Wegen Preisabsprachen bei Stahlbeton-Schwellen will die Deutsche Bahn mehrere Unternehmen auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagen. Die an dem Kartell beteiligten Firmen hätten Gespräche über eine gütliche Einigung abgelehnt, sagte der Bahn-Vorstand für Recht und Konzernsicherheit, Gerd Becht, der «Bild am Sonntag». «Deswegen klagen wir jetzt.»

In der Vergangenheit hätten aufgeflogene Kartellsünder zwar immer wieder mit den Behörden zusammengearbeitet, die geschädigten Kunden aber abblitzen lassen. «Das lassen wir uns nicht mehr gefallen», erklärte der Bahn-Manager. Nach Angaben einer Sprecherin will der Konzern etwa ArcelorMittal verklagen. Die Klage solle in den Niederlanden erhoben werden. Bei ArcelorMittal war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erhalten.

Schaden über 18 Jahre lang

Nach internen Ermittlungen seien dem Staatskonzern über 18 Jahre hinweg 48 Millionen Stahlbeton-Schwellen zu überhöhten Preisen verkauft worden, wodurch ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen vertraulichen Bahn-Bericht. Eine Betonschwelle enthält zwei bis vier Stahlstäbe. Sie stellen sicher, dass die Konstruktion bei hoher Belastung durch darüberfahrende Züge nicht bricht.

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Die Hersteller von Spannstahl sollen demnach ein europaweites Kartell gebildet haben, um die Schwellen 20 bis 30 Prozent teurer verkaufen zu können. Die Unternehmen hätten sich von 1984 bis 2002 über 500 Mal in Hotels am Rande von Branchenverbandsveranstaltungen zu Preisabsprachen getroffen. Daher sollen nun mindestens neun europäische Firmen, darunter vier deutsche Stahlhersteller, verklagt werden.

Whistleblower entscheidend

Das Kartell flog dem Bericht zufolge erst auf, als ein ehemaliger Mitarbeiter einer Stahlfirma bei Beamten der EU-Kommission auspackte. Die Behörde verhängte 2010 hohe Geldbussen gegen die Firmen. Bei der Deutschen Bahn sei der Fall von einer neu gegründeten Sondereinheit für Kartellfälle aufgegriffen und überprüft worden.

In einem anderen Fall war die Bahn bereits juristisch gegen Schienenhersteller vorgegangen. Das Kartell soll zwischen 2001 und 2011 höhere Preise abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt verhängte für die Lieferungen an die Deutsche Bahn ein Bussgeld von 124,5 Millionen Euro. Davon musste Thyssen-Krupp mit 103 Millionen Euro den Löwenanteil bezahlen. Zudem einigte sich der in Essen ansässige Konzern im November mit der Bahn auf Schadenersatz. In Bahnkreisen war damals von rund 150 Millionen Euro die Rede.

(reuters/chb/sim)