Die Ergebnisse von Lehman Brothers liessen die Anleger am Dienstag aufatmen. Der US-Broker musste zwar im 3. Quartal (per Ende August) einen Gewinnrückgang von 3% auf 887 Mio Dollar hinnehmen, hat damit aber besser abgeschnitten als von Analysten im Vorfeld befürchtet. Die Erleichterung bekamen prompt auch die Aktien der Schweizer Grossbanken zu spüren, UBS gewann innert Minuten 1,5% und Credit Suisse 2,0%. Auch der Gesamtmarkt SMI schlug daraufhin einen Aufwärtstrend ein. Zumindest kurzfristig hat Lehman Brothers damit etwas Vertrauen zurückgebracht. Nun blicken die Anleger auf die Ergebnisse von weiteren US-Investmentbanken, die diese Woche anstehen.

Viel Pessimismus enthalten

«In den Markterwartungen ist schon sehr viel Pessimismus drin», sagt Georg Kanders, Analyst bei der WestLB. Von Bloomberg befragte Analysten erwarten bei Morgan Stanley (19.09.) durchschnittlich einen Rückgang des Gewinns pro Aktie von 11%, bei Bear Stearns (20.09.) einen Einbruch um 41%. Einzig Goldman Sachs (20.09.) dürfte das Ergebnis dank eines Veräusserungsgewinns gesteigert haben.
Etwas in den Hintergrund getreten sind dabei die Bilder der Kunden in den Warteschlagen vor den Filialen der britischen Hypothekenbank Northern Rock. Die Aktie ist seit letztem Freitag um über 55% eingebrochen und hat viele andere Finanzwerte mitgerissen.
Northern Rock refinanzierte die vergebenen Hypothekarkredite in hohem Masse am Geldmarkt. Dieser ist noch immer angespannt, weil Geschäftsbanken wenig bereit sind, sich untereinander Geld auszuleihen. Die britische Zentralbank musste dem angeschlagenen Kreditinstitut mit einer Liquiditätsspritze zu Hilfe eilen.
«Es gibt keine andere Bank, die so stark verwundbar ist», erklärt Derek Chambers, Analyst bei Standard & Poors Equity Research. Es könne aber durchaus sein, dass noch weitere Institute in geringerem Ausmass betroffen sein werden. Alliance & Leicester verfolgt etwa ein ähnliches Geschäftsmodell.
Die weiteren Quartalsabschlüsse und vor allem die Ausblicke der US-Investmentbanken geben auch Hinweise auf die Folgen der Kreditkrise für UBS und Credit Suisse. Direkte Rückschlüsse sind aber nicht möglich, da jede Bank andere Engagements und Risiken eingegangen ist. «Im Gegensatz zu den reinen Investmentbanken können die Grossbanken zudem die Auswirkungen durch stabilere Bereiche wie die Vermögensverwaltung abfedern», erklärt Markus Bächtold, Analyst bei Clariden Leu. «Erst wenn Klarheit über das Ausmass der Verwüstungen herrscht, können sich die Titel wieder nachhaltig erholen», so Bächtold. Er rät deshalb den Anlegern, trotz bereits sehr attraktiven Bewertungen noch mit einem Einstieg zuzuwarten.

------

Gebeutelte Aktien

Northern Rock
Die Aktie hat seit Freitag über 55% verloren. Für Entspannung sorgte erst die britische Regierung, die eine Garantie für die Spareinlagen abgab. Am Markt wird nun damit gerechnet, dass die angeschlagene Hypothekenbank übernommen wird.

Lehman Brothers
Der Titel der US-Investmentbank hat seit Anfang Juni rund 20% abgegeben. Die über den Erwartungen gelegenen Zahlen haben am Markt aber für Entspannung gesorgt. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2008 von 8.7 bewertet.

Anzeige

UBS
Die Aktie hat seit Juni über 23% eingebüsst. Jüngst hat die Citigroup das Kursziel um 10% auf 63.– Fr. gesenkt, Société Générale (SG) das Rating auf «Hold» von «Buy» reduziert. Die Folgen der Kreditkrise werden sich wohl erst in den Ergebnissen vom 30. Oktober zeigen.

Credit Suisse
Der Titel ist seit Juni fast 19% zurückgegangen. Die Citigroup hat das Kursziel um 19,3% auf 96.– Fr. zurückgenommen, SG das Rating auf «Sell» von «Buy» gesenkt. Bis zur Publikation der Resultate am 1. November dürfte die Unsicherheit anhalten.