Die Automobilhersteller oder in ihrem Auftrag die entsprechenden Ländervertretungen bauen immer anspruchsvollere Stützpunkte, eigentliche «Auto-Erlebniswelten», in denen zum Verweilen wie in einem Vergnügungspark und zum Kauf eines Autos animiert wird.

Allerdings: Markenniederlassungen dieser Art stellen ausserordentlich hohe Anforderungen, vor allem finanzieller Art. Als Folge sind praktisch nur die Hersteller oder ihre Länderniederlassungen in der Lage, Autohäuser dieser Grössenordnung zu bauen und zu betreiben. Die Konsequenz daraus heisst: Hersteller und Generalimporteure machen sich verstärkt im Detailhandel breit und kassieren damit einen nicht geringen Teil jener Margen, die sich bisher ihre Händler verdient haben.

Genf besitzt Pilotcharakter

Das trifft – als Beispiel, welche Konsequenzen diese Ausrichtung in der Schweiz hat – auch auf den neuen, hochmodernen Audi-Terminal zu, der kürzlich in Genf- Châtelaine eröffnet wurde. Betreiber dieses Stützpunktes ist der Schweizer Audi-Importeur, die Amag Automobil- und Motoren AG, Schinznach Bad. Auf rund 26 Mio Fr. belaufen sich die Kosten für das gesamte Projekt in der Rhonestadt.

Anzeige

Der Terminal in der Romandie wird nicht der einzige bleiben. Die Amag plant bis 2010 weitere Audi-Terminals, dies in der Nähe von Zürich (bei Dübendorf), in Bern und in Kreuzlingen. «Die Niederlassung in der Agglomeration Zürich ist in ihren Dimensionen noch um einiges grösser ausgelegt als diejenige in Genf», wie Ernesto Larghi, Audi-Markenchef in der Schweiz, erklärt. Die Bauten in Bern und Kreuzlingen sollen hingegen eine Stufe kleiner ausfallen.

Architektur nahe Markenimage

Larghi betont, dass die Audi-Terminals nicht als Konkurrenz zum bestehenden Händlernetz gedacht, dass aber solche Bauten in Grossagglomerationen für Oberklassemarken unumgänglich seien. Ihre moderne, konzernweit eingesetzte Architektur symbolisiere die Eigenschaften der Marke Audi: Hochmoderne Technik, kombiniert mit einem eleganten Design, ausserordentlichem Komfort und Sicherheit. Larghi: «Es sind dies Eigenschaften, die eine Premiummarke auszeich-nen.

Der Bau in Genf ist der erste zweistöckige Audi-Terminal in Europa überhaupt. Die steigenden Grundstückspreise führen gemäss Larghi zwangsläufig dazu, verstärkt mehrstöckig zu bauen, um den vorhandenen Platz optimal auszunutzen.

Im Terminal in Genf führt eine nicht zu übersehende Rolltreppe, installiert in der Mitte der Eingangshalle, ins nächste Stock-werk. Durch ihre Platzierung bringt sie die grosszügigen Räumlichkeiten erst richtig zum Ausdruck, Platzverhältnisse, die sich – zusammen mit der Bauweise und den verwendeten Materialien, wie zum Beispiel Aluminium – weltweit in allen Audi-Terminals wiederfinden.

Insgesamt sind im Genfer Terminal 40 Fahrzeuge ausgestellt, ausserdem stehen Probewagen zur Verfügung. Zusätzlich stellt die Werkstatt ihrerseits Autos für Kunden bereit, die ihre Fahrzeuge einen ganzen Tag oder länger für Service- oder Reparaturarbeiten zurücklassen müssen.

In der Eingangshalle sind der Empfang, ein Teil der Ausstellungsfläche und die Arbeitsplätze für den Kundendienst untergebracht. Angegliedert an die Halle ist eine weitläufig konzipierte Werkstatt. Nehmen Servicearbeiten oder Reparaturen nicht zu viel Zeit in Anspruch, kann der Kunde auf sein Fahrzeug warten und sich an der Kaffeebar die Zeit vertreiben oder durch die Fahrzeugausstellung auf den zwei Etagen schlendern, um sich Gedanken über sein nächstes Auto zu machen. Dieses Konzept ist zwar nicht neu, erstmalig am Audi-Terminal sind aber seine Grösse und seine Architektur.

1000 Neuwagen pro Jahr

Die hohen Investitionen verlangen einen ausserordentlichen Effort im wirtschaftlichen Bereich. Damit ein vertretbarer Return of Investment sowie eine akzeptable Marge erzielt werden können, sieht der Businessplan den Verkauf von 1000 Neuwagen pro Jahr vor. Dafür sind im Genfer Terminal sechs Verkäufer angestellt. Sie werden von drei weiteren unterstützt, die zusätzlich für Audi-Niederlassungen in der Region Genf arbeiten.

Jeder Verkäufer muss demnach etwas über 100 Neuwagen pro Jahr oder rund acht bis zehn Fahrzeuge pro Monat verkaufen, damit sich nicht nur die eingesetzten finanziellen Mittel für Importeur Amag als Betreiber rechnen, sondern er selbst ein zufriedenstellendes Gehalt verdient, das sich aus einem Fix- und einem Bonusteil zusammensetzt.