Der deutschen Autoindustrie droht wegen des mutmasslichen Kartells der grossen Hersteller eine Klagewelle. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte der «Süddeutschen Zeitung» vom Montag, er rechne mit zehntausenden Verfahren, in denen Autokäufer Schadenersatz für überteuerte Fahrzeuge verlangen werden.

Viele Kunden hätten einen «möglicherweise viel zu hohen Preis» für ihre Autos gezahlt. Müller verwies auf die Selbstanzeigen, die Daimler und Volkswagen bei den Wettbewerbsbehörden gestellt haben sollen.

Neues Gesetz gefordert

Der vzbv drängt nun darauf, per Gesetz eine Musterklage möglich zu machen, damit mutmasslich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssen, sondern sich zusammentun können. Das gehöre zu den ersten Aufgaben der künftigen Regierung nach der Bundestagswahl in Deutschland im September, sagte Müller der «Süddeutschen».

Der «Spiegel» berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass Volkswagen mit seinen Töchtern Audi und Porsche sowie BMW und Daimler sich seit den 90er Jahren in geheimen Arbeitsgruppen über ihre Fahrzeuge abgesprochen und womöglich auf diese Weise auch den Weg für den Dieselskandal geebnet haben sollen.

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Aktien unter Druck

Aus Furcht vor möglichen Kartellstrafen werfen Anleger Automobilaktien erneut aus ihren Depots. Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen verloren am Montag jeweils etwa drei Prozent und waren damit die grössten Verlierer im Dax.

«Die möglichen finanziellen Belastungen – Strafzahlungen, Schadensersatz etc. – lassen sich auf Basis der aktuell vorliegenden Informationen nicht abschätzen», schrieb DZ Bank-Analyst Michael Punzet in einem Kommentar. Die Aktien der Autobauer seien zwar teilweise günstig, abhängig vom Nachrichtenfluss müsse in den kommenden Wochen aber mit kräftigen Kursausschlägen gerechnet werden.

(sda/reuters/jfr/ise)