Obwohl die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht die gleichen sind, unterscheiden sich die kommunizierten Vorgaben kaum: «Austrian Airlines starten mit Lufthansa in eine neue Zukunft», titelte am 5. Dezember 2008 der deutsche Aviatikkonzern zum österreichischen Deal. Als Vorlage diente die Pressemitteilung zum Schweizer Geschäft: «Swiss startet mit Lufthansa in eine neue Zukunft» hatte am 22. März 2005 der Titel gelautet. Wenig Neues liess sich auch Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, für sein Credo einfallen – aus «Swiss bleibt Swiss. Mit Lufthansa.» wurde «Austrian bleibt Austrian. Mit Lufthansa.»

Gleiches Rezept, anderer Patient

Auch die angekündigten Geschäftsmodelle, deren Ziele jeweils die vollständige Integration sind, könnten ähnlicher nicht sein. Heute erklärt Lufthansa: «Austrian Airlines werden eine weitgehend eigenständige Fluggesellschaft mit Sitz in Österreich, eigener Flotte und Crew bleiben und im Lufthansa-Verbund als Profit-Center geführt werden.» Solche Zugeständnisse waren vor bald vier Jahren auch der Swiss gemacht worden. Alles in allem haben die beiden Übernahmeverfahren sehr viel gemeinsam, etwa den Aktienkauf im Streubesitz oder den Besserungsschein für die Grossaktionäre.

Es ist offensichtlich, dass Lufthansa beim österreichischen Engagement ihr schweizerisches Rezept wiederholen will. «Wir sind bei der Austrian sicher nicht traurig, wenn es ein so grosser Erfolg wie bei der Swiss wird», sagt Mayrhuber. Grundsätzlich erfolgt die Integration der Austrian in Anlehnung an das Konzept der Swiss. Ob sich der oberste Lufthanseat bei der Austrian dereinst zum gleichen Fazit wie bei der Swiss hinreissen lässt, bleibt abzuwarten: «Aus heutiger Sicht war die Swiss ein Schnäppchen.» Unter dem Strich musste die Lufthansa keine 220 Mio Euro aufwenden.

Anzeige

Der grundlegende Unterschied: Im Gegensatz zur Swiss, die schon vor der Übernahme durch die Lufthansa mitten in ihrem Restrukturierungsprogramm steckte, geht es mit der Austrian momentan quasi ungebremst abwärts, woran aber nicht nur die globale Finanzkrise sowie die hohen Kerosinpreise schuld sein dürften. Die Verschuldung beläuft sich mittlerweile auf 1,1 Mrd Euro, und für 2008 rechnet man mit einem Verlust von 475 Mio Euro. Genau wie bei der Swiss soll mit der Bündelung der Kräfte von Austrian und Lufthansa die Wettbewerbsfähigkeit sowie Gesamtwirtschaftlichkeit nachhaltig gestärkt werden. Verblüffend ist in diesem Zusammenhang jedoch, wie weit voneinander entfernt die Lufthansa die Synergien auf der Ertrags- und Kostenseite einschätzt: Waren es bei der Swiss ab 2007 jährlich rund 160 Mio Euro, so sind es bei der Austrian ab 2009 jährlich rund 80 Mio Euro.

Austrian-CEO heftig in der Kritik

Um der angeschlagenen Aus-trian auf die Beine zu helfen, bedarf es neben frischem Kapital auch frischer Köpfe. Zudem steht in Österreich Alfred Ötsch, seit zwei Jahren CEO der Austrian, heftig in der Kritik. Gemäss einem Szenario, das in Aviatikkreisen derzeit diskutiert wird, könnte ein erfahrener Swiss-Sanierer schon bald dem Austrian-Kader vorstehen. Als Kandidat gehandelt wird der deutsche Swiss-Manager Harry Hohmeister, seit 2005 GL-Mitglied und seit 2006 Chief Network & Distribution Officer. Hohmeister erklärt auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Das sind Gerüchte.» Ebenso sei es für Personalspekulationen rund um die Austrian noch viel zu früh, weil der Deal erst gerade vereinbart worden sei. Von der Lufthansa-Pressestelle heisst es dazu: «Über Personalien wird zu gegebener Zeit entschieden.»

Anzeige