Im Streit der Bank J. Safra Sarasin mit dem deutschen Drogeriekönig Erwin Müller, der von der Bank wegen Investitionsverlusten Schadenersatz fordert, ist nun die richterliche Zuständigkeit geklärt. Die 4. Zivilkammer des Landgerichts Ulm hat ein Zwischenurteil erlassen, mit welchem die Zulässigkeit der Klage vor dem Landgericht Ulm festgestellt worden ist, berichtet der Fernsehsender SWR auf seiner Webseite.

Für Sarasin verschlechtern sich damit die Karten: In einem Gutachten der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, das von Sarasin bezahlt wurde, heisst es, dass es «überwiegend wahrscheinlich» sei, dass der ehemalige Kunde Erwin Müller einen Prozess gegen die Bank vor deutschen Gerichten gewinne. Die Bank hatte entsprechend auf einen Prozess in der Schweiz gepocht.

Schaden von bis zu 500 Millionen Euro

Sarasin könne jedoch gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Stuttgart einlegen. Sollte der Ulmer Richterspruch aber rechtskräftig werden, müsse die 4. Zivilkammer in einem weiteren Verfahren prüfen, ob Müller tatsächlich Schadenersatz zusteht, und wenn ja, in welcher Höhe.

Der Fall Müller, er ist der Gründer der gleichnamigen Drogeriekette, allein mit einer Schadenersatzforderung von 47 Millionen Euro wäre für die Bank Sarasin verkraftbar. Allerdings fühlen sich eine Reihe weiterer Kunden, darunter der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, auch geprellt. Er hat an der Öffentlichkeit streuen lassen, das 50 Kunden insgesamt 300 Millionen Euro angelegt hätten. Andere Beobachter schätzen, dass sich der Schaden letztlich sogar auf 500 Millionen summieren könnte.

(awp/chb/me)