Die Nervosität ist in diesen Tagen hoch, wenn es um Bankaktien geht. Weitere Abschreiber schweben wie ein Damoklesschwert über den Titeln. Vor allem der zusätzliche Abschreibungsbedarf von bis zu 11 Mrd Dollar der US-Bank Citigroup und der Abgang von CEO Charles Prince haben die Anleger aufgerüttelt.

In dieser allgemeinen Unsicherheit stossen Gerüchte und negative Kommentare von Analysten auf besonders fruchtbaren Boden. So rechnet eine Analystin für die Citigroup mit einem dringenden Kapitalbedarf von mehr als 30 Mrd Dollar.

UBS-Aktien auf Zweijahres-Tief

Viele Anleger haben sich eilig von ihren Bankaktien getrennt; der Schweizer Bankenindex hat in der vergangenen Woche fast 10% an Wert eingebüsst. Die UBS-Aktie ist momentan mit rund 55 Fr. so billig wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Doch derzeit sehen nur mutige oder langfristig orientierte Anleger eine Kaufgelegenheit. So sind auch einige Analysten im Anschluss an die Ergebnispublikation von ihren Kaufempfehlungen abgerückt.
Die UBS gehört zusammen mit der Citigroup und Merrill Lynch zu den Instituten, die besonders hart von der Kreditkrise betroffen sind. Die Grossbank musste im 3. Quartal 2007 netto 5,1 Mrd Fr. abschreiben, während die Credit Suisse, die keine genauen Angaben zu ihrer Position macht, netto 1,1 Mrd Fr. abgeschrieben hat.
Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), rechnet damit, dass die UBS im
4. Quartal etwas mehr als 2 Mrd Dollar abschreiben muss. Und Helvea-Analyst Peter Thorne schätzt den weiteren Bedarf an Abschreibungen auf 8 Mrd Fr. «Damit würde zwar ein Verlust von 3,5 Mrd Fr. resultieren, die Dividende müsste aber nicht gekürzt werden», so der Analyst.
Auch bei der Credit Suisse, die sich anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen nicht zu allfälligen weiteren Abschreibungen geäussert hat, sind laut Analysten weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen. Aus heutiger Sicht scheint die Deutsche Bank von den drei Banken am wenigsten von der Kreditkrise betroffen zu sein. Der Quartalsabschluss fiel im Rahmen der Erwartungen aus; im 3. Quartal stieg der Reingewinn um 31% auf 1,6 Mrd Euro. Dirk Becker, Analyst bei Kepler Equities, erwartet, dass die Anleger mit der Zeit zwischen den einzelnen Banken und ihren jeweils unterschiedlichen Engagements unterscheiden werden.
Heute ist dies aber noch nicht der Fall: So hat etwa die Aktie der US-Investmentbank Goldman Sachs, die im US-Subprime-Markt sogar noch Gewinne erwirtschaftet hat, in der letzten Woche wie viele andere Investmentbanken rund 10% eingebüsst.

Auf den ersten Blick attraktiv

Auf den ersten Blick sehen die Bewertungen jetzt attraktiv aus. Doch es stellt sich die Frage, wie stark künftig die Gewinnschätzungen noch weiter nach unten angepasst werden müssen. Auf der anderen Seite dürften bereits viele Befürchtungen eingepreist sein. Bei der UBS schätzt Analyst Peter Thorne, dass im aktuellen Kurs weitere Abschreibungen von 50 Mrd Fr. enthalten sind. «Dass dieser Fall eintritt, ist sehr unwahrscheinlich, wenn nicht gar verrückt», so der Analyst.
Zumindest in einem Punkt sind sich die Analysten einig. Die Aktien dürften in der nächsten Zeit weiterhin sehr volatil bleiben, und mit der Zeit dürften die positiven Aspekte wieder in den Vordergrund rücken, wie etwa das starke Vermögensverwaltungsgeschäft der beiden Schweizer Grossbanken.

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