Für Adrian Flükiger ist klar: «Schade, leider gilt nun auch für die Bank Coop: typisch Bank, arrogant und unbelehrbar!» Der Berner drückte seinen Unmut unmissverständlich in einem Kommentar auf der Webseite von «Espresso» aus. Das Konsumentmagazin von Radio SRF 1 hatte darüber berichtet, dass die Tochter der Basler Kantonalbank Kunden, die nach der Datenpanne zum Jahreswechsel ihr Geld abziehen wollten, zunächst daran gehindert worden seien.

Zur Erinnerung: Weil die Bank Coop im Zusammenhang mit Coop-Superpunkte eine Systemumstellung getätigt hatten, erhielten mehrere tausend Kunden Jahresauszüge von Dritten. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ermittelt – der Verdach: fahrlässige Verletzung des Bankgeheimnisses. Auch die Finanzmarktaufsicht Finma wurde über den Fall informiert. Mediensprecherin Nathalie Waldmann bestätigte Mitte Januar, dass die Bank mit den Behörden kooperiere.

Verzicht auf die vertragliche Kündigungsfrist

Bei Sparkonto-Kunden, die nach diesem Vorfall das Vertrauen in die Bank verloren hatten, zeigte man sich laut «Espresso» zunächst aber wenig verständnisvoll: Die Bank Coop zeigte sich nicht kulant und bestand auf die Kündigungsfrist von sechs Monaten – bei früherem Ausstieg drohe eine (branchenübliche) Strafzahlung. «Unsere Rechtsexperten sind der Ansicht, dass das bedauerliche Versehen beim Jahresendversand nicht als wichtiger Grund zu qualifizieren ist, der eine sofortige Vertragsauflösung rechtfertigt. Zudem ist es im vorliegenden Fall für unsere Kunden zumutbar, die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist einzuhalten», zitiert SRF eine schriftliche Stellungnahme der Bank Coop. 

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Erst nach weiterem Insistieren bei Walthmann sei es zu einer überraschenden Kehrwende gekommen: «Wir haben die Frage eines vorzeitigen Rückzuges von Spargeldern für die vom Fehlversand betroffenen Kunden intern geprüft. Wenn ein Kunde aufgrund seines Vertrauensverlustes in die Bank Coop sein Sparkonto kündigen möchte, so verzichtet die Bank Coop auf die vertragliche Kündigungsfrist», heisst es nun.

Für Rechtsprofessor ist die Lage klar

Für den von «Espresso» befragten Rechtsprofessor Hubert Stöckli ist die Rechtslage ohnehin klar: Mache eine Bank sensible Daten, wie Kontoinformationen eines Kunden, jemandem fremden zugänglich, sei dies ein wichtiger Grund, die Geschäftsbeziehung aufzukündigen – ob Fehler oder Versehen sei dabei irrelevant: «In einem solchen Fall hat der Bankkunde das Recht, die Beziehung mit der Bank sofort aufzulösen», wird Stöckli zitiert.

«Das Verhalten der Bank Coop wundert mich nicht», schimpft «Espresso»-Hörer Arthur Petermann. «Irgendwo her muss das Geld ja kommen, das die Mutter, die Basler Kantonalbank, im selbstverschuldeten Rechtsstreit in den USA wird brennen müssen.» Die beiden Basler Banken müssen auf Grund ihrer diversen Fettnäpfe viel Häme über sich ergehen lassen – oder wie es dieser Tage an einer der unzähligen Basler Vorfasnachtsveranstaltungen mit Blick auf die Bank Coop heisst:

«Eb ych arm by oder ryych –
waiss my Nochber mehr als ych…»