Seine Karriere war nicht die eines klassischen Bankers. Vierzig Jahre lang amtete Paul Flowers als Pfarrer. Nebenher engagierte er sich stets bei gemeinnützigen Werken und Kulturinstitutionen und sass für die Labour-Partei im Stadtparlament von Bradford. Ein Vorzeigebürger also. Zugleich engagierte er sich bei der Genossenschaftsgruppe Co-operative Group. Dort wurde er 2009 gar zum Verwaltungsratspräsidenten der Banktochter ernannt.

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Doch so rein ist des Pfarrers Weste nicht. Die Zeitung «Daily Mail» schreibt, Flowers sei ein regelmässiger Drogenkonsument und zeigte ein Video, das ihn in flagranti beim Kauf von Crack und Kokain zeigt. Das Geschäft wurde in einem Auto auf den Strassen von Leeds abgewickelt und soll laut dem Blatt am 9. November erfolgt sein und damit drei Tage nach einem Auftritt von Flowers im Parlament, wo er sich zum Scheitern des Kaufs Hunderter Lloyds-Filialen durch seine Bank äussern musste. Flowers hatte später damit geprahlt, wie souverän er da aufgetreten sei.

«Professionelle Hilfe» suchen

Die Co-operative Group leitete umgehend eine Untersuchung wegen «unangebrachten Verhaltens» ein, die sich auch auf die Co-op Bank erstreckt. Wenn nötig würden entsprechende Massnahmen ergriffen. Die Geschäftsaktivitäten sollen künftig besser kontrolliert werden. Flowers hatte die Co-op Bank im Juni nach drei Jahren als Präsident verlassen.

Die Methodisten-Kirche, für die Flowers das Amt eines Predigers bekleidete, gab am Sonntag dessen Suspendierung bekannt und kündigte Untersuchungen an. In ihrer Erklärung zitierte sie auch eine Stellungnahme von Flowers selbst. Darin entschuldigt sich dieser für nicht näher genannte Verfehlungen und gab an, «professionelle Hilfe» zu suchen. Eine ausdrückliche Bezugnahme zu den Vorwürfen in dem Zeitungsbericht gab es allerdings nicht.

Bank steckt in einer tiefen Krise

Wegen der Affäre gerät auch die britische Finanzaufsicht ins Visier. Sie solle erklären, warum sie die Ernennung von Flowers genehmigt habe, forderte der Abgeordnete Mark Garnier, der dem Finanzausschuss des britischen Parlaments angehört. Der Gremiumsvorsitzende Andrew Tyrie sprach sich für eine komplette Überarbeitung des Genehmigungsverfahrens aus.

Die Co-op Bank gehört zu den acht grössten Geldinstituten Grossbritanniens und steckt in einer tiefen Krise. Ende Oktober hatte eine Gruppe von Hedgefonds um Aurelius Capital und Silver Point Capital die Mehrheit bei dem Geldhaus übernommen, nachdem dieses ein milliardenschweres Finanzloch nicht mehr selbst stopfen konnte.

(Mit Material von sda)