Die Sommerpause mit einem Einbruch in der Nachfrage überbrücken die Schweizer Automobilimporteure und Garagisten dieses Jahr in guter Laune. Im Juni, traditionell einem starken Monat für die Branche, wurden im Vergleich zu 2009 stolze 17,5% mehr Autos verkauft. Rund 31500 Fahrzeuge wurden neu zugelassen; dies sind 4700 Neuwagen mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Das zweistellige Wachstum nährt Hoffnungen auf ein ebenfalls erfreuliches 2. Semester.

Zur Normalität zurückgekehrt

Denn 2010 lief bis anhin flott. Umgelegt auf das 1. Halbjahr schreibt Auto-Schweiz, die Vereinigung der Importeure, in der Zulassungsstatistik ebenfalls ein zweistelliges Wachstum: Um 10,4% legten die nahezu 50 in der Schweiz präsenten Marken zu, dies von 133720 auf 147589 Verkäufe. Damit rückt das Ziel, dieses Jahr wieder die 270000er-Grenze zu knacken, in Reichweite. 2009 waren 266018 Autos (-7,8%) verkauft worden.

Wobei Andreas Burgener, der Direktor von Auto-Schweiz, Bern, vor übertriebenem Optimismus warnt: «Das Resultat des 1. Semesters 2010 stimmt zuversichtlich, es muss aber - vergleicht man einen längeren Zeitraum - relativiert werden. Vor zwei Jahren lagen wir im gleichen Zeitraum 4172 PW-Verkäufe höher.»

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Dacia verdreifacht die Verkäufe

In Abhängigkeit vom Modellzyklus profitieren allerdings nicht alle Marken gleichermassen vom Aufschwung. Mit einem Wachstum von 208% stellt Dacia, der Preisbrecher mit rumänischen Wurzeln aus dem Renault-Konzern, alles in den Schatten. 2223 Günstigautos (die Preisspanne für den Sandero beginnt bei 9900 Fr.) fanden einen Käufer, vornehmlich junge Familien und preissensitive Frauen. Arnaud de Kertanguy, eben erst zum 1. Juli neuer Generaldirektor von Renault Suisse in Urdorf geworden, gerät ins Schwärmen ob des eroberten Marktanteils von 1,5% seiner Tochter Dacia: «Das ist eine Erfolgsstory, die noch mehr Gewicht erhält, wenn wir den Bestellungseingang für das 2. Semester analysieren.» Denn da lanciert Dacia im August den Duster 4×4 (siehe Bild), das gemäss de Kertanguy «massgeschneiderte Auto für die Schweiz».

Zu den 24 Gewinnern in den ers-ten sechs Monaten gehören, nimmt man Marken mit mindestens 500 Verkäufen als Basis, neben den oben in der Top-20-Tabelle aufgeführten Marken zudem Land-Rover mit +70,3% (896), Chevrolet mit +52,1% (1620), Jeep mit +33,3% (549), Porsche mit +28,7% (865), KIA mit + 11,7% (1673) und Daihatsu mit +5,2% (1202 Autos).

Und die Verlierer auf der ersten Etappe 2010? 15 der detailliert beobachteten Marken konnten nicht ans Vorjahr anknüpfen, allen voran aus nachvollziehbaren Gründen Saab (-36,7% auf noch 236 Verkäufe). Ein zweistelliges Minus schreiben auch Jaguar mit 18% (296), Lancia mit ebenfalls 18% (445), Maserati mit 14,6% (111), Subaru mit 13,6% (4377), Smart mit 12,7% (1172) und Honda mit 12,6% (4191 Verkäufe).

Oftmals werden diese Einbussen mit dem Modellzyklus begründet. Morten Hannesbo, CEO der Amag-Gruppe in Schinznach-Bad, schiebt aber noch eine weitere Begründung nach: «Die aktuellen Zulassungszahlen können beeinflusst sein durch Lieferengpässe. Die Amag geht davon aus, dass wir in der 2. Jahreshälfte noch mehr bewegen können, einerseits dank der entsprechenden Lieferzusagen, andererseits aber auch dank neuer Modelle.» Die Amag ist nationaler Leader mit den Spitzenmarken VW (unverändert die Nummer eins auf dem schweizerischen Markt), Audi, dem Senkrechtstarter Seat (+40,5%) und Skoda.

Bleibt die Frage, wo Opel steht, die stark von Spekulationen und Unsicherheiten über ihre Zukunft gebeutelte GM-Tochter aus Rüsselsheim. Adrian Brodbeck, Markenchef Opel bei General Motors Schweiz in Glattbrugg, zum Plus von 2% auf annähernd 8000 Neuwagen: «Die Entscheidung von GM, Opel aus eigener Kraft zu restrukturieren, hat allen Spekulationen ein Ende gesetzt. Wir konzentrieren uns nun voll auf unsere neuen Produkte wie den neuen Astra und den Meriva.» Opel erreicht Platz 5 in der Schweizer Markenrangliste.

Verbrauch wird immer wichtiger

Nach Modellen aufgeschlüsselt führen der VW Golf (5968), der Skoda Octavia (3785), der VW Polo (2682) und der Audi A4 (2445) die Einzelrangliste an, alle durch die Amag importiert. Verfolgt werden sie vom Ford Fiesta (2424), dem Opel Astra (2367), der BMW-3er-Reihe (2241), dem Audi A3 (2186), dem Peugeot 207 (2165) und dem Seat Ibiza (2123). Klein- und Mittelklassewagen fahren - schon seit längerem - somit in der Beliebtheitsskala weiterhin auf die Spitzenplätze.

Die Grösse alleine ist allerdings nicht das einzige Kaufargument. Hannesbo spricht davon, dass «vor allem effiziente Versionen gefragt sind». Leistung und Verbrauch müssen in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen. Auch de Kertanguy von Renault/Dacia unterstreicht: «Der Neuwagenkäufer verlangt heute verbrauchsgünstige Fahrzeuge mit einem vernünftigen CO2-Ausstoss, basierend auf einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.» Erich Papke, Managing Director BMW Group Switzerland in Dielsdorf, sieht verschiedene Tendenzen: «Einerseits ist bei uns der kompakte X1 ein Kassenschlager, anderseits sind es aber auch unsere grösseren Modelle wie die neue 5er-Limousine oder der X5. Feststellbar ist der Trend zu verbrauchsoptimierten Motorisierungen.»

In die gleiche Richtung deutet die Prognose von Stephan Vögeli, Managing Director Jaguar Land Rover Schweiz AG in Safenwil: «Im Moment ist die Nachfrage nach multifunktionalen Allradfahrzeugen mit modernen und effizienten Dieselmotoren sehr gross.»

Die Schweizer Kunden seien vermehrt preisbewusst auf Schnäppchenjagd, erklärt Piergiorgio Cecco, der Managing Director von Maserati Schweiz AG in Schlieren: «Der Autokonsument wird auf dieser Jagd meist auch fündig.» Weniger zuversichtlich ist Cecco für das Luxussegment: «Dieses wird sich in der 2. Jahreshälfte kaum wesentlich verbessern und - wenn überhaupt - knapp die Vorjahresimmatrikulationen erreichen.»