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Auto-Direktimporte mit neuem Rekordtief

Die Quote der Direktimporte im Schweizer Automarkt ist im Januar 2015 auf den tiefsten Stand seit langer Zeit gesunken. Händler hoffen aber auf Impulse durch den Wechselkursschock.

Von Marc Iseli
am 05.02.2015

Der Eurokurs ist im Keller. Das wäre ja eigentlich die perfekte Gelegenheit, um ein Auto im europäischen Ausland zu kaufen. Die Aufhebung des Mindestkurses müsste dementsprechend ein Segen für die Schweizer Parallelimporteure sein. Sie können Gewinne durch Währungseffekte relativ schnell an ihre Kunden weitergeben, da die Autohändler direkt in Euro im europäischen Ausland einkaufen und nicht an Verträge mit den Herstellern gebunden sind.

Generalimporteure dagegen sind langfristig an ihre Abnehmerverträge gebunden, sei es mit VW, Daimler oder Peugeot. Die Wagen werden in Franken eingekauft. Viele von ihnen sitzen ausserdem auf grossen Lagerbeständen: Zum Zeitpunkt der Aufhebung des Mindestkurses zählte das Fahrzeuglager von VW-Generalvertreter Amag zum Beispiel 13'900 Fahrzeuge. Das sind 15 Prozent seiner jährlichen Neuwagenverkäufe. Gewährt Amag grosszügige Rabatte, schmilzt seine Gewinnmarge. Wertberichtigungen auf das Lager können für einzelne Betriebe sogar ruinös sein, wie Andreas Burgener von Auto Schweiz sagt.

Trend zeigt weiter nach unten

Die Ausgangslage für Direktimporte ist also günstig. Trotzdem zeigt der Trend weiter nach unten: Die Schweizer kaufen ihre Autos immer öfter bei den offiziellen Partner der Auto-Hersteller und nicht bei Parallelimporteuren. Der Grund: Die CO2-Steuer drückt auf die Quote. Seit Juli 2012 dürfen Neuwagen nicht mehr als 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstossen, sonst wird eine Strafabgabe fällig. Ein Generalimporteur kann die Kosten für diese Steuer auf seine Flotte verteilen – bei einem Direktimporteur steht dagegen der einzelne Käufer dafür gerade. Das macht für viele den Fahrzeugerwerb beim Generalimporteur attraktiver.

Die Zahlen im Januar bestätigen das: Gerade einmal 5,95 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge stammen von Direktimporteuren, ein neuer Tiefstand. Satte 94,05 Prozent Marktanteile sichern sich die Generalimporteure.

Rabatte zum Jahresende

Noch im Dezember lag der Marktanteil der Direktimporteure viel höher, bei über 10 Prozent. Ein klarer Ausreisser. Im Jahresdurchschnitt lag die Quote 2014 bei 7,7 Prozent, 2013 bei 7,8 Prozent. «Viele Händler haben zum Jahresende mit Rabatten gelockt. Das hat die Anzahl Käufer in die Höhe getrieben», erklärt Joel Thiébaud, Generalsekretär des Verbandes Freier Autohandel Schweiz (VFAS), der die Interessen von Direkt- und Parallelimporteuren vertritt. Dies führe in der Folge zu den schwächeren Januar-Zahlen.

Der Wechselkursschock durch den starken Franken zeige sich dagegen noch nicht in den neusten Zahlen, so Thiébaud. Vom Kauf bis zur Neuzulassung vergehen einige Wochen. Er rechne aber damit, dass die Quote auf das ganze Jahr hochgerechnet mindestens stabil bleiben werde. Die jetzigen Konditionen im Direktimport seien so interessant, dass sich der Wechselkursschock sicherlich in den nächsten Monaten bemerkbar machen wird.

«Damit wäre der Rückgang, der primär durch Wettbewervsbehinderungen in Zusammenhang mit dem CO2-Gesetz sowie dem bürokratischen Zulassungsverfahren verursacht worden ist, gebremst», sagt Thiébaud. Zu wünschen wäre sogar ein Anstieg auf eine Quote von zehn Prozent. «Schliesslich beleben Direktimporte den Handel und sorgen für den nötigen Konkurrenzdruck, was durchaus im Interesse der Konsumenten ist.»

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