirsch Swisscom verbündet. Der Eindruck täuscht.

Gerade der schärfste Konkurrent von Swisscom im Festnetzgeschäft, Cablecom, kann dem Vorpreschen von Sunrise und Orange wenig abgewinnen: «Die Forderungen von Sunrise sind viel zu weitgehend und verfrüht», sagt Managing Director Rudolf Fischer. Eine funktionale Trennung würde «den Infrastrukturwettbewerb hemmen» und «den Betreibern, die bisher investiert haben, würden die Innovations- und Investitionsanreize genommen».

Kürzere Spiesse für alle

Zwar hätten mit einer Auftrennung alle Marktteilnehmer die gleich langen Spiesse, was etwa Sunrise als Argument ins Feld führt. «Aber diese Spiesse sind dann wesentlich kürzer als heute», kritisiert Fischer. Für ihn ist es denn auch unverständlich, weshalb nun ein neuer, langwieriger politischer Prozess angestossen werden sollte. «Statt das regulatorische Umfeld auf den Kopf zu stellen, sollten sich Regulator und Politik auf eine rasche und effiziente Umsetzung der heute bereits vorhandenen Regulierungsinstrumente konzentrieren.»

Damit zielt der Cablecom-Chef auf die Entbündelung der Letzten Meile. Diese ist vor wenigen Monaten angelaufen und ermöglicht der Swisscom-Konkurrenz im Festnetz einen direkten Zugang auf die letzten Meter Kupferkabel zwischen Verteilzentrale und Hausanschluss. Die Investitionen in der Höhe von mehreren 100 Mio Fr. für eine Abdeckung der 20 grössten Agglomerationen sind aber beträchtlich. Dennoch geht die Entbündelung zügig voran: Technisch könnten bereits heute schon 1,6 Mio Swisscom-Kundinnen und -Kunden an einem Netz der Konkurrenz hängen.

Wie viele es dann wirklich sind, die den Anbieter wechseln, wird sich in den nächsten zwölf Monaten zeigen. Und damit auch, ob die Entbündelung, die im europäischen Vergleich zehn Jahre später eingeführt wurde, hierzulande ein Erfolg wird. Falls nicht, zieht selbst Fischer eine funktionale Trennung in Betracht. «Aber nur dann», ergänzt er. Erst sollten die laufenden Verfahren – sprich die hängigen Klagen gegen die Preisfestsetzung der Swisscom für die Letzte Meile – zügig durchgezogen werden.

Der Staat soll früher eingreifen

Das allein genügt Fischer aber nicht. Die Schweizer Politik müsse die Ursachen für den Sunrise-Vorstoss untersuchen «und das Problem an der Wurzel packen», also den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt ankurbeln. Konkret schlägt er eine Änderung des Regulierungsverfahrens vor. Anstatt die staatliche Regulierung von Bedingungen und Preisen erst nach einer Umsetzung (ex-post) vorzunehmen, soll diese vorgezogen werden. Diese Ex-ante-Regulierung fordert auch der Discountanbieter Tele2.

Bei der Swisscom dagegen sieht man keinen Grund, nach dem Inkrafttreten des neuen Fernmeldegesetzes von der Ex-post-Regulierung abzuweichen. Der Wettbewerb sei bereits intensiv. Mit anderen Worten: Die dicke Luft bleibt.

 

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