BANKENGRUPPEN. Anfang dieses Jahres ereignete sich Ungewöhnliches: Die niederländische Rabobank wurde Hauptaktionär der altehrwürdigen Bank Sarasin, und die Liechtensteiner Landesbank rettete die Bank Linth vor einer unfreundlichen Übernahme durch die Glarner Kantonalbank.

Konstanz täuscht

Ungewöhnlich waren die Partnerschaften, nicht die Übernahmen an sich. Denn Fusionen und Akquisitionen sind bei den Auslandsbanken sehr häufig. Zwar wurden seit Mitte der 90er Jahre in der Schweiz immer etwa 150 ausländische Bankinstituten gezählt. Doch die Konstanz täuscht: Allein in den Jahren 2003 bis 2006 entstanden 28 neue Auslandsbanken durch Neueintritte, Fusionen und Übernahmen; und 26 Institute verschwanden aus denselben Gründen aus der Statistik. Vergleichen wir die Bewegungen unter den Schweizer Instituten in der gleichen Periode: Nur 7 Neugründungen stehen 34 Abgängen gegenüber.Die Auslandsbanken gewinnen also an Bedeutung. Heute machen sie 45% aller Bankinstitute in der Schweiz aus, verglichen mit 38% im Jahre 1995. Sie beschäftigten damals noch rund 13% der im schweizerischen Bankgewerbe Angestellten; im vergangenen Jahr betrug ihr Anteil bereits 17%. Die Bedeutung der Auslandsbanken wird aber noch zunehmen. Erstens wird der Schweizer Finanzsektor vor allem in den grenzüberschreitenden Finanzgeschäften wachsen, wie dies kürzlich durch die Vision 2015 des Finanzsektors klar postuliert wurde. Aber gerade in diesen Geschäften sind die Auslandsbanken sehr gut positioniert. Zweitens sind die schweizerischen Finanzinstitute im Bereich der Übernahmen weniger aktiv als früher.

Präsenz in der Schweiz

Mit der weltweit steigenden Bedeutung des grenzüberschreitenden Private Bankings und der anhaltenden Attraktivität des Finanzplatzes Schweiz werden weitere bedeutende Finanzgruppen eine Präsenz in der Schweiz ins Auge fassen. Einige dieser Finanzgruppen werden mittels Übernahme einer bestehenden Bank den Markteintritt vollziehen wollen. Erst kürzlich teilte die dänische Saxo Bank mit, dass sie die Synthesis Bank übernehmen wird. Weitere internationale Finanzgruppen werden folgen. Auch Banken, welche schon in der Schweiz vertreten sind, haben klare Zeichen gegeben, dass sie an weiteren Übernahmen interessiert sind. Allerdings gibt es auch ausländische Finanzinstitute, welche die Neugründung einer Bank den Vorzug geben. Die NBAD Private Banking ist hierzu das jüngste Beispiel.Finanzgruppen definieren ihre strategische Ausrichtung und den Stellenwert des Private Banking neu. Dies führt nicht zwingend zu Markteintritten, sondern kann sich in einer stärker national orientierten Strategie niederschlagen. So verkaufte die italienische Banca Monte dei Paschi ihr Institut in der Schweiz an die PKB Privatbank SA, und die Banca Unione di Credito konnte letztes Jahr von der BSI AG erworben werden. Zwar waren international tätige Banken bis anhin sehr zurückhaltend was den Marktaustritt aus dem Schweizer Private Banking betrifft. Die Präsenz internationaler Bankengruppen in der Schweiz ist nicht primär durch Rentabilitätsüberlegungen begründet. Vielmehr ergänzt sie das gruppenweiten Produkteangebot. Vor allem aber bedeutet sie eine jederzeit abrufbare Option für zukünftige strategische Entwicklungen im internationalen Private Banking.

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Grossfusionen beeinflussen

Die Veränderung der Auslandsbanken ist jedoch nicht nur auf strategische Überlegungen und Markteintritte zurückzuführen. Vielmehr ist sie auch ein Reflex des Strukturwandels im internationalen Bankensektor. Die in der Vergangenheit wohl wichtigste Ursache der starken Veränderungen in der Gruppe der Auslandsbanken sind die im Ausland getätigten Fusionen oder Akquisitionen. Dies wird auch weiterhin eine bedeutende Ursache der hiesigen Konsolidierung sein. Die Übernahme der ABN Amro durch ein europäisches Bankenkonsortium wird denn auch die entsprechenden Folgen in der Landschaft der Schweizer Auslandsbanken haben.Teil des globalen Strukturwandels ist aber auch die sich ändernde Bedeutung der verschiedenen regionalen Märkte. Auf den bedeutenden asiatischen Märkten sind grosse inländische Banken führend. Mittelfristig werden auch diese ihre internationale Tätigkeit ausbauen und in den europäischen Markt vorstossen. Die Schweiz hat sehr gute Karten in der Hand, von diesen Finanzgruppen als Standort bestimmt zu werden. Dies stärkt die Auslandsbanken, und sie werden einen noch grösseren Beitrag zur Realisierung der Vision 2015 leisten.