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Zinsmanipulation
Banken machten Libor-Betrügereien leicht

Marcel Rohner: Auch er musste wegen den UBS-Libor-Manipulationen in London antraben. (Bild: Keystone)

Organisatorische Mängel bei den Banken haben die Zinsmanipulationen sehr leicht gemacht. Die Lücken wurden von den Händlern sofort ausgenutzt.

Von Andreas Körner
am 28.05.2013

Die deutschen Banken haben aus Sicht der Finanzaufsicht BaFin nicht genug gegen eine mögliche Manipulation wichtiger Zinssätze getan. Organisatorische Mängel in den Geldhäusern hätten es einzelnen Händlern leicht gemacht, Referenzwerte wie den Libor oder den Euribor zu ihren Gunsten zu beeinflussen, kritisierte BaFin-Chefin Elke König am in Bonn. «Die Institute haben diesem Prozess nicht die Bedeutung beigemessen, die er im Rückblick hätte haben sollen.»

Manipulationen über Jahre

In dem Manipulationsskandal werden weltweit mehr als ein Dutzend Banken untersucht, in Deutschland unter anderem die Deutsche Bank. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze werden täglich auf Basis der Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten ermittelt. Für die Meldungen waren bei den Banken einige wenige Personen zuständig.

«Bislang sieht es in Deutschland nicht so aus, als hätten wir es mit systematischer Kriminalität zu tun», sagte König. «Es scheint eher um einzelne Händler zu gehen.» Mit der Frage, ob Bank-Vorstände für die organisatorischen Mängel in ihren Häusern verantwortlich gemacht werden können, hat sich die Bonner Aufsichtsbehörde bisher noch nicht befasst.

Deutsche Bank wird genauer durchleuchtet

Nach dem Bekanntwerden des Zinsskandals habe die BaFin zunächst bei allen Instituten einen Grundcheck gemacht sowie einige Sonderprüfungen, sagte der für Banken zuständige BaFin-Aufseher Peter Lutz. Bei Sonderprüfungen - dem schärfsten Schwert der BaFin - schickt die Behörde eigene Prüfer oder externe Gutachter in die Geldhäuser, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Da geeignete Prüfer knapp sind, musste die BaFin jedoch Prioritäten setzen und konzentrierte sich zunächst auf die wichtigsten Institute. Demnächst werden aber auch alle verbliebenen Banken, die an der Erhebung der Zinssätze beteiligt sind, genauer unter die Lupe genommen, sagte Lutz. «Es gibt noch Kandidaten, wo wir Sonderprüfungen durchführen werden.»

Am meisten Aufsehen erregt die Überprüfung der Deutschen Bank, bei der seit vergangenem Jahr Sonderprüfungen laufen. Das Institut war neben der abgewickelten WestLB als einziges deutschen Geldhaus an der Erhebung des Libor beteiligt, von dem weltweit Geschäfte von Hunderten Billionen abhängen. Derzeit werde ein erster Bericht zu den Abläufen bei der Deutsche Bank ausgewertet, sagte König. Es gebe aber noch weitere Themen, die analysiert werden müssten, betonte sie und bestätigte damit einen Reuters-Bericht von Mitte April. «Es ist ein komplexes Institut und es sind viele Fragestellungen.» Auf ein Datum für den Abschluss der Untersuchungen legte sie sich nicht fest.

In den Manipulationsskandal sind viele Grossbanken rund um den Globus verwickelt. Die UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Bei der Deutschen Bank steht in der Affäre besonders Co-Chef Anshu Jain im Fokus. Er hat jahrelang die Investmentbanksparte geleitet, in der es zu den Manipulationen gekommen ist. Bei Barclays musste der frühere Investmentbank-Chef Bob Diamond wegen des Zinsskandals seinen Hut nehmen.

(chb/rcv/reuters)

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