Die Zürcher Bahnhofstrasse 75 ist seit Monaten in den Schlagzeilen: Genau vor einem Jahr machte die «Handelszeitung» publik, dass die Miete für das Manor-Warenhaus um ein Vielfaches erhöht werden soll. Für Manor besonders schmerzhaft: 2012 und 2013 hatte der Basler Konzern rund zehn Millionen Franken in das Zürcher Warenhaus gesteckt, wie Manor-Chef Bertrand Jungo erklärte.

19 Millionen Franken soll die Vermieterin Swiss Life künftig verlangen, basierend auf grossen Umbauplänen. Seither wird das Thema kontrovers diskutiert. Während der Lebensversicherer  für den altehrwürdigen Bau eine Umnutzung erwägt, hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die den Bau als Warenhaus schützen will.

Die Konsumenten hätten ein Interesse, dass der Manor an bester Zürcher Einkaufslage erhalten bleibe, sagte die Präsidentin der neu formierten Interessengemeinschaft (IG) Manor Bahnhofstrasse, Esther Girsberger, vor den Medien in Zürich. Es gebe «unzählige» Reaktionen, die auf den Erhalt der Manor-Filiale drängten: «Sie demonstriert zürcherisches Leben und ist ein sozialer Treffpunkt.» Der Bau sei ein Denkmal und müsse als Warenhaus erhalten werden, sagte Girsberger. Benachbarte Geschäfte profitieren laut der IG wegen der hohen Kundenfrequenz ebenfalls vom Warenhaus.

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Historisch bedeutsames Haus

Das 1910 erbaute Oscar-Weber-Haus, das 2001 teilweise an Swiss Life ging, soll vom Architekturbüro Spühler Partner für 100 Millionen Franken umgebaut werden. Im Parterre und im ersten Stock sollen gemäss Medienberichten acht bis zehn Ladenlokale, in den oberen Etagen des fünfstöckigen Hauses Büros im hochpreisigen Segment entstehen. Die IG zieht zwei Gutachten heran, welche die historische Bedeutung des Baus unterstreichen sollen.

Der Streit um die Zukunft der Manor-Filiale entzündete sich wegen des Ablaufs des 30-jährigen Mietvertrags Ende Januar. Manor fordert von der Swiss Life eine Offerte, die es aus Sicht der Warenhauskette erlaubt, das Geschäft weiter zu betreiben. Die Swiss Life habe ein solches Angebot bisher nicht gemacht, sagte Manor-Geschäftsführer Barmettler. Manor ist gemäss früheren Aussagen bereit, durch alle gerichtlichen Instanzen zu gehen.

Swiss Life wehrt sich

Die Swiss Life kann sich aber auch eine Nutzung des Gebäudes ohne Manor und nicht als Warenhaus vorstellen. Swiss-Life-Immobilienchef Martin Signer schrieb in der «Neuen Zürcher Zeitung», sein Unternehmen betreibe Liegenschaften als Kapitalanlage für die Versicherten. Die Swiss Life würde mit einer Verlängerung der bisherigen Manor-Bedingungen mit zu tiefen Mieten ein finanzstarkes Warenhaus subventionieren. Dies ginge zulasten der Versicherungskunden.

Der Versicherer kritisiert den gerichtlichen Weg, den Manor beschreitet – und bezeichnet das Manor-Vorgehen als eine Verzögerungstaktik, die der Natur langfristiger Planung widerspreche. Ein Unternehmen wie Manor müsse auch die Zeit nach einem langfristigen Vertrag planen.

(mit Material der Agentur awp)