Besondere Ereignisse werfen ihre Schatten. Nissan, Japans zweitgrösster Automobilhersteller, nutzt den Salon in Genf, um eine Weltpremiere der ganz besonderen Art zu feiern. Infiniti, Nissans Luxustochter, stellt mit dem FX50 das neueste Modell vor und kündigt gleichzeitig den Eintritt in den europäischen Markt an. In sechs Monaten rollen die ersten Fahrzeuge auf Europas Märkte. Vorgesehen ist die Lancierung von vier Modellreihen; dazu gehören mit dem EX37 ein sogenannter Crossover, also eine Mischung aus Limousine und Geländewagen, eine Stufenhecklimousine (G37), ein Coupé und eben der völlig neu entwickelte FX50, ein grosses Sport Utility Vehicle (SUV).

Der FX50 erregt am Genfer Salon deshalb besondere Aufmerksamkeit bei den Fachleuten und beim Publikum, weil die Premiummarke (lanciert 1989) erstmals eine ihrer Weltpremieren ausserhalb Japans oder der USA über die Bühne laufen lässt. Infiniti, vergleichbar mit Lexus von Toyota, wurde vor allem für den US-Markt entwickelt und erst Jahre später auch in Japan und in einigen ausgewählten Ländern Asiens verkauft; der grösste Markt sind für Infiniti vorläufig immer noch die USA. Jedes Jahr verkaufen die Japaner dort mehr als 100000 Autos.

Europa bleibt ein hartes Pflaster

Jetzt sieht Infiniti die Zeit für gekommen, auch in Europa Fuss zu fassen, wenngleich hohe Verkaufszahlen – wie in den USA üblich – wohl noch für Jahre ausser Reichweite liegen dürften. Allerdings steht ein rasches Wachstum für die Verantwortlichen keineswegs im Vordergrund. «Geplant ist ein langsames, kontinuierliches Wachstum», erklärt etwa Jim Wright, verantwortlich für die Infiniti-Aktivitäten in Europa.

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Wie hart der europäische Markt für Luxusfahrzeuge aus Japan tatsächlich ist, zeigt das Beispiel Toyota mit seiner Premiumreihe Lexus. Trotz ausgezeichneter Qualität wurde – nach über 15 Jahren Präsenz in ganz Europa (inklusive Russland) – erstmals 2007 die 50000er-Marke geknackt.

Infiniti will sich hingegen von Absatzzahlen nicht unter Druck setzen lassen. Auch ist man sich bewusst, dass der Aufbau eines Händlernetzes viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt.

In einer ersten Phase sollen die vier Modellreihen dem Publikum bekannt gemacht und klar gegen die Konkurrenz positioniert werden. So tritt das Top-Modell FX50 als Alternative gegen den Porsche Cayenne, den Range Rover Sport und den BMW X5 an.

Dementsprechend stark fällt die Motorisierung aus: Für den FX50 ist ein 5-l-V8-Benzinmotor mit Vierventiltechnik, 390 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 500 Nm vorgesehen. Erhältlich ist das Modell zudem als Alternative mit einem V6-Triebwerk. In zwei Jahren soll zusätzlich ein Dieselmotor zur Verfügung stehen. Die Motoren sind mit einem Allradantrieb gekoppelt. Im Normalbetrieb werden die Hinterräder angetrieben, falls es der Strassenzustand jedoch erfordert, kann die Motorkraft bis zu 100% auf die Vorderachse verlagert werden. Die Kraftübertragung erfolgt über einen 7-Stufen-Automaten.

Die Rede ist von 100000 Franken

Angaben über Verbrauch und Emissionsausstoss sind noch nicht erhältlich. Ein Hybridantrieb zur Senkung des Verbrauchs sei für die Infiniti-Reihe nicht geplant, man setze auf effiziente Dieselmotoren und später auf die Brennstoffzelle, so Wright. Für das Flaggschiff FX50 dürfte der Preis in der Gegend von 100000 Fr., möglicherweise sogar darüber liegen. Das Management betont, dass selbst in der Einführungsphase die Fahrzeuge nicht über den Preis verkauft werden.

Mit dem Crossover (Bezeichnung EX37) beabsichtigt Infiniti, gegen Konkurrenten wie den BMW X3 oder den in Kürze auf den Markt kommenden Audi Q5 anzutreten. Die Limousine und das Coupé (G37) sind als Konkurrenten gegen entsprechende Modelle von Audi, BMW und Mercedes gedacht.