Die deutschen Banken warnen vor Ungereimtheiten beim umfassenden Bilanz-Check der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Branche befürchte, dass sich die EZB bei dem Stresstest zu stark auf pauschale Annahmen stütze statt auf die bei den Banken erhobenen Daten, sagte Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsbankenverbandes BVR, auf einer Konferenz am Mittwoch in Frankfurt.

«Es kann nicht sein, dass eine gesunde Bank über Pauschalierungen schlechtgeredet wird.» Er spricht für die Deutsche Kreditwirtschaft, den Zusammenschluss der fünf grossen Bankenverbände. Es gebe nicht nur die Gefahr, dass eine insolvenzreife Bank die Prüfung bestehe, auch das Scheitern einer gesunden Bank sei möglich.

Streitpunkt Schiffsfinanzierung

Unterstützung erhielt Hofmann dabei von Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret, der dort für die Bankenaufsicht zuständig ist. «Pauschale Annahmen sollten so wenig wie möglich verwendet werden», sagte er auf der gleichen Veranstaltung. BaFin-Chefin Elke König hatte kürzlich wegen der beim Stresstest angewandten Methoden aus dem gleichen Grund Alarm geschlagen.

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Die EZB nimmt bei der Überprüfung unter anderem das Engagement der Banken in der Schiffsfinanzierung unter die Lupe. Dort ist es aber stark vom Schiffstyp abhängig, wie ausfallgefährdet die Kredite sind. Eine pauschale Abwertung könnte einzelne Institute deshalb benachteiligen.

«Was will die EZB mit all diesen Daten?»

Kritisch sehen die deutschen Banken laut Hofmann auch die Rolle der privaten Unternehmensberatung Oliver Wyman, die von der EZB angeheuert worden war, die Bilanzprüfung zu begleiten. «Viele Banken haben den Eindruck, dass Oliver Wyman hier einen ungünstigen Einfluss hat», sagte er. Aussenstehende hätten den Eindruck, dass die EZB die Kontrolle über den Test verloren habe. Die Flut von Zahlen, die die Prüfer anforderten, mache die Institute misstrauisch: «Da stellen sich viele Banken die Frage: Was will die EZB mit all diesen Daten?»

(reuters/gku)