Die Deutsche Bahn stellt sich vor dem unbefristeten Streik der Lokführergewerkschaft GDL auf massive Zugausfälle auf Fernstrecken ein. Es werde voraussichtlich nur ein Drittel des regulären Fahrplanangebots abgedeckt werden können, hiess es.

«Wir bedauern besonders, dass es ausgerechnet am Pfingstwochenende dazu kommt«, sagte Bahn-Geschäftsleitungsmitglied Ulrich Homburg in Berlin. Die Deutsche Bahn stellt Ersatzfahrpläne auf. Für den Fernverkehr seien diese Pläne für Mittwoch und Donnerstag bereits fertig und in den Auskunftssystemen abrufbar, sagte Homburg.

Ausfälle auch grenzüberschreitend

Im Güterverkehr rechnet die Bahn damit, dass rund 70 Prozent der Züge fahren können. Dennoch sei im innerdeutschen Verkehr und auch grenzüberschreitend mit Ausfällen und Verspätungen zu rechnen. Gemäss Webseite der SBB muss auch im grenzüberschreitenden Verkehr mit der Schweiz mit Einschränkungen gerechnet werden.

Die Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL hatte am Vortag angekündigt, heute um 15 Uhr im Güterverkehr die inzwischen neunte Arbeitskampfrunde zu starten. Ab Mittwoch 2 Uhr sollen dann auch die meisten Personenzüge wieder stehen. Das Streikende ist bisher offen und soll nach GDL-Angaben erst 48 Stunden vorher bekanntgegeben werden.

Anzeige

Gespräche in letzter Minute

Homburg sprach von einem immensen wirtschaftlichen Schaden, der der Bahn und der Wirtschaft insgesamt entstehe. Grosskunden hätten sich inzwischen für ihre Transporte «ein zweites Standbein aufgebaut». Das Vertrauen in das Gesamtsystem Bahn sei erschüttert.

Unmittelbar vor dem neunten Lokführerstreik hatten die Gewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn noch einmal Gespräche miteinander aufgenommen. An einem nicht genannten Ort in Frankfurt am Main wollten Vertreter beider Seiten am Dienstagvormittag zusammengekommen. Über Ergebnisse wurde bis Mittag nichts bekannt.

Ende in 12 bis 24 Stunden?

Zuvor hatte Bahnpersonalchef Ulrich Weber zur Frage, ob der angekündigte Streik noch verhindert werden könnte, gesagt: «Das will ich nicht sagen, aber das ist unser Ziel.»

GDL-Chef Claus Weselsky hatte zu erkennen gegeben, dass die Gewerkschaft bei einer Schlichtung zu ihren Bedingungen den angekündigten Arbeitskampf innerhalb von 12 bis 24 Stunden beenden könnte. Die inhaltlichen Fragen des Tarifkonflikts seien nicht unlösbar, sagte Weselsky.

Streik soll noch länger dauern

Man sei aber nicht bereit, in einer Schlichtung über die Frage der Tarifeinheit zu verhandeln: "Es ist schlussendlich unser Grundrecht, für unsere Mitglieder einen Tarifvertrag abzuschliessen - und zwar egal, ob der abweicht von einem anderen Tarifvertrag oder nicht."

Die GDL hatte angekündigt, die Lokführer würden ihre Arbeit noch länger niederlegen als beim vorigen Mal. Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen. Es war der bisher längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG.

Anzeige

(sda/tno/ama)