Gemeinsame Sache machen die drei Mobilfunkbetreiber Swisscom, Orange und Sunrise nur sehr selten. Dann, wenn es um anderes als das reine Alltagsgeschäft geht.

Zum Beispiel das Projekt Handy als Zahlungsmittel. Per 1. April wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet. Künftig sollen beispielsweise Online-Einkäufe, Einkäufe im Laden, Automatenbezüge oder elektronische Tickets mittels Mobiltelefon bezahlt werden können. Gemäss den Mobilfunkbetreibern zeigen vor al-lem die Finanzindustrie, die Ticketingbranche und Betriebe des öffentlichen Verkehrs grosses Interesse an dieser Zahlungsmöglichkeit. Und auch Orange, Sunrise und Swisscom haben hohe Erwartungen in die Technologie. Es könnten künftig beispielsweise alle Kredit- und Debitkarten in das Mobiltelefon respektive die SIM-Karte integriert werden.

Erste Geräte 2010

Damit dies alles funktioniert, muss es einheitliche Standards und Prozesse geben. Die neue Arbeitsgruppe will genau das erreichen: Standards, Prozesse und Verantwortlichkeiten erarbeiten und mit anderen Branchen abstimmen. Die Mobilfunkbetreiber setzen dabei auf die Verbreitung der Technologie Near Field Communication (NFC). NFC ist ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken. Bereits im kommenden Jahr sollen international erste NFC-fähige Mobiltelefone auf den Markt kommen.

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Hilfreich bei der Zusammenarbeit ist die France Télécom, das Mutterhaus von Orange. Sie stellt der Schweizer Arbeitsgruppe viele ihrer Erkenntnisse aus Frank- reich, England, Spanien und weiteren Ländern zur Verfügung. Diese Länder haben bereits erste Erfahrungen.

Einen Nachteil daraus, dass man in der Schweiz später dran ist, gebe es aber nicht, betonen die Mobilfunkbetreiber. Es sei vielmehr ein Vorteil, da man nun von den ausländischen Erfahrungen profitieren könne. Viele technische Probleme seien beispielsweise bereits gelöst.

Neben Orange bringt Swisscom Know-how aus der Vodafone-Partnerschaft mit ein, die ebenfalls international an Feldtests und Lancierungen beteiligt ist.

Man darf also gespannt sein auf die ersten Schweizer Ergebnisse in Sachen Handyshopping. Und die sind schon sehr bald zu erwarten: Denn für die drei Mobilfunkbetreiber ist dies nicht irgendein «Nebenprojekt», sondern etwas, das ziemlich weit oben auf ihrer Prioritätenliste steht. Dies beweist unter anderem die Tatsache, dass sowohl die Wettbewerbskommission als auch das Bundesamt für Kommunikation über die Zusammenarbeit informiert wurde.