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Autoexperte: «Es werden Staatsgelder an Peugeot fliessen»

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kann sich ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Opel und Peugeot vorstellen. (Bilde: Keystone)

Die französische Regierung drängt Peugeot laut Medienberichten dazu, Opel zu übernehmen. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer erklärt, was hinter der Einmischung steckt - und welches die Knackpunkt

Von Vasilije Mustur (Interview)
am 08.01.2013

«Handelszeitung Online»: Herr Dudenhöffer, weshalb mischt sich Frankreich in die Angelegenheiten von Peugeot ein?
Ferdinand Dudenhöffer: Zuerst die Niederlage vor dem höchsten Gericht in Sachen Reichensteuer, dann läuft ihm der Schauspieler Gérard Depardieu nach Russland davon und jetzt noch Peugeot - der französische Präsident François Hollande scheint mir einen verzweifelten Eindruck zu machen.

Warum?
In den vergangenen Monaten hat Peugeot vom französischen Staat eine Bürgschaft in Höhe von 7 Milliarden Euro erhalten. Im Gegenzug kann der Elysee über die Zukunft des französischen Autobauers mitbestimmen …

… Und konnte so einen Stellenabbau verhindern.
Das Problem ist, dass die beiden Unternehmen jetzt nicht mehr unabhängig über Kapazitätsanpassungen verhandeln können. Das kostet beide Unternehmen Zeit und Geld, welches weder Opel noch Peugeot haben.

Was bezweckt die Regierung von François Hollande dann?
Sie will der US-Regierung und insbesondere General Motors signalisieren, dass Frankreich einer möglichen Fusion zwischen Opel und Peugeot nicht mehr im Wege stehen wird.

Glauben Sie, dass es zu dieser Elefantenhochzeit kommen wird? 
Denkbar wäre, dass unter dem Dach eines neuen Gemeinschaftsunternehmens Peugeot und Opel eingebracht werden könnten. Dieses neue Gemeinschaftsunternehmen müsste natürlich ausreichend mit frischem Kapital ausgestattet werden und da sollte man eine Staatsbeteiligung nicht ausschliessen. Dabei stellt sich nur noch die Frage, wie die Kräfte- und Machtverhältnisse innerhalb der neuen Unternehmung aussehen werden. 

Also wollen Sie damit sagen, dass François Hollande gerade die Kräfteverhältnisse zugunsten Frankreichs und Peugeots zu beeinflussen versucht. 
Ja. Das ist ein typisches französisches Vorgehen. Die Regierung signalisiert ihrem Partner: «Komm, wir machen es gemeinsam. Aber Mitarbeiter entlassen und Fabriken schliessen, müsst ihr!»

Wird dieser Plan aufgehen?
Kaum. Wenn Peugeot mit Opel in die Zukunft gehen will, muss der französische Autobauer die Kapazitäten um 20 Prozent senken. Zudem werden die 7 Milliarden Euro an Staatsgarantien nicht ausreichen. Ich gehe davon aus, dass Peugeot neues Kapital benötigen wird.

Und wer soll diese Kapitalerhöhung finanzieren?
Es ist wahrscheinlich, dass dieses Jahr französische Staatsgelder an Peugeot fliessen. Selbstverständlich wird dies dann in der Öffentlichkeit nicht als Finanzspritze sondern als «Forschungszuschuss» verkauft. Ich bin mir dabei aber nicht sicher, ob dies dennoch die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan rufen wird. Aber eines ist klar: Egal wie das Geld fliessen wird, Frankreich kann es sich nicht leisten, Peugeot im Stich zu lassen. Deshalb haben die Franzosen das Thema Gemeinschaftsunternehmen heute mit Statements befeuert.  

Opel und Peugeot gehen bereits heute gemeinsame Wege. Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus? 
General Motors und Peugeot hatten im Februar 2012 angekündigt und das Ziel ausgegeben, zusammen 2 Milliarden Dollar einzusparen – pro Jahr. Im März kaufte General Motors dann für 320 Millionen Euro 7 Prozent der Peugeot-Anteile. Inzwischen haben General Motors und Peugeot Verträge zur gemeinsamen Entwicklung von drei Fahrzeugprojekten und zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für den Einkauf unterzeichnet. 

Bei der Produktion fehlt diese Kooperation allerdings.
Das wird sich ändern, sollten die Verhandlungen erfolgreich enden – zum Vorteil für Opel. Die Kosteneinsparungen bei der Produktion würden es Opel erlauben, in neue Technologien zu investieren und aus dem europäischen Markt herauszukommen und auf den neuen Märkten Fuss zu fassen. 

Für die Opel-Mutter General Motors würde der Verkauf bedeuten, dass der US-Konzern dem europäischen Markt den Rücken kehrt. Kann sich das der Autogigant leisten?
Opel belastet General Motors schon lange mit Verlusten und das wird sich in den nächsten drei bis vier Jahren sicher nicht ändern. Gleichzeitig will US-Präsident Barack Obama seine Aktien von GM verkaufen. Permanente Verluste von Töchtern sind da nicht gerade ein Argument für Aktienkäufer. Würde sich der US-Konzern an dem Gemeinschaftunternehmen beteiligen, kann man die Beteiligung so wählen, dass man Opel bei GM nicht mehr konsolidieren muss. Das wäre für GM eine feine Sache. Mit den Verträgen kann man gleichzeitig den Technologieaustausch absichern. Also nicht das Schlechteste für GM-Aktionäre.

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und lehrt dort Betriebswirtschaft und Automobilwirtschaft. 

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