Der Druck nimmt zu: «Der Wettkampf der Dienstleister im Schweizer Bankenmarkt hat sich in den letzten Monaten deutlich zugespitzt», heisst es im neusten Marktbericht der Zürcher Beratungsfirma Active Sourcing. Neue Marktteilnehmer beleben das Geschäft.

So hat der US-Computerkonzern HP im Mai 2010 die Kontrolle über den Berner Rechenzentrums-Betreiber und Kernbankensoftware-Entwickler RTC gewonnen. Zudem übernahm Anfang Oktober das neu gegründete Unternehmen Inventx die Banking Solutions von T-Systems in Chur und Econis gewann die Verträge zum Betrieb der Finnova-Kernbankenlösungen der «Säntis-Banken», einer Gruppe von kleineren Kantonalbanken. «Mit HP, Econis und Inventx stehen nun drei potente Player der marktführenden Swisscom-Tochter Comit gegenüber», kommentiert Active Sourcing, «allerdings beträgt der Marktanteil von Comit im Bereich IT-Outsourcing noch immer 59 Prozent.» Doch auch IBM darf nicht vergessen gehen. Mit dem Unternehmen Unicible ist der Konzern von Lausanne aus aktiv und verfügt mit der Waadtländer Kantonalbank über einen bedeutenden Vorzeigekunden. Zu den Kunden zählen laut Branchenkenner rund 30 weitere Banken.

Preisedruck nimmt zu

«Weil die Leistungen bei Banken in der Regel weitgehend vorgegeben sind - Stichwort Pflichtenheft -, äussert sich der Wettbewerbsdruck primär in tieferen Preisen sowie in besseren Vertragskonditionen wie Haftung, Ausstiegsbedingungen oder Maluszahlungen», sagt Stefan Regniet, Firmenchef von Active Sourcing.

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«Preise sind wichtig, doch auch die Qualität und die Innovation sind zentral», bestätigt Gregor Stücheli, geschäftsführender Partner bei Inventx, «der Outsourcingmarkt ist sehr weit entwickelt und es gibt viele Sourcing-Berater, welche Datenbanken über Angebote und Preisgestaltung haben.» «Der Wettbewerbsdruck nimmt zu», bestätigt auch Peer Volkmann, Leiter Banking Service Center, HP Schweiz, «verglichen mit anderen europäischen Outsourcing-Märkten sind immer noch relativ wenige Anbieter in der Schweiz präsent.» «Der Wettbewerbsdruck wird durch neue Marktteilnehmer zunehmen», sagt Urs Rutschmann, Leiter Marketing & Backoffice bei Econis, einem Schweizer IT-Dienstleister, «dieser wird aber nicht stark ausfallen, da einige Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um im Marktsegment der Finanzdienstleister erfolgreich zu sein.» Da die Anforderungen für einen Markteintritt hoch sind, ist auch die Zahl der neuen Anbieter beschränkt. «Zudem ist ein Anbieter nach wie vor sehr dominant» sagt Rutschmann, «Letzteres wird sich in Zukunft vermutlich ändern, da innovative und flexible Kräfte ihre Anteile erobern werden.»

Platzhirsch und Neuzugänge

Die Rede ist hier vom Platzhirsch Swisscom IT-Services. Dort war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. «Die Kunden erwarten mehr Transparenz in der Leistungserbringung und kundenspezifische Servicegestaltung zu günstigen Preisen», sagt Stücheli, «zudem soll die Integration zu Kundenprozessen weiter vorangetrieben werden, sodass die Kunden die Infos des Anbieters sofort in Ihren Prozessen haben und auch online auf die SLA-Management-Systeme zugreifen können.» Und auch HP hat schon ambitiöse Pläne: «Wir wollen zum führenden Anbieter von Dienstleistungen und Produkten im Finanzsektor werden», so HP-Experte Volkmann, «daher haben wir in einem Outsourcing-Abkommen mit RTC/Berner Kantonalbank den Betrieb der beiden Rechenzentren übernommen.» Die hochqualifizierten Fachleute von RTC seien alle zu HP übergetreten, die Kernbankenplattform IBIS3G soll fertiggestellt und vermarktet werden. Allerdings ist der Weg noch weit, wie HP-Insider berichten. In diesem Jahr müssen noch drei Module fertiggestellt werden. In der Schweiz kann das HP-Team erst ab Januar 2012 auf Kundensuche gehen, im Ausland wohl erst im Sommer 2012.

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Bei allen Anbietern wird bis dann eine stärkere Ausdifferenzierung gefragt sein. «Grösseren Banken empfehlen wir, ihre Provider-Management-Kompetenz weiterzuentwickeln und zu stärken», rät Outsourcing-Experte Regniet, «vor diesem Hintergrund ist dann auch die Empfehlung für Multisourcing, so Best-of-Breed, sinnvoll.» Bei kleineren Banken rät er zur Vorsicht, wenn zu viele Dienstleister herbeigezogen werden. Die Komplexität der Steuerung nehme zu, was kleinere Institute überfordern könne. «Ein geglücktes Beispiel ist die St. Galler Kantonalbank, sie hat ihr Multi Provider Management im Griff wie kaum eine andere Bank.» Die St. Galler Kantonalbank hat sechs Provider (Comit, Inventx, HP, SIX, Ricoh, Swiss Post Solutions), die bei den Schnittstellen aufgepasst haben, sodass wenig Abstimmung zwischen den Dienstleistern nötig ist. «Man kann sich auf das Erreichen einer hohen Wirkungskraft, durch Fokussierung auf das Marktsegment der Finanzdienstleister sowie Preiseffizienz und Qualitätsbewusstsein, ausdifferenzieren», sagt Econis-Mann Rutschmann. Econis hatte Swisscom IT-Services den Auftrag über den Betrieb von fünf Rechenzentren bei kleineren Kantonalbanken abgejagt. «Neben dem Preis spielen noch die Kundennähe, die Innovationskraft, der Cultural Fit sowie die Qualität der Dienstleistung eine wichtige Rolle», sagt Stücheli. Gerade die Qualität sei wichtig, sie müsse klar messbar sein, sich ständig verbessern und vom Kunden einfach überprüfbar sein.

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Suche nach dem kleinen Unterschied

«Bei international tätigen Finanzinstituten ist die globale Abdeckung von grosser Bedeutung sowie die Überzeugung, einen kompetenten und stabilen Partner gefunden zu haben», sagt Volkmann. Er spielt so die internationale Karte aus, bei der Econis oder Swisscom IT-Services nicht mithalten können. Aber das alleine genügt nicht: «Im Finanzsektor sind höchste Qualität und Verfügbarkeit von Bedeutung unterlegt mit anspruchsvollen Service Level Agreements», sagt Volkmann weiter, «die Kosten sind wichtig - allerdings halten wir es im Finanzsektor für keine aussichtsreiche Strategie, sich über die Kosten zu differenzieren. Hier wird Qualität grossgeschrieben.»