Die britische Grossbank Lloyds will einem Bericht des Senders Sky News zufolge etwa 9000 Arbeitsplätze in den kommenden drei Jahren abbauen. Die Bank werde den Plan am nächsten Dienstag mit den Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2014 bekanntgeben, hiess es darin unter Berufung auf Insider. Lloyds werde auch einige Filialen schliessen.

Die Bank reagiere mit diesem Schritt auf den digitalen Wandel in der Branche, werden Insider zitiert. Lloyds habe mehr als 10 Millionen Kunden, die durchaus rege die Online-Dienstleistungen der Bank nutzten. Fast die Hälfte nutze auch mobile Applikationen – eine Zahl, die sich in den letzten drei Jahren vervierfacht hätte.

Lloyds streicht damit etwa ein Zehntel seiner Stellen. Eine Sprecherin sagte am Mittwochabend der Nachrichtenagentur dpa, der Bericht sei «reine Spekulation», die Bank werde ihn nicht kommentieren.

Klassisches Retail-Banking unter Druck

Fakt ist aber: Die Branche ist mitten in einem Strukturwandel. Technologieunternehmen machen Banken zunehmend das angestammte Geschäft streitig. Digitale Konzerne wie Google, Apple und Facebook bieten zunehmend Finanzdienstleistungen an. Dazu kommt, dass immer mehr Kunden ihre Geschäfte nur noch online oder über eine App machen.

Vor allem das klassische Retail-Banking ist vom Strukturwandel betroffen. «Das Privatkundengeschäft der Banken ist schon heute digital – eine Folge der explosionsartigen Verbreitung des Internets und günstigen Smartphones», schreibt das Beratungsunternehmen Bain & Company in einer aktuellen Studie. Ihre Untersuchung hat gezeigt: 2013 wurde weltweit mehr als die Hälfte aller Interaktionen zwischen Bank und Kunden online oder mobile getätigt. In etablierten Märkten wie Skandinavien oder Australien sei dieser Anteil noch höher.

In traditionellen Industrienationen nutzen allerdings kaum mehr als ein Drittel Smartphones oder Tablets für Bankgeschäfte. «Dies liegt nicht an mangelndem Interesse», wie es in der Studie heisst. «Vielmehr erwarten die Kunden, dass ihnen ausgewählte Dienste zeitlich und räumlich nach Belieben zur Verfügung stehen – so wie sie dies von Anbietern von Musik, Unterhaltungselektronik, Fluggesellschaften oder Hotels gewohnt sind.»

Digitalisierung wird weiter voranschreiten

Bislang hätten etliche Finanzinstitute ihre Investitionen in digitale Kanäle darauf beschränkt, den Kunden einfache Transaktionen online oder mobil zu ermöglichen. Ziel sei es in der Regel gewesen, die Kosten im klassischen Filialnetz zu senken. Bankgeschäfte für den Kunden durch innovative, nützliche und einfache digitale Anwendungen bequemer und ansprechender zu gestalten, sei dagegen selten im Vordergrund gestanden.

«Doch nur wer bei der Digitalisierung zügig voranschreitet», so das Beratungsunternehmen, «bietet ein herausragendes Kundenerlebnis.» Banken, die heute diesbezüglich noch Rückstand hätten, sollten schnell handeln, meint Bain & Company, denn das digitale Nutzerverhalten hänge eng mit der Kundenbindung zusammen. Die Bedeutung der digitalen Welt werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

(sda/ise)

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