Die Axpo dürfte in der Nordostschweiz bald für politische Spannungen sorgen. Die Grünliberalen reichen in den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Glarus und Aargau parlamentarische Vorstösse ein, welche die «hohen Risiken» des Stromkonzerns ins Visier nehmen sollen, wie es in einem Postulat heisst, das der «Handelszeitung» vorliegt. Konkret bringt die GLP die Geschäfte der Axpo im Stromhandel und bei ihren Auslandsaktivitäten aufs politische Parkett. Die Kantonsregierungen seien aufgefordert, die damit verbundenen Risiken «vertieft zu prüfen» und zeitnah Bericht zu erstatten. Dabei führen die Grünliberalen ordnungspolitische, operative und betriebswirtschaftliche Gründe an. Die Rede ist von einer «Aufspaltung der Axpo Holding» in Produktionseinheit samt Netzen und eine «marktorientierte Einheit», die zu veräussern sei.

Wiederholte Kapitalerhöhungen

Ordnungspolitisch kritisiert die GLP die Tätigkeiten der Tochterfirma Solutions. Namentlich: den Eigenhandel
mit Elektrizität, das Origination-Geschäft in Italien, Spanien, Osteuropa und den ­Vereinigten Staaten sowie die Entwicklung von Windparks im Ausland. Aus Sicht der GLP sind solche Geschäfte «keine Kernaufgaben eines Nordostschweizer Konkordats».Betriebswirtschaftlich führt die Partei ins Feld, dass die Handelstochter Solutions in den letzten fünf Jahren kumuliert über eine Milliarde Franken Verlust ­geschrieben habe und erst im letzten ­Geschäftsjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt sei. Trotz wiederholten Kapitalerhöhungen seit 2014 von insgesamt 1,4 Milliarden Franken und einem Verzicht auf Dividendenzahlungen an die Axpo-Mutter sei das Eigenkapital der Solutions seit 2013 nicht angestiegen. «Die Kapitalerhöhungen scheinen einfach ‹verpufft› zu sein», heisst es im GLP-Postulat.


Gleichzeitig sei die Bilanzsumme der Axpo Solutions «förmlich explodiert», von 6,7 auf 11 Milliarden Franken. «Dies bedeutet, dass primär die Schulden massiv zugenommen haben und die Risiken erhöht wurden», folgert die GLP und will wissen, ob «in Wirklichkeit im hochspekulativen und kapitalintensiven Handels- und Vertriebsgeschäft der Axpo in den vergangenen Jahren massiv Volksvermögen vernichtet wurde und (zu) grosse Risikopositionen aufgebaut werden». Bei der GLP ist man überzeugt, dass zwischen dem Handelsgeschäft und der Produktion «wenige Synergien» bestünden. Die Vermarktung der Axpo-Energie könne «über Ausschreibung» erfolgen. Die Rede ist
von einer schlanken «Produktions- und Netzaxpo» ohne Ausland und Handel.

Axpo widerspricht Einschätzung

Der Stromkonzern Axpo betont dagegen, dass die beiden Bereiche seit Jahren das zweite wichtige Standbein seien, das substanzielle Ergebnisbeiträge liefere: «Eine einseitige Fokussierung auf das strompreisabhängige Geschäft wäre gefährlich.» So sei auch das starke Geschäftsergebnis 2017/18 vor allem auf die «gute operative Leistung im internationalen Geschäft und bei den erneuerbaren Energien» zurückzuführen. Gerade in den vergangenen Jahren hätten die Verluste in der Schweizer Stromproduktion, bedingt durch tiefe Grosshandelspreise für Strom, grösstenteils durch das erfolgreiche strompreisunabhängige Auslands- und Handelsgeschäft wettgemacht werden können.

Für die Aktionäre wäre zudem eine Abspaltung des Handelsgeschäfts mit einem «Wertverlust in dreistelliger Millionenhöhe» verbunden. Auch das Auslandsgeschäft trage wesentlich zur soliden Bilanz bei. Gerade die Kombination von Produktion, Risk Management, Energiewirtschaft und Handels-Know-how bringt einen bedeutenden Mehrwert.

Zu den von der GLP kritisierten «hohen Risiken» kontert der Stromkonzern mit Sitz in Baden: Risikomanagement sei eine ihrer Kernkompetenzen: «Axpo hat ein konservativ bemessenes Risikolimit und geht somit nicht unkontrolliert hohe Risiken ein. Mit einem konzernweiten Risk Management überwacht Axpo ihre Risikoposition periodisch und rapportiert diese an den Verwaltungsrat.»

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