Bereits seit einigen Tagen war in einschlägigen Blogs und Onlinemedien von einem baldingen Stellenabbau bei Microsoft die Rede. Gestern kam im Rahmen eines vorgezogenen Halbjahresergebnis die Bestätigung.: die Streichung von bis zu 5000 Jobs ist der erste grössere Abreitsplatzabbau beim weltgrössten Softwarehaus. Microsoft folgt damit anderen IT-Schwergewichten wie Google und Intel, die bereits zuvor Arbeitsplatzkürzungen bekannt gegeben hatten.

Der Abbau soll bei Forschung und Entwicklung, Marketing, Verkauf, in der Finanzabteilung, der Rechtsabteilung und bei der Konzernzentrale erfolgen. Diese Funktionen sind hauptsächlich in Redmond im US-Bundesstaat Washington konzentriert. Microsoft beschäftigt gegenwärtig weltweit 94000 Personen. Weil in einigen Bereichen weiter investiert wird, werden netto nur 2000 bis 3000 Stellen wegfallen.

Durch Sparmassnahmen bei Reisen und externen Vertragsmitarbeitern sollen ausserdem 15% der Kosten eingespart werden.

Enttäuschendes Ergebnis

Die Ankündigung der Entlassungen erfolgte im Rahmen des Quartalsergebnis. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 11% und verfehlte die Erwartungen klar. Zur Handelsmitte hatte die Aktie 11% seines Wertes verloren. Der letzte Quartalsgewinn sank von 4,7 auf 4,17 Mrd. Dollar, der Gewinn schrumpfte von 50 auf 47 Cents pro Aktie. Der Gesamtumsatz steig um 2% auf 16,63 Mrd. Dollar. Die Wall Street hatte 17.08 Mrd. Dollar Umsatz und einen Gewinn von 49 Cents pro Aktie erwartet.



«Wir sind gegenwärtig in einem Umfeld, wie es lediglich einmal im Leben vorkommt» schilderte Steve Ballmer, CEO von Microsoft, die Situation. Weil die Kunden der Office-Programmsuiten und Betriebssysteme weniger Zugang zu Krediten hätten, würden sie auch weniger investieren. Jetzt schlagen auch die tieferen PC- und Notebook-Absatzzahlen auf das Microsoft-Ergebnis durch. Ballmer verzichtete auf eine Prognose über den weiteren Gang des laufenden Geschäftsjahres. Laut den Marktforschern von IDC war das Weihnachtsquartal für das PC-Geschäft das schwächste seit 2002.



Hinzu kommen strukturelle Probleme. Die trendigen Netbooks laufen auf Windows XP, einem Produkt, bei dem Microsoft weniger Geld verdient als mit der letzten Betriebssystemversion «Vista». Vista ist aber für die kleinen Geräte viel zu «schwer».

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Keine Entlassungswelle in der Schweiz

«Microsoft Schweiz blickt auf ein erfolgreiches Halbjahr zurück» sagt Peter Waser, Chef von Microsoft in der Schweiz. «Wir konnten die Erwartungen sogar leicht übertreffen.» Was das Gewinnwachstum der letzen sechs Monate betrifft, belege die Schweiz einen Spitzenplatz in Westeuropa. «Trotz der momentanen Unsicherheit im Markt sind wir zuversichtlich, auch im zweiten Halbjahr ein gutes Resultat zu erzielen» sagt Waser gegenüber «Handelszeitung Online».

Dennoch soll es auch in der Schweiz zu Kündigungen kommen. «Microsoft Schweiz ist von den weltweit 1400 Entlassungen, die heute ausgesprochen wurden, nur am Rande betroffen, in unserer Niederlassung arbeiten weniger als eine Handvoll Leute in den Bereichen, die konsolidiert werden.» Mit den wenigen Betroffenen würden interne Lösungen gesucht. «Wir halten nach wie vor am angekündigten Ausbau unseres Development Centers in Zürich von heute 45 auf 200 Mitarbeitende in den nächsten drei Jahren fest» sagt Waser weiter. Die Lösungen, die hier entwickelt werden, sogenannte Voice over IP (VoIP) Applikationen, würden die Kommunikation der Zukunft ganz klar prägen. «Es liegt auf der Hand, dass wir auch in Zukunft massiv in Innovationen in diesem Bereich investieren werden.»