Sie sind seit vier Monaten im Amt. Was ist Ihr Eindruck von OC Oerlikon?
Brice Koch: Ich spüre eine tolle Firma. Die Technologien, die ich hier sehe, sind Weltklasse. Die Umwälzungen, die Oerlikon erlebt hat, sind an mir vorbeigegangen. Erst als ich im Rennen um den Chefposten war, habe ich mich detailliert mit OC Oerlikon beschäftigt. Da ist mir bewusst geworden, über welch spannende Technologien Oerlikon verfügt. Was mich auch beeindruckt hat: Oerlikon ist trotz führenden Technologien eine relativ kleine Firma.

Wie bitte?
Okay, drei Milliarden Franken Umsatz, mit Metco vier Milliarden – das ist nicht so klein, aber auch nicht sehr gross. Jedenfalls ist OC Oerlikon eine Firma, die sehr global tätig ist, was untypisch ist für Unternehmen dieser Grösse. Zudem ist OC Oerlikon sehr profitabel. Für diese Firma zu arbeiten, hat mich sehr gereizt.

Bisher haben Sie eine Lobeshymne auf OC Oerlikon gesungen. Aber das Unternehmen hat auch Baustellen. Bei drei von fünf Sparten stimmen die Margen nicht.
Die Beschichtungs- und die Textilsparte erzielen hohe zweistellige Margen. Da stellt sich immer die Frage: Was kann man noch besser machen? Und dann habe ich drei Bereiche mit einstelligen Margen. Das ist auch spannend. Ich habe ein sehr vielfältiges Portfolio. Oerlikon wurde stark als Portfoliofirma geführt, das heisst, die einzelnen Sparten wurden getrennt betrieben. Die Frage ist: Wollen wir das beibehalten oder wollen wir Synergien zwischen den Sparten stärker ausnutzen?

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Synergien welcher Art?
Denkbar wäre etwa, vom Kundenwissen jeder einzelnen Sparte stärker zu profitieren. Das Gleiche gilt für geografische Positionierungen und nicht zuletzt für unser technologisches Know-how. Da lässt sich künftig noch einiges bewegen.

OC Oerlikon hat die Beschichtungssparte von Sulzer Metco gekauft. Wo liegen hier Synergien?
Balzers und Metco sind für mich wie Yin und Yang. Metco ist spezialisiert auf Dickfilm-Technologie, unsere Beschichtungssparte auf Dünnfilm. Zwei komplementäre Technologien aus einer Hand für den Kunden.

Das sind Synergien für den Kunden. Und für Oerlikon?
Wenn der Kunde neue Möglichkeiten aus den kombinierten Beschichtungstechnologien erhält, profitieren wir auch als Unternehmen, weil wir für den Kunden wichtiger werden. Zudem ist Metco bei den Flugzeugherstellern gut im Geschäft. Das dürfte Balzers helfen, schneller einen Fuss in die Tür zu bekommen. Umgekehrt läuft das Spiel in der Automobilindustrie. Synergie Nummer zwei: Die komplementäre Infrastruktur. Metco ist in den USA stark vertreten, Balzers in Indien. Metco muss sein Servicegeschäft ausbauen. Wie das am besten geht, macht Balzers vor. Es gibt sogar noch eine dritte Synergie, die allerdings schwieriger zu nutzen ist.

Welche?
Bisher haben wir beide Beschichtungstechnologien getrennt betrachtet und verwendet. Jetzt haben wir bei Oerlikon die Möglichkeit, zu versuchen, beide Technologien miteinander zu kombinieren, also Bauteile sowohl mit einem Dünnfilm als auch mit einem Dickfilm zu beschichten. Hier wollen wir eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Diese können ganz andere Bauteile entwickeln, wenn sie wissen, dass sie das Bauteil danach doppelt beschichten können, um es sowohl gegen Korrosion und Reibung als auch gegen Hitze zu schützen. Flugzeugtriebwerke sind ein Beispiel.

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