Der Bankbranche steht in Europa und auch in der Schweiz ein grosser Stellenabbau bevor. «Ich erwarte bis Ende nächstes Jahr einen Abbau von rund 10 Prozent der Arbeitsplätze im Schweizer Bankensektor», sagt Eduardo Leemann, langjähriger Vizepräsident des Auslandsbankenverbandes und Chef der Falcon Private Bank gegenüber der «SonntagsZeitung».

Gemessen an den derzeit 108'000 Beschäftigten auf dem Bankenplatz Schweiz wäre dies ein Abbau von mehr als 10'000 Stellen. Auch der Zürcher Bankier Thomas Matter rechnet mit einer Entlassungswelle in seiner Branche, wie er gegenüber der SoZ sagte.

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Das Problem ist die Produktivität

Das Problem der Banken liegt unter anderem in der Produktivität. "Die Banken sind zu wenig produktiv", wird Claudio Segovia, Bankenspezialist beim Analyseunternehmen BAK Basel Economics, zitiert. Mit 250'000 Franken pro Angestellten liege die Wertschöpfung der Banken weit unter jener der Versicherungen, die pro Kopf 350'000 Franken umsetzen. «Die Banken müssen nachholen, was die Assekuranz vor zehn Jahren getan hat», so Segovia.

Die kürzlich mit Deutschland und Grossbritannien ausgehandelten Abkommen für Abgeltungssteuern für ausländische Vermögen seien zwar ein politischer Befreiungsschlag, heisst es weiter. Den Banken entstünden dadurch aber Zusatzkosten von rund einer halben Milliarde Franken. Zudem würde durch die Steuer rund ein Viertel der verwalteten Schwarzgelder abfliessen. Die Schwindsucht der ausländischen Privatvermögen werde sich dadurch noch verstärken.

Ein Teil des Rückgangs gehe aufs Konto der Frankenstärke. «Die meisten Kunden haben ihre Gelder in Fremdwährungen wie Dollar oder Euro angelegt», sagt Iqbal Kahn, Chef Banking & Capital Markets beim Beratungsunternehmen Ernst & Young. Wenn der Dollar 30 Prozent an Wert verliere, würden die Kommissionserträge im gleichen Ausmass sinken. «Die Banken können nur die Boni senken oder Leute entlassen, wollen sie verhindern, dass ihnen die Kosten aus dem Ruder laufen», so Kahn gegenüber der SoZ.

«Die Banken müssen beim Personalaufwand über die Bücher»

Privatbanken mit einem hohen Anteil ausländischer Kunden und Vermögen von weniger als zehn Milliarden Franken stünden vor der Existenzfrage. Hätten sie bislang den Grossteil der Kapitalerträge für sich behalten können, müssten sie diese nun mit dem Kunden und dem Steueramt teilen. «Kleinere Banken werden Zusammenschlüsse suchen, um Grössenvorteile zu nutzen», sagte Kahn weiter.

Vor diesem Hintergrund fordert Thomas Matter im Interview mit der SoZ: «Die Banken müssen beim Personalaufwand über die Bücher. Die überrissenen Löhne im Investment Banking und teilweise auch im Private Banking müssen endlich herunterkommen. Allerdings haben viele Banken unter politischem Druck Boni gekürzt und Fixsaläre erhöht. Das beschleunigt nun die Entlassungswelle.»

Grossbanken haben in den letzten Wochen den Abbau von 50'000 Jobs angekündigt. Allein der britische Finanzkonzern HSBC will sich von 30'000 Angestellten trennen. Die UBS baut 3'500 Arbeitsplätze ab, die Credit Suisse 2'000. Mit 900 Stellen kam die Schweiz bislang noch glimpflich davon.

(laf/sda)