Der grenzüberschreitende Personenverkehr per Bahn ist in den vergangenen Tagen zwar von Streiks behindert worden, und für Strecken nach Deutschland und Frankreich schien der Flugweg angenehmer. Doch das hindert die im Sommer gegründete europäische Bahnallianz Railteam nicht daran, die Vereinheitlichung ihrer Buchungssysteme voranzutreiben. Anfang 2009 soll die Buchung von Reisen mit internationalen Hochgeschwindigkeitszügen durch Europa ebenso einfach sein wie jene mit dem Flugzeug. Nach dem Vorbild der Airline-Allianzen werden die Vielreisenden zudem von Bonusprogrammen und Lounges profitieren.

Lounge im Zürcher HB

Beteiligt sind die französische SNCF, die Deutsche Bahn, die niederländische NS, die österreichische ÖBB, die belgische SNCB, der britische Eurostar und die SBB. Bei den Schweizern wird es nächstes Jahr schon sehr konkret. SBB-Sprecher Roland Binz verrät auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Die Eröffnung der Railteam-Lounge in Zürich HB findet voraussichtlich Ende 2008, Anfang 2009 statt.» Derzeit würden Standortfragen, bauliche Aspekte, Zugang zur Lounge und Leistungsangebot von einem Projektteam geklärt. «In jedem Fall werden Geschäfts- sowie Vielreisende von den Annehmlichkeiten der Railteam-Lounge profitieren können», betont Binz. Die Lounge in Zürich ist eine von 30 derartigen Einrichtungen, die europaweit geplant sind. Vergleiche mit den Airlines punkto Integration der Buchungssysteme findet Binz nicht angebracht. Eine Buchungsplattform für die Bahn lasse sich in keiner Art und Weise mit jener einer Fluggesellschaft vergleichen; sie sei wesentlich anspruchsvoller und vielschichtiger, wie er sagt. Weiter erklärt Binz: «Die Bahnen bedienen im Vergleich zu den Airlines ein x-Faches an Destinationen mit einem Vielfachen an Verbindungen und haben zudem unterschiedliche Tarifsysteme. Allein im öffentli-chen Verkehr der Schweiz gibt es beispielsweise mehrere Millionen möglicher Verbindungen.»

30 Millionen Euro Investitionen

Während es bei den Airline-Allianzen heuer rund zehn Jahre nach der Gründung bereits darum geht, Synergien beim Treibstoffeinkauf oder der Devisenabsicherung zu generieren, streben die Bahnen in einem ersten Schritt an, für die Kunden die Service- und Qualitätsstandards zu vereinheitlichen.
Total investieren die beteiligten Bahnen 30 Mio Euro in eine gemeinsame Vertriebsplattform. Das Ziel: Ab 2009 sollen internationa-le Reisende europaweit attraktive Preisangebote buchen sowie Reservierung und Zahlung über jede Partnerbahn in einer einzigen Transaktion vornehmen können.
Die SBB wollen ihren Beitrag nicht in Zahlen ausdrücken. Binz: «Die SBB sind an der Entwicklung der gemeinsamen Plattform beteiligt. Unser Beitrag erfolgt also in Form von Know-how und Manpower.»
Europas Hochgeschwindigkeitsnetz wächst rasant. Heute hat es bereits eine Länge von 5000 km. Es soll bis 2010 auf 7600 km und bis 2020 sogar auf über 15000 km wachsen. Reisende aus der Schweiz profitieren seit dem Sommer bereits von der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris–Strassburg. Diese verkürzt die Zugreise von Basel nach Paris um eineinhalb Stunden auf 3,5 Stunden.
Die nächsten neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken und -bahnen von Schweizer Interesse, welche bis 2009 eröffnet werden sollen: Brüssel–Köln dauert 40 Minuten weniger, noch 1 Stunde 46 Minuten. Die Railjetverbindung Zürich–Wien verkürzt die Fahrt um rund eine Stunde.
Die Schiene wird nicht nur aus Umweltüberlegungen konkurrenzfähiger gegenüber den Airlines. Mit zunehmendem Zeitaufwand beim Check-in und Kontrollen in den Flughäfen gelten Hochgeschwindigkeitszüge mit bis vier Stunden Fahrzeit zwischen Stadtzentren für Geschäftsreisende als zunehmend effizientere Transportmittel. So hat bei Eurostar zwischen Brüssel, Paris und London die Zahl der Businessreisenden im 1. Halbjahr 2007 gegenüber 2006 um 13% zugenommen, verglichen mit einem Plus von 4,8% bei allen Passagieren.

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www.railteam.net