Die Bank Coop trägt die Anständigkeit im Namen.  Seit Jahren führt das Geldhaus den Kernbegriff seiner Imagekampange – «fair banking» – direkt neben seinem Firmenlogo und illustriert diesen mit herzigen Werbespots.

Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit, ein kalkulierbares Risiko – die Bank Coop betont mit solch grossen Vokabeln die Bedeutung des lauteren Geldgeschäftes für sie. Doch wie passt das zusammen mit der Rüge der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), nach der die Bank Coop «in schwerer Weise» den Kurs ihrer eigenen Aktie manipuliert hat?

Für Bank Coop wiegt die Finma-Rüge besonders schwer

Es passt nicht zusammen, und darin liegt ein Risiko für das Geldhaus. Die Tochter der Basler Kantonalbank hat laut Finma von 2009 bis 2013 den eigenen Aktienkurs unzulässig gestüzt, und das besonders zu wichtigen Terminen wie vor der Präsentation von Geschäftsberichten oder zum Jahresende.

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«Die  Bank Coop hat jetzt eine schwierige Position», sagt Nik Stucky,  Markenexperte von The Brand Ticker. «Durch ihre Fair–Banking–Kampagne hat sie einen hohen moralischen Anspruch vorgegeben, dadurch wiegt die Finma–Rüge bei ihr besonders schwer.»

Ob die Marke der Coop Bank dauerhaft geschädigt ist, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. «Wichtig ist jetzt Transparenz und radikale Aufklärung», so Stucky. Es ist die Frage, ob Ex-Chef Andreas Waespi seinem früheren Arbeitgeber einen Gefallen getan hat, in dem er das dreijährige  Berufsverbot gegen ihn als «nicht nachvollziehbar» bezeichnet hat und eine Anfechtung erwägt. Die Finma sieht in Waespi den Hauptverantwortlichen der Kursmanipulationen.

Es fehlt ein Alleinstellungsmerkmal

Sollte das «Fair Banking-Image nicht länger für die Bank funktionieren, hat sie ein Problem: Denn es dürfte dem Geldhaus schwer fallen, ein anderes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz zu finden. Da ist es für die Mutter, die Basler Kantonalbank, noch einfacher. Sie führt das gleiche Logo und wurde ebenfalls im November 2013 wegen Eigenhandels von der Finma abgemahnt. «Diese kann alternativ ihren Status als Bank aus der Region ausspielen. Die Bank Coop müsste erst einmal ein neues Merkmal finden, das sie von der Konkurrenz abhebt», so Stucky.

Eine Lösung wäre für den Markenexperten, dass die Bank Coop ihre Eigenständigkeit aufgibt. «Vorstellbar ist, dass sich die Bank Coop als Marke enger an die Basler Kantonalbank anschliesst.»