Kuoni hat das Akquisitionstempo gedrosselt, nachdem von 2006 bis 2008 für über 600 Mio Fr. dazugekauft wurde. Im laufenden Jahr gab es bislang keine Mehrheitsübernahme, sondern erst eine Minderheitsbeteiligung. «Das heisst aber nicht, dass wir keine Akquisitionen mehr tätigen wollen», sagt Peter Rothwell, CEO von Kuoni. «Spätestens 2010 werden wir wieder Zukäufe tätigen.»

Dabei schielt Rothwell auf den letzten grossen weissen Fleck im Sortiment des Reisekonzerns: «Südamerika interessiert uns. Das Schlüsselland, in das wir einsteigen wollen, ist Brasilien. Dort gibt es einen sehr grossen Reiseveranstalter, der aber jenseits unserer strategischen Ambitionen liegt.» Alle anderen Anbieter seien relativ klein, was die Sache nicht gerade leichter mache.

Mehrheit an Et-China im Visier

Das letzte finanzielle Engagement war die 32%-Beteilung an Et-China, verbunden mit dem Einstieg in den grössten Reisemarkt Asiens. «Unsere Beteiligung ist prozentual zwar klein, aber strategisch gross», erklärt Rothwell, «mit unserer Minderheit haben wir bewusst einen Low-Risk-Ansatz gewählt, trotzdem sind wir der grösste Einzelaktionär. Wir haben einen Verwaltungsratssitz, um die Marktbegebenheiten in China besser kennenzulernen.» Damit nicht genug: «Wir haben die Optionen, um zuerst die Mehrheit und danach die Kontrolle zu übernehmen. Wie wir es in Indien gemacht haben, wo wir 1996 im grossen Stil eingestiegen sind. Im übertragenen Sinn wollen wir in China wie in Indien vorgehen.»

Anzeige

Rothwell sieht Kuoni aber auch in diesen wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten nicht als Übernahmekandidaten: «Unsere Unabhängigkeit wird durch die Aktionärsstruktur und die Stimmrechtsbeschränkung gewahrt. Wir haben nach wie vor eine gesunde Bilanz und keine Nettoverschuldung. Wir sind folglich nicht auf fremde Hil-fe angewiesen. Ich sehe uns in keinster Weise als Opfer einer unfreundlichen Übernahme. Wir bleiben abgesichert, unabhängig und zukaufend.» Die neue Konzernstruktur unterstütze dies zusätzlich (siehe «Nachgefragt»).

Deutlich weniger liquide Mittel

Laut Rothwell ist Kuoni solide finanziert. «Unser Businessmodell begünstigt dies. Wir verfügen stets über einen Betrag an Vorauszahlungen von Kunden.» Weil dieses Jahr die Buchungen deutlich rückläufig seien, gingen natürlich auch die Vorauszahlungen zurück. «Wir haben dadurch ein neues Bargeldniveau erreicht, das uns zwar nicht glücklich macht, aber das nichtsdestotrotz sicher ist. In guten Jahren hatten wir 80 bis 100 Mio Fr. liquide Mittel. Bis Ende 2009 rechnen wir mit deutlich weniger. Dieser Teil für das Konzernergebnis ist also nicht mehr vorhanden.»

Rothwell stellt aber klar: «Unsere Finanzierung ist sichergestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir die nötigen finanziellen Mittel haben, um selbstständig durch diese Phase zu kommen.» Zu den Wachstumsperspektiven meint er: «Sobald wir zu normalen Verhältnissen zurückkehren, wachsen wir wieder schneller als der Markt.» Doch dies dürfte nicht vor 2011 der Fall sein.

Nachgefragt
«Wir nehmen radikale Änderungen vor»

Peter Rothwell, CEO der Kuoni Reisen Holding in Zürich.

Sie haben Anfang Januar Ihre Stelle als CEO angetreten, als die Wirtschaftskrise die Reisebranche vollends getroffen hatte. Kuoni hat darauf Ende Januar mit einem Investitions- und Kostensenkungsprogramm reagiert. Trotzdem weist der Konzern nach dem 1. Halbjahr einen Verlust von 51 Mio Fr. aus. Weltweit wurden bislang einige hundert Stellen abgebaut. In der Schweiz wurde Anfang September Kurzarbeit eingeführt. Hatten Sie auch Erfolgserlebnisse?

Peter Rothwell: Das klingt wirklich nicht allzu gut, so wie Sie es zusammenfassen. Das ist zwar faktisch korrekt. Realistisch lebe ich seit neun Monaten mit der Krise, doch diese begann ja auch schon vor meinem Antritt.

Mit welchen Zielen haben Sie Ihre Arbeit aufgenommen und inwiefern hat Sie die Realität überholt?

Rothwell: Als ich meinen Vertrag im April 2008 für Januar 2009 unterschrieb, gab es keine Zeichen einer Krise. Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen, dass unser Geschäft signifikant besser wird, als es heute, verursacht durch äussere Einflüsse, ist.

Ihre Erfolgsmomente?

Rothwell: Wir nehmen radikale Veränderungen in unserer Organisationsstruktur vor, wobei die Erfolge nicht nur an der Profitabilität zu den ertragreichen Vorjahren gemessen werden, sondern an den Resultaten der zahlreichen Projekte, die schon im letzten Januar gestartet wurden und gut unterwegs sind. All dies macht uns gesünder und stärker.

Was sind das für radikale Veränderungen?

Rothwell: Sie betreffen vor allem die Art, wie wir unser Geschäft managen. Am Hauptsitz waren wir mehr eine Konsolidierungsholding, welche die strategischen Rahmenbedingungen vorgegeben und sich weitgehend aus den operativen Märkten rausgehalten hat. Heute sorgen wir mit einer Zentralisierung dafür, dass alles nur noch einmal gemacht wird, und zwar besser, schneller, günstiger.

Darauf beruht die zentral ausgerichtete Konzernstruktur, die Sie per 1. Oktober eingeführt haben.

Rothwell: Die neue Struktur ist Teil des Anfang 2009 gestarteten Programms. Dieses wurde bereits 2008 intern angestossen. Meine Aufgabe ist die Projektführung zur Umsetzung der neuen Struktur.

Die Hauptadjektive zur neuen Konzernstruktur lauten «kundenorientiert» und «funktional». War Kuoni beides vor Ihrer Zeit nicht?

Rothwell: Doch. Aber zu wenig konsequent. Die Divisionsstruktur mit der Produktdifferenzierung über Style und Smart war sehr wichtig für die ganze Organisation, um länderübergreifend die Zusammenarbeit zu beginnen.

Woran wird man Ihre Handschrift bei Kuoni dereinst erkennen?

Rothwell: Meine Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Zukunft für Kuoni besser wird, als es dieses Jahr ist. Meine Handschrift? Ich werde die neue Konzernstruktur zügig und konsequent umsetzen. Wir wollen auch künftig zu den Gewinnern in der Reiseindustrie gehören.