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Luxusgüter
Bally wird wohl nach China verkauft

Laden von Bally: Die Schweizer Traditionsmarke dürfte bald chinesisch werden.
Laden von Bally: Die Schweizer Traditionsmarke dürfte bald einen neuen Besitzer haben.Quelle: Keystone

Rund 700 Millionen Dollar bietet ein chinesisches Luxus-Konglomerat für die Schweizer Traditionsmarke Bally. Peking will Richemont und Kering konkurrenzieren.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 10.01.2018

Die Schweizer Traditionsmarke Bally bleibt die heisse Kartoffel, die sie in den letzten Jahren war. Jetzt dürfte das Luxus-Label demnächst in chinesische Hände gelangen, wie das Branchen-Portal «The Business of Fashion» schreibt.

Zur Erinnerung: Der Schweizer Finanz-Tausendsassa Werner K. Rey verkaufte Bally 1977 an die Schweizer Industriegruppe Oerlikon-Bührle (heute Oerlikon). Diese zog sich 1999 zurück und reichte Bally an die US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific weiter. Neun Jahre später verkauften die Amerikaner das Luxushaus an die deutsche Milliardärsfamilie Reimann.

Diese plante mit ihrer Gesellschaft Labelux ein Gegengewicht zu den Luxusgüter-Konzernen LVMH, Kering und Richemont aufzubauen. Mittlerweile konzentrieren sich die Reimann uns ihre Gesellschaft JAB allerdings auf das Geschäft mit Kaffee – und wollen Bally loswerden.

Unter den Top 20 in der Modebranche

Sehr zur Freude von Shandong Ruyi. Die chinesische Firma – entstanden aus einer Woll-Spinnerei in Nordchina – bietet gemäss Insidern 700 Millionen Dollar für Bally. Und hat – wie zuvor Labelux – grösse Pläne im Luxus-Sektor.

Die Chinesen besitzen bereits die britische Trenchcoat-Marke Aquascutum und kontrollieren die beiden Edel-Schneider Gieves & Hawkes und Kent & Curwen über ihre Mehrheit an der Herrenbekleidungsgruppe Trinity. Zudem gab Shandong Ruyi letztes Jahr über 2 Milliarden Euro für die Muttergesellschaft von Lycra – einem Stoff-Spezialisten – aus. Nach Umsatz zählt Shandong Ruyi bereits ohne Bally zu den Top 20 der globalen Mode- und Luxuskonzerne – deutlich vor Michael Kors, Burberry und Prada. Chef und Mehrheitsaktionär von Shandong Ruyi ist Qiu Yafu. Er gehört gemäss «Forbes» zu den reichsten Chinesen.

Im Dienste Pekings

Shandong Ruyi erwirtschaftet zwar dünne Cashflows, verfügt aber gemäss den öffentlich zugänglichen Zahlen über eine stattlich ausgestattete Kriegskasse. Es ist daher wahrscheinlich, dass das Unternehmen von der Regierung in Peking den Auftrag erhalten hat, ein chinesisches Luxus-Powerhouse als Konkurrent zu den etablierten europäischen und amerikanischen Konzernen aufzubauen. Ähnlich wie HNA im Bereiche Infrastruktur, Dalian Wanda in der Unterhaltungsindustrie oder Fosun in der Tourismusbranche.

2025 dürfte China im Luxus-Sektor mit einem Anteil von 44 Prozent der mit Abstand grösste Markt sein. Davon jedenfalls geht die Consultingfirma McKinsey aus. In den acht Jahren bis 2016 gingen drei Viertel des Umsatzwachstums für Luxusgüter auf das Konto von chinesischen Konsumenten. Kurz: Ein chinesischen Luxus-Konglomerat würde aus Sicht von Peking viel Sinn machen, da die Wertschöpfung im Inland behalten werden könnte.

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