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Spielzeug
Baby und Buggy: Lego bringt den Hausmann in die Läden

Hausmann-Figur: Das Lego-Männchen balanciert locker Kinderwagen und Milchfläschchen. Keystone

Hipster oder Hausmann? Nach einer Figur im Rollstuhl bringt Lego ein neues Männchen in Freizeit-Kleidung und mit Kinderwagen auf den Markt. Dahinter dürfte Kalkül stecken.

Von Caroline Freigang
am 24.02.2016

Kariertes Hemd, Jeans, Dreitage-Bart und Kinderwagen bei Hand: Im Sortiment von Lego gibt es neu eine Hausmann-Figur. Auf den ersten Blick könnte man das Männchen zwar für einen Hipster halten - wäre da nicht die dazu passende Frau im Deux-Pièce, mit Hochsteckfrisur und Aktentasche.

Die Hausmann-Figur ist Teil desselben Lego City Sets, in dem eine Figur im Rollstuhl erscheint. Diese hatte Lego an der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt, entwickelt wurde sie auf Druck der Behinderten-Initative Toys Like Me. Das Lego City Set erscheint im Juli auch in Schweizer Läden.

Kritik für Mädchen-Spielset

«Wir müssen uns der Welt um uns herum anpassen» erklärt Soren Torp Laursen, Präsident von Lego Systems, dem Fortune-Magazine. Man reagiere nicht auf Forderungen, sondern wolle die Welt so darstellen wie sie sei.

Einige Experten sehen das anders: Unternehmen reagierten durchaus auf gesellschaftlichen Druck. Vor allem global tätige und börsenkotierte Unternehmen achteten darauf, politisch korrekte Spielsachen herzustellen, sagte Markenexperte Stefan Vogler der Handelszeitung.ch. Denn Verstösse gingen mit einem enormen Reputationsschaden einher.

In der Öffentlichkeit steige das Bewusstsein dafür, wie beeinflussbar gerade Kinder durch Spielzeug seien, meinte die Psychologin Denise Ineichen von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Auch Lego war 2011 wegen einer Spielreihe für Mädchen namens «Lego Friends» kritisiert worden. Diese hatte Elemente wie einen Haarsalon, eine Poolparty und ein Einkaufszentrum beinhaltet - zu klischeehaft, bemängelten Kritiker.

Kaum Hausmänner in der Schweiz

Die Hausmann-Figur dürfte nun ein weiterer Versuch sein, die Stereotypen im Spielzeugmarkt aufzubrechen. Die Anzahl der Hausmänner hat sich in den USA nach einer Studie des Pew Research Centers seit 1998 auf rund zwei Millionen Männer verdoppelt (Zahlen: 2012). Dies ist immer noch ein relativ geringer Anteil der Gesamtbevölkerung (0,6 Prozent). Auch die Schweizer leben in vergleichsweise konservativen Familienmodellen, in denen der Mann arbeiten geht und die Frau zuhause bleibt.

2015 waren 25,2 Prozent der Männer nicht erwerbstätig, davon aber nur 1,2 Prozent Hausmänner. Der Rest war in Ausbildung oder Rentner. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein ganz leichter Anstieg: 2014 waren von den 25 Prozent nicht erwerbstätigen Männern nur 1 Prozent Hausmänner. 

Den Hausmännern auf Twitter gefällt die neue Figur: «Lego macht mich stolz, ein Hausmann zu sein.»

 

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