Wirtschaft und Wohlstand bestimmen den Energieverbrauch pro Kopf massgeblich. Beides unterliegt einem starken Wachstum. Darstellen lässt sich diese Entwicklung anhand des Bruttosozialprodukts im Vergleich zum gesamten Energiebedarf. Bis zum Jahr 2030 prognostiziert die Internationale Energie Agentur (IEA) einen Anstieg des weltweiten Energiebedarfs um mehr als 50%. Der steigende Energieverbrauch pro Kopf bietet keine leichte Ausgangslage, um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Nur wenn es gelingt, die Korrelation von Bruttosozialprodukt und Energieverbrauch zu entkoppeln, kann der Anstieg des Bedarfs reduziert werden. In der Vergangenheit ist dies teilweise bereits gelungen: Der Energieverbrauch ist langsamer angestiegen, als das Bruttosozialprodukt gewachsen ist. Der absolute Anstieg konnte aber bisher nicht gestoppt werden.

Eine Steigerung der Energieeffizienz unterstützt diese Entkopplung und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Ein geringer Energiebedarf ist kosteneffizient und gleichzeitig wird der CO2-Ausstoss reduziert. Auch ohne kostspielige CO2-Abgaben rechnen sich viele Massnahmen heute schon aufgrund der eingesparten Energie, wie z.B. Energiesparlampen.

Riesiges Sparpotenzial

Der etwas höhere Anschaffungspreis wird wettgemacht durch die eingesparte Energie und die höhere Lebensdauer der Lampen. Doch wieso haben sie sich im Markt noch nicht durchsetzen können? Drei Barrieren stehen eine den Marktkräften überlassenen Verbreitung im Weg: Ein Mangel an Information der Konsumenten, die relativ geringe ökonomische Relevanz der Energiekosten für die Konsumenten und Abstriche beim Produktnutzen, wie die Verzögerung beim Einschalten der Lampe und das etwas kältere Licht.

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Das Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz ist riesig. Von der Energie, die theoretisch gesehen im Rohstoff steckt, wird nur etwa ein Drittel genutzt. Bei Elektrogeräten gehen über die Energiekette 80% der Primärenergie verloren. Dieses enorme, theoretische Sparpotenzial ist jedoch aus physikalischen Gründen nicht realisierbar. Das realistische Einsparpotenzial von Energieeffizienzmassnahmen liegt bis 2020 jedoch bei mehr als 20% (McKinsey-Studie 2007).

Es ist zu erwarten, dass diese Einsparmöglichkeiten an Attraktivität gewinnen werden. Einerseits aufgrund der hohen Energiepreise – welche durch steigende Nachfrage und knappe Reserven in naher Zukunft kaum sinken werden –, andererseits dank der politischen Bedeutung des Klimawandels. Technologien und Dienstleistungen, welche eine Steigerung der Energieeffizienz ermöglichen, werden daher jetzt aus Unternehmens- und Anlegersicht interessant.

Vielversprechende Branchen

Nicht alle Energiesparoptionen sind wirtschaftlich attraktiv. Kostenvorteile gegenüber bestehenden Technologien reichen aufgrund der genannten Barrieren nicht aus. Die Sensitivität der Anwender muss erhöht werden. Auch staatliche Förderprogramme oder Energieeffizienzstandards ermöglichen den Durchbruch am Markt. Zu den Bereichen mit hoher Marktattraktivität für Energiespartechnologien zählt beispielsweise die Kraftwerkstechnik, denn hier schlägt die Energieeffizienz direkt bei den Betriebskosten zu Buche. Das Gleiche gilt für energieintensive Industrien, wie Eisen und Stahl, Chemie, Papier oder Zellstoff.

Wenig energieintensive Unternehmen und konsumnahe Bereiche (Gebäude, Heizung, Haushaltsgeräte usw.) reagieren daher erfahrungsgemäss wenig sensitiv auf steigende Energiepreise. Hier bestehen attraktive Marktchancen für Energiespartechnologien vor allem dort, wo staatliche Vorgaben und Förderungen bestehen oder geplant sind. In Japan besteht ein «Top Runner» Energieeffizienzstandard für Elektrogeräte. Danach muss sich der Energieverbrauch eines neuen Geräts am effizientesten Produkt des Marktes orientieren. Der Weltmarkt vieler Elektrogeräte wird von globalen Herstellern dominiert, daher wird dieser Standard weltweite Auswirkungen haben. Die Aussichten für Energieeffizienztechnologien im Gebäudebereich (z.B. Isolation) sind in der EU gut, da hier Energieeffizienz-Mindeststandards beschlossen wurden. In den USA bestehen solche Anforderungen dagegen nur in einigen Bundesstaaten (z.B. Kalifornien).

Energieeffizienz ist ein kosteneffizienter Lösungsansatz für die weltweiten Energieprobleme und daher eine attraktive Investitionsmöglichkeit. Sie ist jedoch kein kurzfristiges Thema: Der erforderliche Umbau unserer Energieversorgung braucht Zeit. Anleger mit längerfristigem Horizont können daher von den wachsenden Märkten für Energieeffizienztechnologien und -dienstleistungen profitieren.

Energieeffizienz ist jedoch nicht per se attraktiv. Entscheidend ist, in welchen Technologien, Produktbereichen und Regionen sich ein Unternehmen bewegt. Aus Anlegersicht gilt es daher, auf das richtige Pferd zu setzen. Professionell zusammengestellte Anlageprodukte wie Fonds oder Baskets basieren auf einer sorgfältigen Analyse von Energieeffizienztechnologien und Unternehmen sowie einer ausgewogenen Diversifikation von Chancen und Risiken.