Die zehn grössten Banken der Schweiz haben in der Corona-Krise bislang kaum grosse Nothilfe-Kredite ab eine halben Millionen Franken gesprochen. Dies zeigt eine exklusive Erhebung der HZ. So wurden bislang nur 156 Millionen Franken an sogenannten CovidPlus-Krediten ausbezahlt.

Es handelt sich dabei um jene verzinsten Nothilfe-Darlehen zwischen einer halben und 20 Millionen Franken, bei denen der Bund zu 85 und die Banken zu 15 Prozent bürgen. Im Vergleich dazu haben die grössten zehn Schweizer Banken bisher rund 7,5 Milliarden Franken an Covid-Krediten bis zu 500'000 Franken ausbezahlt. Diese Darlehen werden zu Null verzinst und vom Bund zu 100 Prozent gedeckt.

Spätere Zahlungsausfälle

Der St. Galler Wirtschaftsprofessor Manuel Ammann findet es verständlich, dass die Banken eine gewisse Zurückhaltung bei der Kreditvergabe üben. Mit jedem neuen Kredit, auch einem CovidPlus-Darlehen, steige die Gesamtverschuldung eines Unternehmens steigt und damit auch das Risiko eines Ausfalls. Insgesamt könnte sich so das Kreditportfolio der Banken verschlechtern. Es brauche dann mehr Eigenmittel und höhere Rückstellung für spätere Zahlungsausfälle. 
 

«Je länger, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit.»

Manuel Ammann, Bankenprofessor Uni St. Gallen
Anzeige

Alles hänge nun davon ab, wie lange der Corona-Lockdown noch dauere, so Ammann. «Je länger, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit, was auch Banken in die Bredouille bringen könnte.»

John Feigl, Partner beim Kreditberatungsunternehmen Pilfor, weist daraufhin, dass der Covid-Plus-Zins das Risiko in den allermeisten Fällen nicht reflektiere. Ihm seien grössere Unternehmen mit langjährigen Bankbeziehungen bekannt, die bislang keine Covid-Plus-Kredite erhalten hätten. Die Firmen seien vertröstet worden mit Verweis auf eine eingehende Bonitätsprüfung.

Feigl plädiert dafür, dass der Bund auch die Covid-Plus-Kredite voll garantiere. Nur so sei gewährleistet, dass die Banken die Kredite tatsächlich rasch sprechen würden.

Bei der Finanzmarktaufsicht Finma spielt man den Ball an die Institute zurück: Es sei wie immer an den Banken, ihren Risikoappetit bei der Kreditvergabe zu definieren.

Der Bundesrat, Nationalbank und Finma hätten mit der Aufhebung des antizyklischen Kapitalpuffers und den Leverage-Ratio-Erleichterungen zusätzliches Eigenkapital freigespielt. «Wie die Banken nun ihren Spielraum nutzen, bleibt in ihrer Verantwortung.»