Seit bald drei Monaten können risikoaverse Anleger an der Schweizer Derivatebörse Scoach pfandbesicherte strukturierte Produkte kaufen, bei denen das Emittentenausfall-Risiko nahezu ausgeschlossen ist.

Von diesem Angebot machen derzeit drei Anbieter Gebrauch: EFG Financial Products, Vontobel und neu mit einem Produkt auch Clariden Leu. Für Jan Schoch, den Chef von EFG FP, ist das Projekt «COSI» ein voller Erfolg. Die Nachfrage habe seine Erwartungen weit übertroffen, so Schoch. Etwas weniger euphorisch ist man bei Vontobel: «Die Kundennachfrage liegt in der von uns erwarteten Grössenordnung», heisst es auf Anfrage. Doch sieht man bei Vontobel das Potenzial offenbar noch nicht voll ausgeschöpft: «Wir können uns vorstellen, dass wir mit COSI auch noch neue Kundensegmente erreichen können.»

«Startverzögerung bedauerlich»

Der Wermutstropfen: Ausländische Emittenten können nur unter erschwerten Bedingungen mitmachen. «Als Sicherungsgeber sind nur Schweizer Institute zugelassen», heisst es auf Anfrage bei der Scoach-Mutter SIX. So sei im Falle eines Ausfalls des Emittenten garantiert, dass die Verwertung der Sicherheiten nach schweizerischem Recht vollzogen werde. Zwar sucht die SIX derzeit nach einer Lösung, die auch ausländische Sicherungsgeber zulässt. Aber wie diese Lösung aussehen könnte oder wann sie eingeführt wird, ist noch völlig offen. «Gegenwärtig können wir weder zum Zeitpunkt der Implementierung noch zur genauen Form der Lösung Näheres sagen», so SIX.

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Das ist ärgerlich für die ausländischen Derivateanbieter. Denn offenbar wäre das Interesse gross: «Wir haben zurzeit einige ausländische Emittenten, die COSI-Produkte anbieten wollen», wendet SIX ein. «Obwohl jetzt an einer COSI-Lösung für ausländische Sicherungsgeber gearbeitet wird, ist es bedauerlich, dass wir nicht von Anfang an dabei sein können», sagt dagegen Irene Brunner, Head Public Distribution bei ABN Amro. Sie rechnet nicht damit, dass die Börse in den nächsten Wochen eine Lösung für das Problem finden wird. Und die Suche nach einem inländischen Sicherungsgeber ist erfolglos verlaufen. «Wir haben bis jetzt keinen Anbieter gefunden», so Brunner. Das erstaunt wenig: Schliesslich wird dieser Service bisher noch nicht angeboten, und ohne entsprechende Entschädigung dürfte sich kaum ein Institut dazu bereit erklären.

Anders sieht die Situation im Inland aus: Obwohl die Schweizer Derivatehäuser pfandbesicherte Produkte anbieten könnten, machen die meisten (noch) keinen Gebrauch davon. Denn auch wenn der Wille da ist, die Umsetzung von COSI ist für die Anbieter kein Pappenstiel.

So weiss man in der Branche, dass etwa die Bank Julius Bär gerne schon von Beginn weg bei COSI mitgemacht hätte. Aber dafür müssen erst aufwendige Anpassungen der Dokumentationen vorgenommen werden. Auch das Pfandmanagement (das Collateral muss rechtzeitig gestellt werden) sowie das Market Making sind Prozesse, die funktionieren müssen. «Zwei Anbieter befinden sich jetzt in den Startlöchern», sagt Daniel Manser, Geschäftsleitungsmitglied von Derivative Partners. «Einer soll noch diesen Monat loslegen.» Wahrscheinliche Kandidaten dafür sind Julius Bär und Sarasin, die beiden grössten Anbieter nach Credit Suisse und UBS. Bei den Grossbanken dürften die Prozessanpassungen noch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

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Über das Marktpotenzial von COSI ist man sich derweil noch nicht einig. Schoch rechnet damit, dass mit steigenden Märkten die Nachfrage nach pfandbesicherten Zertifikaten zurückgehen wird. Anders tönt es bei Scoach: Vorstellbar sei, dass in wenigen Jahren die Hälfte aller strukturierten Produkte pfandbesichert sei, glaubt der Marketingchef (siehe Seite 22).

 

 

NACHGEFRAGT jan schoch, CEO von EFG Financial Products


«Wenn die Märkte wieder zulegen, geht die Nachfrage zurück»

Um wie viel hat sich der Umsatz von EFG FP erhöht durch die pfandbesicherten Zertifikate?

Jan Schoch: Insgesamt hat das COSI-Segment seit der Lancierung Ende September rund 250 Mio Fr. Volumen generieren können. Von dieser Summe gehen über 90% auf das Konto von EFG FP. Von den aktuell 121 COSI-Produkten sind über 100 von uns. Unser Umsatz hat sich dadurch etwa um 15% erhöht. Das liegt weit über unseren Erwartungen.

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Welche Kunden fragen die Produkte nach?

Schoch: Ungefähr die Hälfte der COSI-Kunden sind Neukunden. Die andere Hälfte der Kunden hat von den traditionellen Produkten zu den besicherten gewechselt.Diese Kunden nahmen zuvor das Emittentenrisiko als notwendiges Übel in Kauf, jetzt nutzen sie aber die Möglichkeit, sich dagegen abzusichern.

Wie hoch sind die Gebühren für die besicherten Produkte?

Schoch: Von der Börse werden Gebühren in der Höhe von 9 Basispunkten erhoben. Dazu kommen Gebühren, die je nach Emittent variieren. Das sind Opportunitätskosten dafür, dass der Anbieter das Collateral nicht mehr an Dritte verleihen kann. Bei uns betragen diese Gebühren aktuell um die 10 Basispunkte.

Wieso sind die Gebühren in den Termsheets nicht aufgeführt?

Schoch: Die Börsengebühren werden von uns in Zukunft aufgeführt. Die Collateral-Kosten können über die Zeit stark variieren und werden deshalb nicht angegeben.

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Warum sind noch nicht mehr Anbieter mit von der Partie?

Schoch: Die Anpassung der Dokumentationen, das Pfandmanagement und das Market Making sind sehr aufwendig. Nicht alle Emittenten wollen und können diese Ressourcen bereitstellen.

Wie wird sich die Nachfrage nach den COSI-Produkten entwickeln?

Schoch: Vorerst werden sich die Volumen auf dem gegenwärtigen Level halten. Wenn die Märkte wieder zulegen, gehen die Volumen wohl wieder etwas zurück.