Vontobel-Geschäftsleiter Zeno Staub sieht jede dritte Schweizer Bank auf dem Totenbett: Er ist überzeugt, dass gegen 100 Institute nicht überleben werden. Er bezog sich mit seiner Aussage auf den US-Steuerstreit. Doch die Prognose könnte durchs Internet noch beschleunigt werden. Im Anlagegeschäft und dem Zahlungsverkehr sehen sich traditionelle Banken je länger je mehr Konkurrenz durch branchenfremde Firmen bedrängt. Paypal oder Skrill waren nur der Anfang.

Inzwischen drängt auch Facebook auf den Markt, Alibabas Finanzarm MYbank wird für den Juni erwartet, Google Wallet oder Amazons Bezahlsystem für Drittfirmen sind nur zwei weitere Alternativen in einer Vielzahl digitaler Konkurrenten.

Internetbanken unterschätzt

Nicht nur für die Platzhirsche der Branche sondern für alle Alteingesessenen bedeutet dies, dass die Gewinnmargen über kurz oder lang weiter erodieren werden. Eigentlich wäre also zu erwarten, dass die Banken alles daran setzen, die neue Konkurrenz in die Schranken zu weisen. Doch offenbar unterlaufen der Finanzindustrie ähnliche Fehler wie der Musikindustrie, als jene die Kontrolle über die digitale Verteilung von Musik weitgehend an branchenfremde Zwischenhändler wie Apple verlor.

Denn eine kürzlich erstellte Studie des Schweizerischen Instituts für Finanzausbildung (SIF) zeigt, dass ein Drittel der befragten Kaderleute von Schweizer Banken die Konkurrenz von Google und Co. als unwichtig oder eher unwichtig erachten. Knapp 60 Prozent der Befragten sehen gar keine Verbindung zwischen Innovationskompetenz und Zukunftsfähigkeit.

Viel wichtiger ist den Bankern für die wirtschaftliche Zukunft das Umsetzen regulatorischer Vorgaben. Das heisst, viele Geldinstitute haben momentan wegen Regulierungspflichten keine Zeit für den digitalen Wandel oder messen ihm nur eine untergeordnete Rolle zu.

Verkrustete Firmenstrukturen

Doch der Regulierungsdruck allein ist nicht der einzige Grund, warum viele Kaderleute die Internetbanken unterschätzen, obwohl das Thema schon länger aufs Tapet gebracht wurde. Das zeigt auch die Studie des SIF. Wie in allen Branchen, die durch die Internetwirtschaft heftig durchgeschüttelt werden, stehen auch den Banken festgefügte Firmenstrukturen im Weg.

Während die digitalen Konkurrenz von internetaffinen Gründern geleitet wird, sitzen bei den Banken oft Leute an den Schalthebeln, denen es schwer fällt, die Bedürfnisse der Internet-Generation aufzuspüren – geschweige denn anzusprechen. Um den branchenfremden Konkurrenten zu begegnen, wären also massive Investitionen in den Ausbau der digitalen Kompetenz oder deren Zukauf vonnöten, wie ihn die Credit Suisse betreibt.

Viele Banken legen Schwerpunkt auf Altbekanntes

Doch bei vielen Banken passiert dies nicht und sie legen den Schwerpunkt auf Altbekanntes: Da sie als Folge diverser Steuerskandale massiv in den Ausbau der Rechtsabteilungen investieren müssen, um neuen Regulierungsanforderungen zu genügen, stecken sie zu wenig Ressourcen in die Arbeiten, die nötig wären, um mit der neuen Konkurrenz Schritt zu halten.

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