Unter den Hiobsbotschaften aus der Weltwirtschaft hat diese besondere Beachtung gefunden: Vergangenen Februar ist der Aussenhandel der Exportnation China um 26% eingebrochen. Kein Wunder deshalb, bemüht sich das Reich der Mitte dieser Tage besonders intensiv um seine Handelspartner.

Scharen von Investoren sind in Europa unterwegs, in Australien, in Afrika. «Investitionen und Fusionen sollen angebahnt werden», sagt Handelsminister Chen Deming. Und das im grossen Stil. Autobauer Geely etwa ist an Volvo interessiert, Lenovo an europäischen Tech-Unternehmen, China Life an Versicherungen, und das Bergbauunternehmen Chinalco verhandelt mit Rio Tinto. China ist auf dem Vormarsch. Schon beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos hatte Premier Wen Jiabao erklärt: «Das Gesunden der Weltwirtschaft hängt ab von der engen Zusammenarbeit der Welt mit China.»

Frisierter Wechselkurs

Seine eigene Wirtschaft kurbelt China in den kommenden zwei Jahren mit umgerechnet 717 Mrd Fr. an. Der chinesische Aktienmarkt hat darauf schon positiv reagiert. Seit Jahresbeginn stiegen die Kurse in Schanghai um 20%. Hoffnungen, die Volksrepublik könne mit ihrem Wachstum die Weltwirtschaft retten, halten die meisten Experten jedoch für übertrieben. Dazu sei das Land noch zu schwach und zu abhängig von den USA. Trotzdem schielt die Finanzwelt nach China und hofft auf eine Aufstockung des Konjunkturpakets.

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China selber bleibt derweil bei seinem selbst verordneten Ziel: 8% Wachstum. Dennoch wissen die Chinesen wohl selbst nicht, wo ihre Wirtschaft am Ende dieses Jahres stehen wird. Die Weltwirtschaftskrise fordert ihren Tribut. So sind seit Oktober vergangenen Jahres 20000 kleine und mittelgrosse Unternehmen in der Provinz Guangdong pleite gegangen, Millionen von Wanderarbeitern verloren ihre Arbeit, und die Wirtschaft wuchs zuletzt nur noch mit für China bescheidenen 6,8%. Ernsthafte Indikatoren für einen nahen Aufschwung gibt es ohnehin noch nicht, allenfalls die Hoffnung darauf. «Das Konjunkturpaket wirkt schon», behauptet Jiang Chao vom Broker Guotai Junan in Schanghai. Die Investitionen in Strassen, Kraftwerke oder Wohnungen stiegen in den ersten beiden Monaten um mehr als einen Viertel. Bei den Projekten, die von der Regierung unterstützt werden, lag der Anstieg sogar bei 40%. Auch dem Export hilft der Staat: Die Ausfuhrsteuern werden nach und nach auf null gesenkt. Ausserdem soll der Wechselkurs des Yuan nicht weiter steigen.

Effektiv und liquide

Auch wenn sie nicht nur optimistisch sind, glauben heute viele Ökonomen, dass kein anderes staatliches Konjunkturprogramm auf der Welt so gut funktionieren wird wie das chinesische. Die Pekinger Regierung weiss, wie man Massnahmen effektiv durchführt. Zudem ist China das liquideste Land der Welt mit einem relativ gesunden Bankensystem, einem gering verschuldeten Staatshaushalt und mit riesigen Devisenreserven.

Aber wie gut sind Pekings Politiker wirklich? Im vergangenen Jahr liefen sie den Ereignissen eher hinterher, machten es kaum besser als die westlichen Amtskollegen. So wurden dem Land Kreditverknappung und Zinserhöhungen verordnet, als die Konjunktur schon kriselte. Die Kehrtwende kam erst und abrupt im Herbst. Wie in den etablierten Industrienationen auch.

Kritischer Jim Rogers

Trotzdem nennen Börsenhändler die Signale aus Peking einen der wenigen positiven Faktoren momentan. «Wenn die Wirtschaftskrise die Talsohle erreicht, wird China einer der ersten Märkte sein, der gewinnt», sagt etwa Thomas Gerhards, Fondsmanager bei der DWS. Allerdings warnen Analysten vor zu grossen Hoffnungen. Pekings Milliardenprogramme könnten die Weltwirtschaft nicht wieder flottmachen, sagt der bekannte US-Investor Jim Rogers, trotz der erstaunlich vielen Reisen chinesischer Delegationen in aller Herren Länder.