Die Bankbranche ist in besonderem Masse auf bestens qualifizierte Spitzenleute angewiesen. Oft müssen Mitarbeitende im Ausland rekrutiert werden, weil das Potenzial an Finanzspezialisten in der Schweiz begrenzt ist. Die Banken investieren viel in die interne Förderung und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden. Sie haben Interesse an einem guten Bildungssystem. Die Schweizerische Bankiervereinigung hat deshalb in den letzten drei Jahren wegweisende Bildungsinitiativen umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise das Center for Young Professionals in Banking CYP für die Fachausbildung von Lehrlingen und Mittelschulabsolventen. Anstelle der bisherigen Bankfachprüfungen wurde eine Höhere Fachschule für Banking und Finance geschaffen und schliesslich entstand das Swiss Finance Institute.

Im Bereich der Fachhochschulen fördern die Banken den Aufbau von Bachelor-Studiengängen mit Spezialisierung in Banking und Finance. Der Wunsch der Banken nach einer Konzentration der Kräfte hat in der Zwischenzeit dazu geführt, dass beispielsweise die Finanzinstitute der Fachhochschulen in Zug und Winterthur eine strategische Partnerschaft eingegangen sind. Gemeinsam wird nun ein Masterlehrgang in Banking und Finance entwickelt.
Die Bankiervereinigung unterstützt diese Vorhaben.

Bologna-Reform harmonisiert

Mit der Bologna-Reform wird das System der Hochschulbildung international harmonisiert. Es werden Standards gesetzt und die Ausbildungsabschlüsse werden vergleichbar. An den Hochschulen gibt es den Bachelor- und den Masterabschluss sowie verschiedene Abschlüsse im Weiterbildungsbereich. Die Umstellung auf das neue System hat an den Hochschulen auch inhaltliche Reformen gebracht. Viele Studiengänge wurden neu konzipiert.
Die Bachelor-Ausbildung ist praxisorientierter als jene der Universitäten und führt zu einer Berufsbefähigung. Da bereits die früheren Fachhochschulabschlüsse eine ähnliche Ausrichtung hatten, werden die Absolventen des Bachelor in Betriebswirtschaft weiterhin gute Berufschancen haben. Gerade bei den Banken steigt der Bedarf an Hochschulabsolventen. Viele Stellen sind unbesetzt. Allerdings dürfte es laut Prof. Christoph Lengwiler von der Hochschule für Wirtschaft HSW Luzern mittelfristig auf dem Arbeitsmarkt zu einer Bevorzugung von Masterabsolventen kommen.
Lebenslanges Lernen wird auch in Zukunft ein Muss sein. Nach dem Einstieg ins Berufsleben stehen den Bachelor-Absolventen häufig interne Lehrgänge ihrer Firmen offen. Zudem gibt es ein gutes Weiterbildungsangebot an den Hochschulen. So gibt es Weiterbildungsmaster, wie etwa den MAS Master of Advanced Studies. Diese richten sich an Hochschulabsolventen mit bereits einigen Jahren Praxiserfahrung. Es werden aber auch weniger umfangreiche Nachdiplomkurse angeboten, die als Diplomkurse oder Zertifikatskurse bezeichnet werden.
Ambitionierte Studierende werden nach dem Bachelor direkt weiterstudieren und sich beispielsweise mit dem Abschluss eines Master of Science MSc in Banking und Finance höher qualifizieren können. Solche konsekutive Master werden auf dem Wissen des Bachelor aufbauen, eine fachliche Spezialisierung bringen und einen Schwerpunkt auf die anwendungsorientierte Forschung legen. Die Abgänger der Masterlehrgänge werden gerade in der Bankbranche laut Christoph Lengwiler stark gefragt sein und exzellente Karrierechancen haben.
So findet schleichend eine Akademisierung der Berufswelt statt. Doch Lengwiler relativiert: «Wir müssen uns bewusst sein, dass sich in vielen Berufen die Anforderungen ändern. Wir sind heute eine Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft». Gerade im Bankwesen brauche es immer besser qualifizierte Mitarbeitende, die mit dem rasanten Wandel, mit der Internationalisierung und der Technologisierung im Business zurechtkommen.

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Studiengebühren

Die gleichen Hochschulen umwerben den gleichen Kunden und sorgen damit für einen intensiven Wettbewerb unter den Fachhochschulen. So stammen die Studierenden der berufsbegleitenden Weiterbildungsangebote der Hochschule für Wirtschaft Luzern aus der gesamten Deutschschweiz und sogar aus Liechtenstein und Süddeutschland.
Ein weiterer Grund für den intensiven Wettbewerb hängt mit dem Finanzierungsmodus zusammen. Die Bachelor- und Masterlehrgänge werden weitgehend durch die öffentliche Hand mit Beiträgen pro Studierenden finanziert. Die Weiterbildungsangebote müssen zu 100% kostendeckend aus Studiengebühren finanziert werden. Das schafft Druck, die Lehrgänge zu füllen und Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. Lengwiler beurteilt den Wettbewerb positiv: «Er fördert die Marktorientierung und die Innovationen im Bildungswesen.»

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Nachgefragt: «Wir stellen uns dem Wettbewerb»

Professor Christoph Lengwiler (48) ist Mitglied der Schulleitung der Hochschule für Wirtschaft HSW Luzern und leitet das IFZ Institut für Finanzdienstleistungen Zug.

Hat Ihre Fachhochschule offene Wünsche an die Banken?

Christoph Lengwiler: Wir stehen in regelmässigem Austausch mit der Bildungskommission der Schweizerischen Bankiervereinigung. Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn die Banken sich beim Aufbau von Forschungskapazitäten stärker engagieren würden. Hier besteht an den Fachhochschulen nach wie vor ein Nachholbedarf. Leider fliessen die Mittel der Banken via Swiss Finance Institute zu den Universitäten und die Fachhochschulen gehen leer aus.

Sie gelten als einer der Pioniere in der Finanzweiterbildung. Welche Bilanz ziehen Sie nach zehn Jahren Aufbauarbeit an ihrem Fachhochschulinstitut?

Lengwiler: Wir sind heute unter den Fachhochschulen der führende Weiterbildungsanbieter. Über 3500 Finanzfachleute haben in dieser Zeit unsere Weiterbildungslehrgänge oder Seminare besucht. Damit haben wir unser Ziel erreicht, zur Qualitätssicherung in der Finanzbranche beizutragen.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die nächsten zehn Jahre?

Lengwiler: Die zukünftigen Herausforderungen werden für uns der Ausbau der Forschung, der neue Master in Banking und Finance und die Internationalisierung unseres Instituts sein. Zudem werden wir uns vor allem bei den Weiterbildungsangeboten den veränderten Bedürfnissen der Bankbranche und dem Wettbewerb mit anderen Fachhochschulen stellen müssen.