Der Millionär und deutsche UBS-Klient P.S.* ist offenbar kein Einzelfall: Die «Handelszeitung» ist mittlerweile auf ähnliche Fälle aufmerksam gemacht worden. Analog zum Fall P.S. sorgten die fehlerhaften internen Systeme bei der UBS Deutschland auch in anderen Kundendepots für hohe Verluste.

Eine Anwaltskanzlei aus Düsseldorf wies darauf hin, dass sich in diesem Zusammenhang mehrere Kunden bei ihr gemeldet haben. Wie bei P.S. sollen bei den betroffenen Kunden Börsenaufträge nicht termin-gerecht platziert worden sein.

Die Folge: Die misslungenen Börsenaufträge rissen hohe Verluste in die Kundendepots. Die Kanzlei liess weiter verlauten, dass sie derzeit mit der UBS in dieser Sache in Verhandlung stehe. Dabei werde vorerst untersucht, ob die entstandenen Verluste einzig den missratenen Börsenplatzierungen oder auch dem schwierigen Finanzplatzumfeld zuzuweisen seien.

Ein im Februar von der «Handelszeitung» veröffentlichter interner Bericht vom 14. Oktober 2008 untersuchte die UBS Deutschland hinsichtlich Fehlaufträgen in P.S. Depots. Die Verfasser kamen damals zum Schluss, dass die internen Risikokontrollsysteme den Herausforderungen nicht standhielten, und forderten Anpassungen.

Anzeige

Strafanzeige: Erstes Ziel erreicht

Der deutsche UBS-Kunde P.S.*, der vor einigen Wochen gegenüber der «Handelszeitung» seine schwierige Beziehung zur Grossbank offenlegte, hat in der Zwischenzeit ein erstes Ziel erreicht: Seine Strafanzeige gegen die UBS Deutschland wird voraussichtlich in München verhandelt - und nicht in Frankfurt. Grund: Zwar hat die UBS Deutschland ihren Sitz in Frankfurt, doch P.S. wohnt im Raum München, am Tegernsee. Die Anzeige falle unter die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft in München, bestätigt eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. P.S. Anwälte freuts: Sie kennen dort die Verantwortlichen bei Gericht seit Jahren. Die angekündigte Strafanzeige von P.S. gegen den UBS-Konzern bei der Zürcher Staatsanwaltschaft ist laut einem involvierten Rechtsanwalt noch in Arbeit.Die «Handelszeitung» hatte Anfang Februar berichtet, dass die UBS ihrem vermögenden deutschen Klienten P.S. geholfen haben soll, einen Scheinwohnsitz in Zürich und Stiftungen in Singapur zu errichten. Dem deutschen Fiskus entgingen so Steuergelder von bis zu 40 Mio Euro. P.S. verkrachte sich mit der UBS wegen Verlusten infolge der Finanzkrise und verlangte in einem ersten Schritt Schadenersatz. Die Bank wies die Forderungen jedoch zurück und drohte P.S. mit einer Anzeige beim Finanzamt - wegen Steuerhinterziehung. Was die UBS nicht wusste: P.S. hatte sich bereits selber beim Fiskus gemeldet und plante rechtliche Schritte gegen die Grossbank - wegen Verdachts der Untreue, des Betrugs, der Steuerhinterziehung und der versuchten Nötigung. Vor Gericht vernommen werden soll auch P.S.’ ehemaliger UBS-Berater D.P.*

Erneuter Chefwechsel bei UBS

Derweil kommt die UBS Deutschland nicht zur Ruhe: CEO Stephan Zimmermann (53) verlässt nach nur einem Jahr die Spitze des Instituts - und wechselt zur Konzernmutter nach Zürich, wo er den Posten eines Revisionsleiters übernimmt. Sein Nachfolger in Deutschland soll bis Ende Mai bekannt sein. Warum Zimmermann, der seit 1975 für das Institut tätig ist, nach Zürich wechselt, begründet eine UBS-Mediensprecherin so: «Herr Zimmermann ist der Wunschkandidat unseres Verwaltungsrates für die Konzernfunktion in Zürich.» Zimmermann habe das Team durch eine für die Bank kritische Phase geführt und habe den Markt Deutschland für die Zukunft positioniert.