Bei der Infrastruktur der SBB bleibt der Nachholbedarf unverändert. Das Bahnunternehmen beziffert ihn ähnlich wie im letzten Jahr mit 1,78 Milliarden Franken. Als Baustellen für die kommenden Jahre erweisen sich insbesondere die Bahnhöfe.

Einige davon platzen aufgrund der wachsenden Passagierströme aus allen Nähten. Mittelfristig ausgebaut werden die Publikumsanlagen von zwölf Schweizer Bahnhöfen müssen. Zu diesem Schluss kommt der Netzzustandsbericht 2011, den die SBB publizierte.

Bereits aufgegleist ist der Ausbau des Bahnhofs Lenzburg, der bis 2017 abgeschlossen sein soll. Offen ist die Finanzierung der Arbeiten zur Behebung von Engpässen in den elf anderen Bahnhöfen, welche die SBB als unbefriedigend beurteilt.

Deren Funktionalität sei stark eingeschränkt und das Gefahrenpotenzial aufgrund von Engpässen im Personenfluss gross, heisst es im Bericht. Unter den Sorgenkindern befindet sich neu etwa der Bahnhof Stadelhofen in Zürich.

Der Fokus habe bisher zu stark auf dem Schienennetz gelegen, sagte Wassim Badran, Leiter Anlagen und Technologien, anlässlich eines Mediengesprächs. Bis Mitte 2013 soll nun ein Umsetzungsprogramm vorliegen. Die SBB rechnet für den Ausbau der Personenkapazität der Bahnhöfe mit langfristigen Kosten von 2 bis 3,5 Milliarden Franken.

Mehr Geld für Infrastruktur

Neben den Engpässen bei den Bahnzugängen zählen unter anderem Mängel an der Fahrbahn sowie die Altersschwäche einiger Stellwerke zu den Faktoren, aus welchen sich der aktuelle Nachholbedarf von 1,78 Milliarden Franken ergibt. Der Nachholbedarf zeigt die Kosten der Investitionen auf, die eigentlich schon erfolgt sein sollten.

Damit weist die SBB im Vergleich zum Bericht 2010 nur einen geringfügig grösseren Rückstand bei der Infrastruktur aus (+ 2,3 Prozent). Der Leiter Infrastruktur, Philippe Gauderon, sprach denn auch von einer «Konsolidierung». 73,9 Prozent der Anlagen befänden sich in einem guten oder sehr guten Zustand.

Der erste Bericht zum Zustand des Bahnnetzes hatte im Jahr 2009 aufgrund der darin aufgeführten Mängel für Aufsehen gesorgt. Dieser Hilferuf blieb nicht ohne Folgen: Der Bundesrat will der SBB im Leistungsvertrag für die Jahre 2013 bis 2016 Beiträge im Umfang von 6,6 Milliarden für Betrieb und Unterhalt zur Verfügung stellen.

Hinzu kommen steigende Trassenerträge und SBB-interne Massnahmen zur Effizienzsteigerung. Im Vergleich zu 2010 rechnet die SBB in der Zeitspanne 2013 bis 2016 mit durchschnittlich rund 700 Millionen Franken pro Jahr an zusätzlichen Mitteln für die Infrastruktur.

3,5 Milliarden reichen nicht aus

Ab 2017 soll die Bahninfrastruktur dann aus dem neu geschaffenen Bahninfrastrukturfonds (BIF) gespiesen werden. Der Fonds ist das Kernstück der FABI-Vorlage, die der Bundesrat der VCS-Initiative «Für den öffentlichen Verkehr» gegenüberstellen will. Das Geschäft liegt derzeit bei den eidgenössischen Räten.

Der Bundesrat sieht für die Bahn-Infrastruktur in einem ersten Schritt Investitionen von 3,5 Milliarden Franken bis 2025 vor. Angesichts zahlreicher Engpässe kann mit diesem Geld gemäss SBB nur ein Teil des Handlungsbedarfs bewältigt werden.

Selbst wenn die Investitionen, wie von der Verkehrskommission des Ständerats vorgeschlagen, auf 6 Milliarden Franken erhöht würden, blieben aber Engpässe für den Personen- und Güterverkehr, sagte Philippe Gauderon.

Der Chef der SBB-Infrastruktur machte neben der Finanzierung weitere Herausforderungen für die Zukunft geltend. So will die SBB ihren Energieverbrauch bis 2025 um 20 Prozent senken. Das Ziel ist der Umstieg auf erneuerbare Energieträger.

(rcv/muv/sda)

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