Längst ist das Badezimmer nicht mehr der kleine, nüchterne Raum, in dem man sich höchstens einmal wöchentlich den Luxus eines heissen Vollbads gönnte. Im Laufe der Zeit hat es mehrere Wandlungen durchgemacht und entwickelte sich vom Ort der blossen Körperreinigung zu einem Refugium der Entspannung und Selbstverwöhnung, zu der man sich trotz ? oder gerade wegen ? des Alltagsstresses gerne Zeit nimmt. So wichtig die funktionellen Aspekte bei der Ausstattung auch sein mögen, hier möchten wir uns rundum wohl fühlen. Der Zeitgeist und die sich laufend wandelnden Wohnstile haben dazu geführt, dass sich bisher rein praktisch ausgestattete Bäder in sogenannte Spas ? einladende Wohlfühlbäder ? verwandelt haben.

Wohlfühlbad für alle

Das Bad ist ausserdem der persönlichste Raum einer Wohnung. Hier beginnen und beenden wir den Tag ? mit einer kurzen erfrischenden Dusche oder einem genüsslichen Schaumbad. Unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse verträgt das Bad durchaus ausdrucksvolle Gestaltungen, in denen sich Träume widerspiegeln können. Das moderne Badezimmer präsentiert sich als Oase der Entspannung und des Wohlbefindens, das immer mehr die Rolle eines zusätzlichen Wohnraumes einnimmt oder gar offen ins Schlafzimmer integriert wird. Ein Raum, der sich nach Lust und Laune opulent, karg, gemütlich oder witzig gestalten lässt ? ein starker Gegensatz zu der schnelllebigen Hightech-Welt draussen.

Die Kunst beim Einrichten besteht darin, den Einsatz der einzelnen Objekte richtig zu dosieren. Das ist ganz einfach: Es braucht manchmal nur eine Schale gefüllt mit Muscheln, oder eine Vase mit Blumen, einen besonderen Duft oder das weiche Kerzenlicht, um ein Gefühl von Wärme zu erzeugen. So ist es im intimsten Raum einer Wohnung nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht, den Alltag hinter sich zu lassen und in eine wunderbare Welt der berauschenden Düfte, warmen Dämpfe und ätherischen Öle einzutauchen. Durch das neue Körperbewusstsein und den Wunsch nach seelischer Ausgeglichenheit nimmt das Bad die Position eines Ruheraumes ein, in dem nur noch der Moment zählt ? sich verwöhnen, Vitalität und Lebenskraft tanken, den Alltag vergessen, zu sich selbst finden, die Freude am Einfachen spüren, sich regenerieren, die Gedanken schweifen lassen, den Augenblick erfahren Plötzlich wird uns die atemberaubende Stimmung eines einsamen Strandes, die Einfachheit eines kühlen Felsens oder die Romantik eines verwilderten Gartens bewusst. Plötzlich spüren wir die Sehnsucht nach einer ganz neuen Lebensqualität. Diese umfasst nicht nur seelische Ausgeglichenheit, sondern schliesst darüber hinaus vor allem auch körperliche Fitness ein.

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Neue Duschen und Wannen

Innovative Baddesigner haben sich dem wiederentdeckten Wellness-Trend angepasst und bieten alles an fürs heimische Bad, was das Herz begehrt. Die Farbe Weiss kehrt in grossen Schritten zurück und wirkt, je nach verwendetem Material, edel und matt oder Perlmutt-glänzend. Durch die rasante Entwicklung neuer Mineralwerkstoffe stehen uns heute Materialien zur Verfügung, die dank fugenloser Verarbeitung dieser Hightech-Produkte neue und ungewohnte Formen erlauben. Verbesserte Sanitärkeramik-Herstellungsverfahren ermöglichen die Produktion auch eigenwilliger Lavabos und Wannen in kleinen Serien zu Preisen für Normalverdiener. «Walk-in», ebenerdige Duschen, sind beliebt.

Dank intelligenter Planung und neuen Produkten liegt mittlerweile der praktische, profillose und barrierefreie Einstieg in die Dusche voll im Trend. Was aber kommt nach dem Wellness-Hipe, der zweifellos irgendwann zu Ende geht? Zurück zur Askese? Als Primeur eines der innovativsten Hersteller der letzten 20 Jahre erfahren «Handelszeitung»-Leser noch vor der öffentlichen Premiere von einem völlig neuen Badezimmer-Konzept: «Il bagno che non c?è» ? das Bad, das nicht mehr sichtbar ist (siehe «Nachgefragt»).

Und wenn wir älter werden und eventuell nicht mehr mobil sind? Das beginnt mit genügend breiten Türöffnungen ohne Schwellen. Da der Waschplatz der zentrale Funktionsbereich im Badezimmer ist und besonders wichtig für ein autonomes Leben in den eigenen vier Wänden, muss er bequem frontal und sicher zu benutzen sein. Zur bequemen und sicheren Körperpflege sitzen zu können, wird von allen geschätzt. Trolleys mit feststellbaren Rollen sind praktisch, zumal sie zusätzlich als Ablagefläche und Stauraum genutzt werden könnten. Und natürlich hat die Beleuchtung entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden im Bad. Das wissen alle, die in Hotels oder fremden Wohnungen unliebsame morgendliche Erfahrungen vor dem Spiegel machen.

Wellness ist nach wie vor «in»

Das wachsende Körperbewusstsein rückt immer stärker in den Vordergrund und ist für den ganzheitlichen Wohlfühltrend verantwortlich. Badezimmer von heute sind perfekt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Da es in erster Linie die Einrichtung ist, die das Ambiente eines Raumes bestimmt, müssen bei der Auswahl sowohl praktische als auch ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Der Mensch besteht zu einem grossen Teil aus Wasser, das ist sein Element. Kein Wunder, dass es beim Wohlfühl-Erleben von Wellness eine entscheidende Rolle spielt. Nicht allein, dass wir es zur Aufrechterhaltung unserer wichtigsten Körperfunktionen benötigen: Der Kreislauf kommt in Schwung, das Immunsystem wird gestärkt, die Durchblutung gefördert sowie Muskeln und Gelenke entspannen sich. Darüber hinaus dient unser grösstes Körperorgan, die Haut, als Nahtstelle, über die wir Sinnesreize ans Innere weiterleiten.

«Sanus per aquam», Gesundheit durch Wasser, besinnt man sich wieder auf die Riten des entspannenden Bades und der belebenden Dusche, wie es bereits vor Jahrtausenden ein fester Bestandteil des Alltags von Indern, Griechen, Römern und Orientalen war. Bereits die Ärzte der Antike priesen unermüdlich die Vorzüge von Wasser für die Gesundheit, sodass dem sanften Element bei nahezu allen Kulturen eine ganz besondere Rolle als Symbol für körperliche und geistige Reinigung zukam. Bäder waren also schon vor sehr langer Zeit Stätten der Gesundheits- und Schönheitspflege, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

 

 

nachgefragt


«Überraschung»

Aldo Provini, Geschäftsführender Gesellschafter der Rapsel Spa, Milano.

Sie haben vor Jahren mit dem ersten Lavabo auf vier Beinen aus Schweizer Designerhand im Bad für Furore gesorgt. Was kommt jetzt?

Aldo Provini: Jetzt bringen wir das unsichtbare Bad! Allzeit bereit und dennoch nicht vorhanden.

Wann kann man etwas sehen?

Provini: Wir präsentieren es in diesem Monat an der Mailänder Möbelmesse. Lassen Sie sich überraschen!

Für wen und von wem ist es?

Provini: Nicht nur, aber vor allem für kleine Wohnungen, Studios und den nachträglichen Einbau. Entworfen hat es einmal mehr Matteo Thun.