An den Börsen mögen sich die Kurse ein gutes Stück weit erholt haben - bei den strukturierten Produkten wirkt die Finanzkrise immer noch nach. So zeigt die Entwicklung der Marktanteile der Anlageinstrumente seit dem Höhepunkt 2007 weiter nach unten; bis im letzten Juli nahmen nach Messungen der Schweizerischen Nationalbank die Volumen um 152 Mrd Fr. ab. Dies ist zwar zu guten Teilen auf die Abwertung der verschiedenen Anlageklassen zurückzuführen, die als Basiswerte für die strukturierten Produkte fungieren. Dennoch haben die Rückgänge auch mit den Kratzern im Image der einstigen Wunderprodukte zu tun: Die Anleger haben die Folgen der Lehman-Pleite von 2008 nicht vergessen - damals verfielen teils auch vermeintlich sichere Kapitalschutzprodukte als wertlos.

So zeigt eine neue Studie des Instituts für Schweizerisches Bankwesen an der Universität Zürich, dass sich das Image der strukturierten Produkte seit 2008 insgesamt deutlich verschlechtert hat. So weit die schlechten Nachrichten. Auf der positiven Seite stellt die gleiche Studie fest, dass Investoren, die bereits solche Vehikel im Portefeuille halten, zufriedener sind als auch schon. Ein Drittel der befragten Besitzer will zudem seine Anteile ausbauen.

Dies ist sicher ein Punkt, an dem die Emittenten an der vierten Messe Strukturierte Produkte vom 20. und 21. Oktober im Kongresshaus in Zürich anknüpfen werden. Für sie geht es aber jetzt auch darum, Neukunden ins Boot zu holen. Und auch diesbezüglich sind einige Anstrengungen im Gange. So macht sich die Schweizer Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange daran, die pfandbesicherten Zertifikate (COSI) mit einem eigenen Gütesiegel weiter zu pushen. COSI-Papiere wurden explizit als Reaktion auf den Fall Lehman Brothers geschaffen und minimieren die Risiken beim Konkurs eines Emittenten; 600 Einzelpapiere gibt es heute schon am Markt zu kaufen. Jetzt soll mit den Produkten gar auch der deutsche Markt in Angriff genommen werden. Ebenfalls sucht der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) nach zeitgemässen Strategien; im Branchenverband wurde zudem die Führungsspitze kürzlich neu besetzt. Neben diesen Bemühungen hat die Industrie aber auch nicht vergessen, was sie am besten kann: Rasch mit Instrumenten auf geänderte Marktsituationen reagieren. Ob Absicherung gegen die Rezession oder Ausnutzen der hohen Marktvolatilität die Produkte dazu sind rasch zur Stelle. Kann die Branche gerade in diesem schwierigen Börsenumfeld die Investoren zufriedenstellen, erweist sie sich selber den besten Dienst.

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