Das 22. Abenteuer von James Bond trägt den Titel «Quantum of Solace». «Ein Minimum an Trost» kommt im November 2008 in die hiesigen Kinos und ist fest in Schweizer Hand. Regie führt der in Davos aufgewachsene Marc Forster, das Böse trägt das Antlitz des in Berlin lebenden Zürchers Anatole Taubmann. Und wenns bei der Rettung der Welt um Sekunden geht, dann vertraut Daniel Craig alias Bond, James Bond, gerne auf Swiss Timing. Omega, das umsatzstärkste Aushängeschild der Swatch-Gruppe, ist seit über zehn Jahren um die Ausrüstung des britischen Superagenten mit der passenden Dienstuhr besorgt.

Spätestens seit dem letzten Bond-Abenteuer «Casino Royale» geniesst das Product Placement des Bieler Luxuslabels über Marketingkreise hinaus Kultstatus. «Und die Uhr ist eine Rolex?», flötet in erwähntem Streifen nämlich Bondgirl Vesper Lynd mit Blick auf des Heroen Handgelenk; «Nein, eine Omega», antwortet Bond trocken – ein verbaler Tritt ans Schienbein sozusagen des ewigen Konkurrenten und bis dahin treuen Lieferanten Ihrer Majestäten Superagent.

Übers Geld sprechen weder Bond noch Biel

Etwas Besseres hätte der Marke vom Bielersee nicht passieren können. Wie viel sich Omega den Gag hat kosten lassen, darüber kann nur spekuliert werden. Über Geld, wird dem Fragenden von der Hayekschen Konzernzentrale beschieden, spreche man nicht.

Das hat selbstredend auch im Hinblick auf den nächsten Bond-Streifen seine Gültigkeit. Verschwiegenheit ist nicht nur eine Tugend von Superagenten, sondern offenbar auch von Buchhaltungsabteilungen, auch in Biel. Klar ist lediglich, dass 007 wieder mit einer Omega – pardon, einer Omega Seamaster 300M – in den Kampf gegen alle Unbill dieser Welt zieht.

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Das hat mittlerweile Tradition. Denn seit «Golden Eye» (1995) bilden der Kantige (Bond) und die Runde (Omega) ein unzertrennliches Paar. Die Gespielinnen sind austauschbar, nicht aber der Zeitmesser. «Omega wird inzwischen als die Bond-Uhr wahrgenommen», bemerkt dazu Omegas Schweizer PR-Managerin Natacha Graber. Denn Glaubwürdigkeit, Substanz und Pioniergeist seien Attribute, die sowohl Bond als auch Omega verkörpern.

Präsenz auf der Leinwand puscht Verkäufe

Das bezahlte Product Placement scheint sich für den Seeländer Uhrenhersteller zu lohnen. Die Verkäufe der Seamaster-Modelle auf jeden Fall hätten justement in jenen Monaten angezogen, in denen im Kino ein Bond-Film gelaufen sei, ergänzt Graber. Hinter vorgehaltener Hand wird im Detailhandel von einer Verdreifachung der Absatzzahlen gemunkelt.

Gut möglich, dass sich der Eine oder Andere, angeregt durch des Leinwandhelden Abenteuer, weit mehr von seinem neuen Zeitmesser versprochen hat, als dieser in Tat und Wahrheit zu halten im Stande ist – und beim Versuch, sich mittels (vermeintlich) im Gehäuse untergebrachtem Fanghaken aus dem Zimmer seiner Geliebten abzuseilen, kläglich gescheitert ist. Fiktion und Realität sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Schon lange vor Bond 007 im Kino präsent

Uhren von Omega sind nicht erst seit «Golden Eye» auf der Leinwand präsent. Bereits 1947 hatte ein Exemplar aus Biel im Film «The Exile» einen Auftritt. Seitdem war die Marke in über 70 Streifen vertreten, darunter in Kassenschlagern wie «Seven Years in Tibet», «Apollo 13» oder «Die fabelhafte Welt der Amélie».

Vom Auftritt in den Bond-Streifen verspricht man sich bei Omega einerseits eine Transformation des Agenten-Images auf das eigene Produkt, zum anderen natürlich eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und davon abgeleitet höhere Verkaufszahlen.

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Das Product Placement geht einher mit flankierenden Massnahmen; ebenso wichtig wie die Erwähnung im Agenten-Thriller ist das Recht, die Marke «James Bond» als schlagendes Argument in den Werbekampagnen verwenden zu dürfen. Die Swatch-Tochter Omega tut dies, indem sie die Seamaster beispielsweise als «James Bonds Choice» bewirbt und spezielle Sondermodelle mit des Agenten Insignien versieht (Sekundenzeiger in Form des 007-Pistolen-Logos).

Marketingspezialisten gehen davon aus, dass auf 1 ins Product Placement gesteckten Franken 2 bis 3 in flankierende Massnahmen investierte hinzukommen. Handkehrum verdienen sich die Filmproduzenten mit der gezielten Platzierung von Markenartikeln eine goldene Nase. So soll die Produktionsfirma, welche den vorletzten Bond realisiert hat, mit Product Placement eine dreistellige Millionensumme eingenommen haben. Beim Publikum allerdings kam die Werbe-Orgie nicht wirklich gut an. Es taufte «Die Another Day» («Stirb an einem anderen Tag») genervt um in «Buy Another Day» («Kauf an einem anderen Tag»).

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Film Nr. 22: Omega weiss von gar nichts

Mit welchen technischen Raffinessen die Techniker des Geheimdienstes MI6 die Seamaster in «Quantum of Solace» auszustatten gedenken, das entzieht sich der Kenntnis des Bieler Uhrenkonzerns. Ebenso was die Art und Weise des Einsatzes in einzelnen Szenen anbelangt. «Omega hat keinen Einfluss auf das Drehbuch», ist am Hauptsitz lediglich in Erfahrung zu bringen, «die jeweiligen Features werden von den Produzenten platziert.»

Ob nun pyrotechnisch aufgemotzt oder mit Fernsteuerung versehen – eines wird Bonds Vorzeigeuhr Publikum, Unter- und Oberwelt pünktlich verkünden: Wem die letzte Stunde geschlagen hat. Mehr als zwei Zeiger brauchts dafür eigentlich nicht.