Bereits heute verkauft die Migros über verschiedene Kanäle Alkohol – von Migrolino, Globus bis hin zu Denner und LeShop. In den Supermärkten mit dem orangen M aber gibt es keinen. Migros-Verwaltungspräsident Claude Hauser bricht jetzt das wohl grösste Tabu des von Gottlieb «Dutti» Duttweiler gegründeten Unternehmens. «Der Wein ist nichts Schädliches, zumindest bei ihm – ich spreche nicht von Bier oder Spirituosen – gibt es eigentlich keine Rechtfertigung für ein Verbot.», so Hauser im Interview mit der Zeitung Der Sonntag.  Auch wenn viele Genossenschafter das Verbot als Wert schätzen würden - er teile diese Meinung nicht. «Problematisch finde ich, wenn Coop den Jungen in ihren Shops auch spät in der Nacht Alkohol verkauft. Aber Wein in den Regalen zu haben, mit Schweizer Weinbauern zusammen arbeiten: Das wäre absolut unproblematisch».

Doch bevor die Migros ihre Regale mit Bordeaux- und Fendant--Flaschen füllt,  müssten das die Migros-Delegierten gutheissen. Ob das passieren wird? «Das ist schwer zu sagen. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es noch Genossenschafter, die Duttweiler persönlich erlebt haben. Meine Enkel werden zwar noch etwas von ihm hören, aber die Migros wird keine Religion mehr sein.», so Hauser. Den Verkauf von Tabak lehnt Hauser aber weiter entschieden ab: «Das ist etwas ganz Anderes. Tabak gefällt mir nicht, jede Zigarette schadet der Gesundheit.»  Ausserdem kritisiert der Migros-Präsident das aggressive Vorpreschen der deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl scharf: «Das sind Kriegsmaschinen.» Sie würden stets nach dem gleichen Schema expandieren. «Sie kommen, kaufen Land und stellen ihr Konzept auf 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 100 Parkplätze hin.» Es habe in jedem Land Platz für einen Harddiscounter, und in der Schweiz hätten Aldi und Lidl heute vier bis fünf Prozent Marktanteil. «Viel mehr sollten es aber nicht werden.»

(laf)