In den 1970er Jahren hatte Ford den «Pinto» produziert und verkauft. Wegen eines Konstruktionsfehlers sind 60 Menschen bei Unfällen gestorben, 120 weitere wurden schwer verletzt. Erst später wurde bekannt, dass der Fehler Ford bekannt war, die Kosten für eine Behebung aber als zu hoch eingestuft wurden.

Heute gilt der Fall des «Pinto» als Lehrbeispiel für Unternehmensethik. Keine Marke will einen neuen «Pinto»-Fall im Konzern haben.

Rückrufaktionen auch in der Schweiz

Toyota ruft in diesen Tagen weltweit über sechs Millionen Fahrzeuge zurück – in der Schweiz sind 18'000 Fahrzeuge betroffen. Die Mängel wurden an den Modellreihen Yaris, Urban Cruiser sowie die Geländewagen RAV4 und Pick-up Hilux festgestellt. Nicht nur die Japaner sind mit Problemen konfrontiert, auch Ford, General Motors (GM) und Porsche haben oder hatten in jüngster Vergangenheit mit Rückrufaktionen zu kämpfen.

Trotzdem sagen Branchenkenner, dass die Autos heute besser und sicherer sind als früher. Musste ein Ur-VW-Käfer nach rund 5000 Kilometer in den Service, fährt ein moderner Golf 30'000 Kilometer zwischen zwei Garagenbesuchen.

Probleme potenzieren sich

Früher sind einzelne Modellreihen komplett eigenständig aufgebaut gewesen – heute werden einzelne Teile in mehreren Modellen und Marken verbaut. Dort sieht Amag-Kommunikations-Chef Dino Graf auch die Gefahr: «Durch den Skaleneffekt können mangelhafte Teile heute in mehr als einer Marke oder einem Modell verbaut sein, dies potenziert die Zahl von möglichen betroffenen Fahrzeugen sehr stark.»

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Auch ist die Sensibilität bei den Kunden gestiegen – «daher rufen die Hersteller lieber einmal früher als später zurück», sagt Graf.

Angst vor ausufernden Klagen

Wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fussmatten hatte Toyota allein zwischen 2009 und 2011 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordert. Mitte März hatte sich der Autobauer mit dem US-Justizministerium geeinigt, in den USA 1,2 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen.

Auch GM wurde erst kürzlich zur Kasse gebeten. Hohe Schadenersatzforderungen – vor allem aus den USA – sind das Schreckgespenst in den Köpfen der Autohersteller, so ein Branchenkenner. Da würden viele auf Nummer sicher gehen. Demgegenüber stellt aber die Frage nach dem Imageverlust, den eine Rückrufaktion auslösen kann.

Druck von aussen wäre fatal 

Auto-Schweiz-Präsident Max Nötzli sieht in den Rückrufen vertrauensbildende Massnahmen: «Das zeigt dem Kunden, dass ein Problem ernstgenommen wird.» Zwar sei der Zusatzaufwand für den einzelnen möglicherweise ärgerlich, doch bleibe auch ein Gefühl der Sicherheit zurück.

Für den Zürcher Werber Frank Bodin ist das Wie einer Rückrufaktion entscheidend. «Wichtig ist, wie kommuniziert wird: Sind die Fehler transparent kommuniziert, dann hat der Kunde sicher Verständnis.»

Gefährlich wird es dann, wenn Autobauer nach der Methode Ford «Pinto» verfahren und verschleiern: «Fatal wird es dann, wenn eine solche Aktion erst auf Druck von aussen eingeleitet wird», ist Bodin überzeugt.

Bei frühzeitigen und transparenten Informationen, verbunden mit der Bitte das Auto prüfen zu lassen, sehen viele Experten keine bleibenden Markenschäden. Frank Bodin schliesst daraus: «Es ist heute wie bei vielem, auch solche Rückrufaktionen sind schnell wieder vergessen.»