Die gesetzlichen Schranken und die damit verbundene, rapide gewachsene Nachfrage nach umweltschonenden Fahrzeugen haben bei den Autobauern einen wahren Öko-Wettbewerb ausgelöst.

Während die japanischen Hersteller, insbesondere Toyota (mit Lexus) und Honda, den Trend zu umweltfreundlichen Fahrzeugen bereits früh erkannt haben und nun entsprechende Umsätze erzielen, ziehen europäische Hersteller erst jetzt langsam nach. Das inoffizielle Motto der weltgrössten Automobilmesse IAA in Frankfurt, die noch bis am 23. September 2007 läuft, ist denn auch «So grün wie möglich».
Der deutsche Autobauer BMW etwa will mit seinem Programm «Efficient Dynamics» sein Image endgültig in Richtung umweltfreundlich korrigieren. Effiziente Motorengenerationen gehören dazu, eine aktive Aerodynamik, Leichtbau sowie ein intelligentes Energiemanagement im Fahrzeug. Langfristig setzt BMW auf die Nutzung von Wasserstoff im Verbrennungsmotor – wobei noch unklar ist, ob sich die Technologie je breitflächig durchsetzen wird. Schliesslich ist die Gewinnung von Wasserstoff mit immensem Energieaufwand verbunden. Doch bei BMW gibt man sich optimistisch: «Wir zeigen mit dieser Technologie die langfristige Vision einer nahezu emissionsfreien Mobilität», schwärmt Doelf Carl, CEO von BMW Schweiz.
Bis aus der Vision Realität wird, setzt BMW auf sparsame Dieselmotoren. In der Schweiz machte der Anteil von BMW-Dieselfahrzeugen im vergangenen Jahr bereits 42% aus, Tendenz steigend.

Daimler und VW ziehen mit

Um Umweltschutz bemüht sich jetzt auch DaimlerChrysler. Der Konzern greift dabei zu einem altbewährten Trick in der Automobilbranche: Mit sparsamen Kleinfahrzeugen wie dem Smart oder der Mercedes-A-Klasse konnte der Konzern den Treibstoffverbrauch der gesamten Fahrzeugflotte massiv reduzieren – in Deutschland etwa wurde der Flottenverbrauch von 1990 bis 2006 um 30% gesenkt. Denselben Wert hat übrigens auch BMW erreicht, etwa mit dem sparsamen Kleinwagen Mini.
Künftig will der DaimlerChrysler-Konzern, der ab dem 4. Oktober nur noch Daimler AG heissen wird, keine Autos mehr entwickeln, die nicht auch die Hybrid-Funktion erlauben. Zudem setzt DaimlerChrysler neben alternativen Kraftstoffen wie Bioethanol auch auf emissionsfreies Fahren mit der Brennstoffzelle.
Auf Umweltschutz setzt auch Europas führender Automobilhersteller Volkswagen. Sein 2006 lanciertes Programm «Blue Motion» steht für niedrigen Treibstoffverbrauch und geringe Emissionen – beim Fahrzeug und beim Unternehmen. «Blue» stehe für die zu schützenden Elemente Wasser und Luft, heisst es bei VW. «Motion» verkörpere den Aspekt einer nach vorne gerichteten Mobilität. Das erste Modell war der «Spar»-Polo mit 80 PS. Der Kompaktwagen verbraucht laut Hersteller im Durchschnitt 3,9 l Diesel auf 100 km, soll aber nicht weniger agil sein als ein «konventioneller Polo mit gleicher Leistung». Die Spritersparnis liegt bei einem halben l auf 100 km. Erreicht wurden die Verbrauchs- und Emissionssenkungen durch längere Getriebeübersetzungen, aerodynamischen Feinschliff und innermotorische Modifikationen.

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Energie und Abfall sparen

Die Energie- und Öko-Bilanz von Autoherstellern kann sich derweil nicht nur beim Fahren selbst verbessern, sondern ist ganz wesentlich auch von der Nachhaltigkeit in der Produktion abhängig. «Clean Production» ist denn auch bei BMW ein wichtiger Baustein für nachhaltiges Wirtschaften. An allen 23 Produktionsstandorten in 13 Ländern sollen Umweltmanagementsysteme, die gemäss Klaus Draeger, Entwicklungs-Vorstand bei BMW München, über die gesetzlichen Forderungen hinausgehen, den betrieblichen Umweltschutz gewährleisten (siehe auch «Nachgefragt»). Im BMW-Motorenwerk im österreichischen Steyr können etwa durch den Einsatz einer neuartigen Membrantechnologie ab 2007 pro Jahr 30 Mio l Wasser eingespart werden. Seit 2000 habe man den Prozesswasserverbrauch pro produziertes Fahrzeug um über 25% reduzieren können, so Draeger.
Auch Mercedes hat für ihre S- und C-Klasse vom Warenprüfer TÜV ein Umweltzertifikat in den Bereichen Entwicklung und Werkstoffauswahl erhalten. Erfolge bezüglich einer nachhaltigeren Produktion präsentiert auch Jaguar. Die «grüne Bilanz» der Jaguar-West-Midlands-Werke für die letzten sieben Jahre: 30% weniger importierter Strom, 4% weniger Gasverbrauch und 68% weniger Abfall.

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NACHGEFRAGT: «Im Fokus steht die Steigerung der Effizienz»

Klaus Draeger ist Leiter Entwicklung Produkte bei BMW.

Was hat BMW bezüglich Verbesserung der Energieeffizienz in der Fahrzeugflotte erreicht?

Klaus Draeger: Zum heutigen Tag hat BMW bei allen bisher gesetzlich kontrollierten Emissionen wie Kohlendioxid, Kohlenwasserstoff, Stickstoffoxid und Partikeln den Ausstoss der Fahrzeugflotte bereits auf ein sehr geringes Niveau heruntergebracht. Eine Reduzierung auf Null ist bei CO2 indes nicht möglich, solange Benzin oder Diesel als Treibstoff genutzt werden.

Welche Energieeinsparungspotenziale konnte BMW heben?

Draeger: Bezüglich des Verbrauchs gibt es seit März 2007 die ersten BMW-Modelle mit CO2-Emissionen unter 140 g pro Kilometer. Inklusive der Marke Mini werden im Herbst 2007 sogar 22 Modelle der BMW Group diese Marke unterschreiten. Damit liegen rund 40% aller Neufahrzeuge, die wir in Europa verkaufen, unter dem Grenzwert 2008 von 140 g pro Kilometer.

Wie sieht Ihre Öko-Agenda aus?

Draeger: Im Fokus steht eine weitere Effizienzsteigerung am Verbrennungsmotor, der noch erhebliches Entwicklungspotenzial bietet. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Steuerung der Nebenaggregate. Das heisst: Wasserpumpe, Lenkunterstützung und Klimakompressor werden bei BMW nur noch dann angetrieben, wenn ihre Leistung auch wirklich benötigt wird.