Wenn Chefs aus anderen Branchen über Umsatzeinbussen von 30 oder sogar 50% klagen, kann Martin Lehmann nicht mitreden. Der 42-jährige CEO der Handykette Mobilezone kennt solcherlei Einbrüche nur vom Hörensagen. Zwar dürfte Mobilezone dieses Jahr das Rekordergebnis von 2008 nicht überbieten können, «aber das Geschäft läuft konstant gut».

2009 ist ein Jubiläumsjahr: Vor zehn Jahren hat Lehmann zusammen mit Ruedi Baer die Ladenkette ins Leben gerufen (siehe «Nachgefragt»). Baer ist nach verlorenem Machtkampf gegen Financier Martin Ebner, der an Mobilezone beteiligt ist, diesen Frühling aus dem Verwaltungsrat der Firma ausgeschieden. Lehmann blieb als CEO an Bord. Und hat vor, weiterhin dabeizubleiben: «Für das Management hat sich durch die Neuzusammensetzung des Verwaltungsrates eigentlich nichts geändert.»

Vor der Einflussnahme Ebners war das Aufsichtsgremium während acht Jahren in exakt gleicher Zusammensetzung tätig. Zudem amtet Lehmanns Bruder Hans-Ulrich im Aufsichtsgremium. Von aussen konnte deshalb schon mal der Eindruck aufkommen, Mobilezone sei, obwohl an der Börse kotiert, so etwas wie ein Familienunternehmen.

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Lehmann wehrt aber ab: «Der frühere VR hat in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet. Und mein Bruder sitzt im VR, weil er von der Mobilfunkbranche viel versteht.» Tatsächlich war Hans-Ulrich Lehmann jahrelang Alleinimporteur von Nokia- und später Samsung-Mobiltelefonen in der Schweiz und ist auch heute noch in der Branche tätig.

Neuer Shop im Internet

Eine Strategiesitzung des neuen VR von Mobilezone wird im September stattfinden. Ganz oben auf der Traktandenliste steht die Suche nach zusätzlichem Wachstumspotenzial. Bei Mobilezone sieht man gemäss Lehmann bereits jetzt ziemlich klar, wo dieses Wachstum auszumachen ist:

Alternative Vertriebskanäle. In den kommenden Monaten wird Mobilezone im Internet mit einem umfangreichen Shopangebot starten. Bei Mobilezone werden Kunden ihren Handyvertrag nicht nur verlängern und das gewünschte neue Mobiltelefon bestellen können; es soll sogar möglich sein, online den Anbieter zu wechseln. Bisher bieten Sunrise und Orange in ihren Online-Shops Vertragsverlängerungen in Kombination mit einem neuen Gerät an. Bei Marktleaderin Swisscom ist nicht einmal dies möglich. Eine Änderung ist derzeit auch nicht geplant.

Ausbau des Sortiments. Mobilezone steht zwar für Telekommunikation, doch mit der zunehmenden Beliebtheit des mobilen Surfens gehört auch der Laptop immer stärker in diese Kategorie. Kleinere Laptops bietet Mobilezone schon heute an, ein Ausbau ist gemäss Lehmann «wohl nur noch eine Frage der Zeit».

Fokus auf Geschäftskunden. Vor wenigen Wochen hat Mobilezone seine Website für Businesskunden erneuert. Das Unternehmen, das bisher vor allem auf Privatkunden abzielte, hat sich einen bewusst schnörkellosen Auftritt zugelegt. Denn bei den Businesskunden liegt für Mobilezone das grösste zusätzliche Potenzial: Heute betreuen Swisscom, Orange und Sunrise die Businesskunden oft direkt. Mobilezone will sich damit profilieren, «dass wir die Kunden unabhängig beraten und zeigen, was wirklich das beste Angebot für sie ist». Ziel von Lehmann ist es, im Geschäftskundensegment einen Marktanteil von mindestens einem Viertel zu erreichen. Momentan liegt dieser im einstelligen Prozentbereich.

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Keine Kooperation mit Cablecom

Bereits erhältlich ist bei Mobilezone auch Swisscoms digitales Fernsehangebot Bluewin TV. Kunden können dabei zurzeit aus drei TV-Modellen auswählen. Das Gerät wird dann direkt nach Hause geliefert. Ein Ausbau des Angebots ist aber nicht geplant. Gemäss Lehmann hat vor allem die Grösse der Bildschirme den Ausschlag für diesen Entscheid gegeben. Mit Kabelnetzbetreiberin Cablecom kommt Mobilezone dagegen definitiv nicht ins Geschäft. Lehmann: «Es gab einen Pilotversuch, der gezeigt hat, dass sich eine Zusammenarbeit nicht aufdrängt.» Auch eine Präsenz bei Migros, Coop oder der Post mittels eines Shop-in-Shop-Konzepts sei nicht vorgesehen.

Trotz der Krise verkaufen sich die eher teureren Mobilfunkgeräte gut. «Bisher stellen wir keine Veränderung im Konsumverhalten fest», sagt Lehmann. Und trotz medialer Omnipräsenz des iPhones von Apple verkaufen sich bei Mobilezone die Geräte von Nokia und Samsung noch immer bestens (siehe Grafik). Allerdings: Das iPhone der neuen Generation würde deutlich besser laufen: «Wir könnten», sagt Lehmann, «im Moment sicher 50% mehr iPhones verkaufen. Doch die Geräte sind nicht in der gewünschten Stückzahl verfügbar.» Neben den anhaltend guten Verkäufen ist auch das also eine weitere Parallele zum Geschäftsjahr 2008.

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NACHGEFRAGT
Martin Lehmann, CEO Mobilezone
«Mein Verhältnis zu Martin Ebner ist gut»

Martin Ebner hat im Frühling eine neue Zusammensetzung des Verwaltungsrats bei Mobilezone erreicht. Mit welchen Folgen fürs Management?

Martin Lehmann: Mit keinen. Auch der frühere VR hat gut gearbeitet. Nach beinahe 10-jähriger Zusammenarbeit in der gleichen Zusammensetzung war die Erneuerung sicher gut.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Martin Ebner?

Lehmann: Gut, so wie zu vielen anderen Aktionären auch. Ich schätze das Vertrauen und die Diskussionen mit unseren Aktionären.

Mit Ruedi Baer ist jener Mann aus dem Aufsichtsgremium ausgeschieden, der mit Ihnen Mobilezone vor zehn Jahren gegründet hat. Ist das ein Problem für Sie?

Lehmann: Ruedi Baer hat die operative Leitung schon vor zwei Jahren an mich abgetreten. Somit war schon länger eine gewisse Distanz da. Ich pflege inzwischen zu den neuen Mitgliedern des VR sehr gute und enge Kontakte.

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Dieser neue VR trifft sich Mitte

September zu einer Strategiesitzung. Was erwarten Sie davon?

Lehmann: Der VR und das Management haben sich auch in den vergangenen Jahren Gedanken zur Strategie gemacht. Mit einer grundsätzlichen Neuausrichtung ist nicht zu rechnen, Mobilezone ist gut aufgestellt. Aus meiner Sicht durchlebt unsere Gesellschaft heute zwei grosse Trends: Den Mobilitätsdrang und das Kommunikationsbedürfnis. Wir vereinen diese zwei Grundbedürfnisse. Aber es ist klar, dass der VR den Fokus auf mögliche Wachstumsfelder legt. Mit der verstärkten Ausrichtung auf Geschäftskunden haben wir einen ersten Schritt in diese Richtung bereits umgesetzt.

Bisher bedienen Swisscom, Orange und Sunrise diese Kunden direkt.

Lehmann: Und genau hier sehen wir unsere Chance. Wir können ein KMU anbieterunabhängig beraten und das beste Angebot finden. Durch unsere jahrelange Erfahrung in der Telekommunikation verfügen wir über das nötige Know-how.

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Wie viele Firmenkunden haben Sie bereits?

Lehmann: Es sind einige zehntausend Anschlüsse.

Und was ist hier Ihr Ziel?

Lehmann: Es gibt keinen Grund, warum wir bei Firmenkunden nicht auf einen Marktanteil zwischen 25 und 30% kommen sollten.